Beitrags-Archiv für die Kategory 'Im Heckerland'

Mahler sammelt Grenzerfahrungen und andere Familiaritäten oder schaut nur auf den See (11)

Sonntag, 14. Oktober 2012 20:07

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Ernst Albert hatte seine doofe Geschichte erzählt. Eine Geschichte von Feigheit, Unaufrichtigkeit, dem Grinsen statt dem Denken, hektischen Erwartungen, mangelnder Frustrationstoleranz, zerstörerischen Ängste und dieser ganz besonders fürchterlichen Schlaumeierei. Nichts Besonderes eigentlich, Musentempel eben, aber in dieser Ausprägung nicht alltäglich. Er hatte die Geschichte gar nicht mal wütend erzählt, traurig eher, kopfschüttelnd. Genauso hatte Mahler zugehört. Die Aufrechtgeher sind ja zu manchem Schwachsinn fähig, das weiß der Bär, seitdem er Welt schaut. Aber so etwas? Potzrembelige Psychokacke aber auch! Dann stand der Ehrenwerte Ernst Albert auf und machte sich auf nach Mittelhessen Und der Bär dachte, daß es schon sehr schmerzhaft sein muß, sich so von seiner alten Heimat verabschieden zu müssen. Vor allem, wo man doch hier so schön auf den See schauen kann. Mahler wiederum hatte noch keine Lust auf Mittelhessen und blieb erst mal sitzen. Blöd nur, wenn man keinen ordentlichen eigenen Gedanken fassen kann, weil jemand Dir Hirn und Herz vollgepackt hat mit Aufrechtgehermonstrositäten. Ob er die Geschichte von Herrn Albert erzählen soll? Ein großer Quatsch wäre so etwas wohl. Das wird von ihm gedenkt, demnach bleibt er sitzen, winkt dem Säntis zu und ein Segelboot vor seinen konsternierten Blicken kämpft gegen die badische Flaute an. Nichts geschieht, selbst Wind und Wellen stumm, als ruhe der See in Aspik. Und die Zeit rollt sich auf zu einer kleinen Kugel und rutscht des Bären Buckel hinunter. Dem Herrn Archibald Mahler wird es ganz sepia zu Mute und so bemerkt er, daß auch er seine Heimat verloren hatte. Und dies schon vor langer, langer Zeit.

Thema: Archibalds Geschichte, Im Heckerland | Kommentare deaktiviert | Autor: Christian Lugerth

Mahler sammelt Grenzerfahrungen und andere Familiaritäten oder schaut nur auf den See (10)

Freitag, 12. Oktober 2012 15:37

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Dieses war nicht zu ahnen, daß diese kleine unschuldige Welle dermaßen Fahrt aufnehmen würde. Der Bär hatte auf den See hinaus gestarrt und über die letzte Karte des Herrn Budnikowski nachgesonnen. Über den einstens abservierten Ex – Kapitän Lackball und die folgenden Lügengewitter. Und dabei der Welt, Konschtanz und so einigem den Rücken zugewandt. Das sollte man nicht tun. Warum eigentlich nur? Da hört er den Ehrenwerten Ernst Albert über das Gelände des Hörnle schlurfen, seufzend und sehr verwirrt und dann setzt der Herr Ernst Albert sich neben den Mahler und beginnt zu erzählen, was ihm in den letzten Tagen widerfahren war. Eine unglaublich abstruse Geschichte. Und Mahler schaut über sich und sieht die Überschrift über seinem Schädel! Grenzerfahrung! Familiarität! So genau hätte man es nicht erfahren müssen. Weia aber auch! Besser den Gefahren das Gesicht zuwenden. Oh Musentempel! Jetzt hoch auf die Ufermauer! Und nach vorne schauen! Aber hören wir dem Musentempler Albert zu! Morgen dann!

Thema: Im Heckerland, Musentempel | Kommentare deaktiviert | Autor: Christian Lugerth

Mahler sammelt Grenzerfahrungen und andere Familiaritäten oder schaut nur auf den See (9)

Mittwoch, 3. Oktober 2012 20:11

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Die Schwanenfamilie also nähert sich im Formationsschwimm. Mama und Papa nehmen Fahrt auf. Federn aufgeplustert, Flügel aufgestellt wie die (sic!) Flügeltüren eines alten Benz 300 SL. Fauchen auch. Hinter dem Beschützerpaar paddeln in grauer und häßlicher Entleinformation vier eigentlich recht entspannte Nachwuchsschwäne. Archibald Mahler sitzt in all seiner betrachtenden Unschuld am Ufer, will weder füttern, noch kommentieren, geschweige denn Schindluder treiben mit heranwachsender Zukunft. Jedoch: das Elternpaar zischt und droht hysterisch präventiv. Arme häßliche Entlein! Sie sehen nicht aus, als forderten sie ein, noch nicht mal irgendwas. Sie können auch schon schwimmen. Das ist nichts Besonderes. Brauchen die häßlichen Entlein aber vielleicht doch so etwas wie “Hochbegabtenförderung”? Gibt es eigentlich auch “Runterförderung”? Fragen wir besser nicht das hyperventilierende Elterngeschwader! Wird sonst teuer. Hihi und Hoho oder SUV! Archibald Mahler ist zufrieden, mit sich und der Welt – der Wind ist auch wieder ein wärmerer – hat er doch schon wieder des Ehrenwerten Herrn Albert Auftrag erfüllt und nachgedacht über: Familie. Da rollt eine Welle an. Was das wohl wieder bedeuten mag?

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Mahler sammelt Grenzerfahrungen und andere Familiaritäten oder schaut nur auf den See (8)

Sonntag, 30. September 2012 19:07

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Der Ehrenwerte Herr Ernst Albert hatte einen klaren Auftrag erteilt. Wann war das noch gewesen? Letzten Montag! Weia! Denn was ist seitdem geschehen? Na ja! Archibald Mahler hatte den Auftrag schlichtweg vergessen. Ein freundliche Herbstsonne hatte sich die Woche über am See breit gemacht und so etwas gefällt dem Bären. Da braucht er nicht mehr. Wolken gucken, Segelboote auch, ab und an ein Schwan, ein Kahn, ein Schiff und ein Gundele vor den Horizonten. Genug zu tun. Oder die Haubentaucherfamilie gestern. Ständiges Gezirpe und Gefordere der Kinderschar, durch das klare Wasser jagende Elternhühner, im Zehnminutentakt werden Fische und Fischle aus dem Wasser gezogen und an die fordernde Brut verteilt. Und weil der Herbst naht, sind die Haubentaucherkinder aka – jugendliche schon genauso groß wie ihre Füttereltern, nichtsdestotrotz wird weiter gefiept, geklagt und gefordert – natürlich auf haubentaucherisch – kaum ist das Abendbrot im Rachen. Satt? Satt isst nicht! Und da fiel Herrn Mahler der Auftrag wieder ein. La Familia! Drüber nachsinnen! Hatte er wohlfeil verdrängt! Ist ja auch bekennender Solitärbär, der Archibald Mahler, Bär vom Brandplatz und mal wieder an heckerländischen Gewässern weilend. Und dann rauschte Herr Ernst Albert übers das Gelände, überreichte ihm eine Postkarte aus Polen und war weg, jedoch ohne zu vergessen, den Auftrag zu erneuern. Und der Bär konnte gar nicht so schnell hinterherrufen dem Davoneilenden, daß er doch gerade – natürlich auf haubentaucherisch – den Auftrag erfüllt habe. Von Nordost näherte sich kalter Wind und eine Schwanenfamilie. Dann las Mahler Budnikowskis Postkarte. “Aha!” und “Interessant!”. Das dachte der Bär. In diesem Moment zog Papa Haubentaucher ein richtiges dickes Fischlein aus dem See. Mal sehen, in welchen Schreihals die Beute passt.

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Mahler sammelt Grenzerfahrungen und andere Familiaritäten oder schaut nur auf den See (7)

Montag, 24. September 2012 16:58

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So saß Archibald Mahler auf der anderen Seite der Konschtanzer Bucht. Heißt so. Er erinnerte sich. Hier war er schon mal gewesen. Am Hoernle. Da wo Heckerland beginnt oder aufhört. Schon damals konnte er sich nicht entscheiden. Auch heute ist es ihm eigentlich gleich. Anfang oder Ende? Er mag diesen Ort, von vorne oder von hinten. Der See öffnet sich hier bis Österreich, die Berge reihen sich auf hinter den gegenüberliegenden Ufern, und wenn man Glück hat, gibt Gott der Herr und Kulissenschieber die Sicht frei auf die zweite, dritte und manchmal sogar vierte Reihe. Heute dünstet der noch warme See die Weitsicht zu. Es suppt und die Konturen verschwimmen. Auch schön. Hinter dem Dunst kratzt das Licht an den Schleiern und fordert Einlaß. Ein nagender Gedanke fordert desgleichen Einlaß in des Bären Denkkasten. Was hatte der ehrenwerte Herr Ernst Albert gerufen, bevor er wieder zur Probe stürmte? “Hör mal, mein kleiner Freund, bevor Du arme Pilzsammler erschreckst, solltest Du mal etwas Produktives tun und zum Beispiel über Deine Familienverhältnisse nachsinnen. Wir sind hier nicht nur aus Jux und Dollerei. Und ein bißchen mentale Unterstützung täte mir ganz gut, Bär.” Weia die Waldfee! Da hatte Archibald Mahler gedacht, es könne sich hier einen spätsommerlichen Lenz übers sonnenbeschienene Fell braten, während sein Herr und Meister rund um die Uhr hirnt. Na ja, manchmal biert er auch. Trotzdem. Gut! Aber was nun? Himmel und Hirn des Bären bleiben heute erst mal trübe. Morgen! Gewiß, morgen dann.

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Mahler sammelt Grenzerfahrungen und andere Familiaritäten oder schaut nur auf den See (6)

Sonntag, 23. September 2012 15:35

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Der Bär wollte schon lange fort gewesen sein. Doch da war noch die gütige Sonne, die seit Tagen beständig auf des Bären Haupt scheint. Diese lähmt Bewegungsdrang und Entschlußkraft, beides Eigenschaften, die Archibald Mahler, wenn er schaut, sowieso etwas ferner liegen. So gelang es Herrn Ernst Albert, aus dem nahen Musentempel hastend, gerade noch seinen kleinen Reisegefährten im Stadtgarten zur Rede zu stellen. Wild wedelte er mit einem Exemplar der hiesigen Printmedien. Das mag der Bär nicht so gerne, wenn wer Wind macht, außer Aeolos. Der Vorwurf, den der Herr Mimenarrangierer fuchtelnd formulierte, hatte zum Inhalt, daß es offenbar sehr riskant sei, den Herren Bär länger alleine zu lassen. Er möge zuhören, befahl man dem Mahler und dies wurde nun vorgelesen:
“MOOS (dpa). Ein vermeintlicher Grizzlybär hat am Bodensee Pilzsammler erschreckt. Ein Vater und sein fünfjähriger Sohn hatten die Polizei gerufen und von einem großen Bären berichtet, der bei Moos offensichtlich betäubt an einem Baum stehe. Die Beamten fanden den 2,30 Meter großen Bären tatsächlich – allerdings war er aus Stoff. Als die Polizisten den Riesen – Teddy  auf eine nahegelegene Wiese trugen, seien noch etliche Pilzsammler hinzugekommen, die sich vorher auch schon vor dem Bären erschreckt hatten.”
Und die Moral vom dem Bericht? Niemals Wiesenchampignons und Psyllocybin verwechseln. Gilt auch für Bären. Der Ehrenwerte Herr Ernst Albert hätte da noch das ein oder andere berauschte Geschichtlein von den Ufern des See zum besten zu geben. Aber er mußte schon wieder auf die Probe. Dem Bären war es recht und er stand auf und machte rüber ans andere Ufer. Weiterhin Sonnenschein.

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Da ist noch mehr! Postgegenklappern gen Polen

Samstag, 22. September 2012 19:34

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Lieber Budnikowski!
Lese gerade Ihre Karte. Wo sind Sie eben? Waren wir da gemeinsam? Oder gurken Sie rum? An die polnischen Gurken erinnere ich mich mit Freude. Zurückkarten kann ich nicht. Ich weiß ja nicht, wo Sie wandern. Geht mich auch nix an. Zeit hab ich auch wenig. Muß immer nächtens mit dem Ehrenwerten Herrn Ernst Albert Musentempelprobleme durch die Insomnia kugeln. Ist aber lustig. Sie kennen den Herrn ja. Thema BVB. Das erledigt sich von selbst. Der Heynckes muß aufpassen, daß er nicht vor lauter Praecoxeuphorie von der Bank fällt. Aber eigentlich ist das wurscht. Ich muß schon wieder ein Rothaus Märzen. Falls Sie mal in einem Internetcafe sitzen – manchmal regnet es ja da oben an der Küste – schauen Sie einfach rein bei mir. Da bin ich drin.

Bis dahin herzlichst Mahler

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Mahler sammelt Grenzerfahrungen und andere Familiaritäten oder schaut nur auf den See (5)

Donnerstag, 20. September 2012 16:44

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Einfach mal rüber machen? Um zu sehen, was da hinter dem Rücken rum macht? Der Bär möchte die Seite wechseln. Wer aber von hier, also da, wo Archibald Mahler gerade sitzt und schaut, rüber macht, wechselt einiges und dann aber doch nicht. Für die Auswärtigen folgendes: Archibald Mahler sitzt am Rande des Ufers, welches hier doitsches Gestade darstellt, aber sitzt doch lediglich auf einem Landzipfelchen der Schweizer Landmasse. Da drüben in Blickrichtung Nordwest ist germanisches Terrain, aber das ist auch nur die Spitze einer Landzunge, die sich in den See ergoß, als die Gletscher weitergezogen aka weggeschmolzen waren. Lang ist’s her. Da gab es noch keine Löhlis und Seehasen und Schwoabeseggel. Nur Wesen auf dem Weg zum Menschen. Sitzt man aber da drüben, schaut man in die Sonne und in die Schweiz, was sich wiederum nicht bedingt. Wer in den Abgrund schaut, ergattert selten einen Sonnenbrand. Und wer sich wenige Jahre zurückdenkt, erblickt drüben am Schweizer Ufer alten Konstanzer Kirchengrund. Bis hoch, dort wo St. Gallen winkt. Kann man nicht sehen, aber Archibald Mahler spricht ab und an mit dem Ehrenwerten Herrn Ernst Albert und der erzählt. Gerne tut er das. Erst gestern, also heute Nacht, als Albert von der Musentempelarbeit kam und aus der Kneipe und er den Bären weckte mit großen Redebedarf, weil wer Mimen in seiner Nähe weiß, braucht ab und an einen Bär und seinen ruhigen Rat. Der Mahler ließ sich wecken und stand zu Diensten. Zum Dank nun ereilten ihn folgende Aufträge. Nachdenken über Budnikowskis letzte Karte und das Alte und das Neue und wie es nebeneinander vielleicht. Und – Potzrembel die Waldfee – bitte: la Familia! Heute scheint wieder die Sonne. Der Bär bricht auf und schiebt die Gedanken hinter sich. Nicht in die Schweiz, dort würden diese ersticken, sondern in den mentalen Rucksack. Schön warm am See.

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Mahler sammelt Grenzerfahrungen und andere Familiaritäten oder schaut nur auf den See (4)

Dienstag, 18. September 2012 17:49

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Wem gehört das Wasser? Wem gehört ein See? Da fährt ein Schiff vor Archibald Mahlers Nase von der Schweiz in die Schweiz durch einen deutschen Schlund. Der Himmel gehört allen oder dem Herrn, aber wem gehört das Wasser? Gehört das Wasser, dem auf dessen Land die Quelle oder dem, dessen Gestade von den Mündungsarmen geteilt wird? Oder ist diese Frage schlichtweg obsolet? Hier ist viel Wasser, klares Wasser, warmes Wasser, sauberes Wasser, Draufschauwasser. Mahler mag das sehr. Hat er ja schon oft geäußert. Hier ist Wasser göttliche Normalität und umsonst. Doch es gibt Gegenden, wo sich entfernte Verwandte des Bären gegenseitig die Pranken über den Schädel ziehen, beim Kampf um den Zugang zum letzten Wasserloch. Wasser hat einen Wert. Und was für einen. Selbst für einen Bären, der nie duscht und von jeglichen ökonomischen Anfechtungen gänzlich unbeleckt ist. Dennoch, wenn man jetzt da vorne, wo die Brücke den Ausfluß aus dem See überspannt, eine Wassergrenze ziehen würde? Einen dicken Staudamm errichten würde, so daß die hiesigen Ureinwohner das Wasser, welches aus der Schweiz runtergeflossen kommt, für sich behalten können? Danach kam man das gestaute Wasser den Schweizern, wenn die Durst kriegen sollten, für teures Geld verkaufen. Rückkehr! Archibald Mahler denkt nach, kratzt sich am Pöter und behält den Einfall für sich. Sonst setzen die Geldgierer hier vor Ort diese Idee noch in die Tat um. Andererseits, wer lange und konsequent staut, säuft ab oder erstickt. Solange das Wasser nachkommt. Man munkelt, woanders sei dies nicht mehr der Fall. Braucht man etwa anstelle eines Staudammes eine Mauer um den See herum? Weia? Aber herrlich warm ist es noch immer. Das bleibt gut. Oder ist es etwa gar zu warm und das Wasser steigt? Genau hinschauen!

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Mahler sammelt Grenzerfahrungen und andere Familiaritäten oder schaut nur auf den See (3)

Dienstag, 18. September 2012 1:14

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Die Sonne scheint auch heut. Das ist gut. Und es ist noch wärmer geworden. Muß man sich fast schon wieder dran gewöhnen im Frühherbstsommer. Archibald Mahler war in die richtige Richtung gekippt. Links, gleich ums Eck – so sagt man hier – liegt der See. Nahocke und schaue. Da vorne ist die Rheinbrücke. Da drüben ist die Seestrasse. Und linker Hand schräg das Inselhotel. Das erste zu besteigende Haus am Platz. Einst kam es als Kloster zur Welt. Domikanerkloster. Bescheidenheit. Die Münsterglocken schweigen mittlerweile. Noch aber wird geheiratet. Im Inselhotel wird seit einigen Stunden weitergeheiratet. Archibald Mahler fällt auf, daß die gesamte Hochzeitsgesellschaft eine seltsame Sprache spricht. Fremd. Fürchterlich fremd. Woher soll der Mittelhessenbär wissen, daß dies Schwyzerdütsch ist? Dürfen die das? Hier grenzüberschreitend heiraten? Wahrscheinlich schon. Aber ist das eigentlich nicht ganz fürchterlich schade? Mahler liest nochmal Budnikowskis Postkarte. Er denkt. Und denkt nach. Der See grinst ihn an und ist unschuldig und schön. Ja, es ist ganz fürcherlich schade. Wer seine Heimat vor dem ersten Hahnenschrei verrät! Archibald Mahler kratzt sich am Pöter. Da ist keine Hose und kein am Pöter klemmender Geldbeutel, welcher des Bären Herz korrumpiert. Glück gehabt! Trotzdem! Der kehlige Singsang der Hochzeitsgesellschaft klingt unangenehm, wie er so über den allzu hübschen See hinweg poltert und singt. “Strafe muß demnach sein.” Nein! Sowas würde der Bär – noch immer Gast am See – niemals denken. Oder doch? Diesseits der Grenze aber kassiert der diesseitige Einheimische und klagt und jammert. Archibald Mahler wiederum ist froh drum, hier noch eine ganze Zeit verweilen zu dürfen. Vieles gilt es noch zu begreifen.

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