Beitrags-Archiv für die Kategory 'Im Heckerland'

Mahler und Budnikowski setzen sich unter einen Baum und unterhalten sich mal oder mahler (11)

Donnerstag, 20. Juni 2013 18:49

Fr07

“Mahler?”

“Budnikowski?”

“Nur in der Einsamkeit fände man zu sich, behauptet der Todtnauberg!”

“Bedenkenswert!”

“Dann müssen wir die Schnauze halten?”

“Blödsinn!”

“Also verstehen Sie mich nicht?”

“Genau!”

“Und weshalb reden wir dann und wollen noch mehr reden wollen?”

“Genau deshalb!”

“Dann kann ich auch diesem Baum eine Frage stellen!”

“Budnikowski, das ist ein Weg!”

“Wohin?”

“Erst ist da ein Ziel, dann findet mancher gelegentlich einen Weg!”

“Nicht jeder und gewiß?”

“Wär ja noch schöner!”

“Elite?”

“Nur Elite! Und deshalb Einsamkeit!”

“Verstehe ich nicht!”

“Dann kann der Rest auch Elite bleiben und ich bleibe mein eigener Pöter!”

“Was meinen Sie, wie alt dieser Baum ist?”

“Möglicherweise hat sich Herr Heidegger hier schon entleert!”

“Herr Mahler!”

“Nicht so! Alle Öffnungen emanieren!”

“Der Weltgeist! Weia!”

“Budnikowski, mit Ihnen denk ich am liebsten und bleib allein dabei!”

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Mahler und Budnikowski setzen sich unter einen Baum und unterhalten sich mal oder mahler (10)

Mittwoch, 19. Juni 2013 16:24

Fr06

“Budnikowski?”

“Mahler?”

“Halten wir zuerst fest, daß es von oben kommt!”

“Fallendes Wasser!”

“Nebenkriegsschauplatz! Das Denken der nächsten Wochen!”

“Der Bär wird spiritiv?”

“War er stets , aber ich meine anderes!”

“Aber denken tun wir weiterhin!”

“Aber eben nicht über, sondern nur denken!”

“Hä?”

“Wir wollen nicht über Dinge und Welt und Pöter und Kack nachdenken, sondern das Denken als Vorgang begreifen!”

“Denken als Tat?”

“Fast!”

“Denken als Tun!”

“Budnikowski, Hut ab! Welt entsteht erst als die gedachte Welt. Der Rest ist Pipifax und jenseits von Todtnauberg, Stand heute!”

“Und wer findet wen oder sich?”

“Machen wir morgen und lassen Zeit sein!”

“Sein als Zeit?”

“Bleiben wir zu zweit allein!”

“Mensch, Mahler, Sie legen ein Tempo vor!”

“Bin ja auch ein Bär!”

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Mahler und Budnikowski setzen sich unter einen Baum und unterhalten sich mal oder mahler! (9)

Dienstag, 18. Juni 2013 19:45

Fr05

“Mahler?”

“Budnikowski?”

“Wäldern lagern.”

“Bäche stürzen.”

“Felsen dauern.”

“Regen rinnt.”

“Fluren warten.”

“Brunnen quellen.”

“Winde wohnen.”

“Segen sinnt.”

“Wir auch?”

“Was Heidegger…”

“Können wir auch?”

“Na ja, Jens is gone!”

“Aber wir sind jetzt hier!”

“Mahler?”

“Budnikowski!?”

“Ich fühle mich wohl in Leib und Hirn hier!”

“Mit, Hase!”

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Mahler und Budnikowski setzen sich unter einen Baum und unterhalten sich mal oder mahler! (8)

Samstag, 15. Juni 2013 0:33

Fr03

“Hä?”

“Psst!”

“Budnikowski ehrenwerter, kein Wort das ich versteh!”

“Mahler, Freund und Förderer, das rechte Ohr mir dreh er zu! Geheimnis lautstark Gehaspel nicht verträgt!”

“Die Ungeduld an meiner Nase zerrt! Oh Wort, oh Botschaft, Wort oh Wort?”

“Hier ist es: morgen fahr`n wir fort, wo Tann`und Ficht´im Sommerlicht und schwarzer Wald!”

“In dem man spricht und angelehnt an Baumespfähle, das Hirn zu neuer Großtat quäle!”

“Oder es einfach fließen lässt. Nun schlaf er fein, dann folgt der Rest!”

“Wir werden Narren sein!”

“Und drunten fließt der Rhein!”

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Archibald Mahler weiterhin am See und doch in Mittelhessen (Autobiographisches Hirnen Sechs)

Donnerstag, 25. Oktober 2012 18:00

steg2

Natürlich hat der Budnikowski mal wieder recht. Weg hier, nur weg. Leiblich und mental. Keine Fragen mehr stellen. Was hätten sie auch geantwortet, der Doktor und das Fräulein? „Wir sind nicht dazu bestellt Ihnen das zu sagen. Gehen Sie in Ihr Zimmer und warten Sie. Das Verfahren ist nun einmal eingeleitet, und Sie werden alles zur richtigen Zeit erfahren.“ Vielleicht geht es so. Keine Fragen mehr stellen, sondern warten bis dir jemand eine Frage stellt. Archibald Mahler vermeint einen Hauch von Bewegung festzustellen, an der Oberfläche des Aspikbodensees. Er verspürt wenig Lust, nun da er sich auf den Weg nach Prag gemacht hat, um sich mit Herrn Budnikowski am Grabe des Ehrenwerten Herrn Kafka zu treffen, sich noch einmal umzudrehen. Zu spät. Nein, heute fühlt er sich seit langem mal wieder richtig beieinander. Fast als seien er und er selbst und seine restlichen Varianten ein einziges Ich. Ich bin einer, so einer wie ich bin. Nicht schlecht dieses Lied. Als am Steg ein Boot anlegte, um den Bären abzuholen, war dieser schon längst unterwegs. Kein schöner Oktober dieses Jahr. Aber viel begriffen, selbst wenn es nicht zu begreifen ist.

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Archibald Mahler weiterhin am See und doch in Mittelhessen (Autobiographisches Hirnen Fünf)

Mittwoch, 24. Oktober 2012 15:26

brandplatz8

In zwei Monaten ist die Heilige Nacht. „Vielleicht sollte ich schon mal in den Keller, das Lametta suchen, um es dann aufzubügeln.“ Ein Gedanke, den Herr Mahler sogleich verwirft. Winterschlaf, oh Du Retter vor aller Versuchung in dieser Richtung. Weiter geht es im Kopp des Bären. Nehmen wir mal an, das Bein bleibt dran und der Nagel rostet nicht, das Heimatbild bleibt demnach hängen an morscher Wand. Aber wer ist es, der nun betrachtet dieses Bild? Derjenige, der jener seiner möchte, der er war als dies Bild gemalt, geschossen, genommen, vielleicht gar sein will Bestandteil des (noch) hängenden Bildes? Ein sich den Pöter kratzender Fremder, dem das Bild keine Geschichte mehr erzählt, seine Netzhaut ihn unbeteiligt hinterläßt, dessen Haupt sich ratlos schüttelt, so feste er auch hinschauen mag? Und was sieht das Bild, schaute es zurück? Traurige Sehnsucht? Projektion und Bitte um Erlösung? Oder ruf das Bild gar: „Hau ab, Verräter! Flüchtling! Glotz den neuen Stadtplan an.“? Als Archibald Mahler sich einst am Brandplatz Archibald Mahler taufte – man weiß es nicht, aber man munkelt, dies sei eine der ersten Selbsttaufungen in Mittelhessen gewesen – war eines gewiß: da ist wieder ein Bein am Bären dran. Aber ist es tatsächlich jenes, welches ihm einst in einem Akt beispiellos sinnloser Gewalt vom Restleib gerissen? Weia, was alles an einem Wesen dran klebt, dran geklebt wurde im Laufe eines Lebens. Frage: Gehört das zu mir? Bin ich es gar? Oder kann das weg? Was ist Kunst? Heute lichten sich die Nebel nicht mehr. „Jemand muß Archibald M. verleumdet haben, denn ohne daß er etwas Böses getan hatte, wurde er eines Sonntagnachts …“ Archibald Mahler blickt in Richtung Aspikbodensee. Er kann ihn nicht mehr sehen. Zeit zu gehen? Wer oder was spricht da in seinem Kopf? „Jemand muß Archibald M. verleumdet haben, denn ohne daß er etwas Böses getan hatte, wurde er eines Sonntagnachts seiner Heimat verwiesen.“

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Archibald Mahler weiterhin am See und doch in Mittelhessen (Autobiographisches Hirnen Vier)

Dienstag, 23. Oktober 2012 17:53

brandplatz6

Gibt es so etwas wie ein Recht auf Rückfahrkarte? Oder Wiedergutmachung? Oder Heimkehr? Oder ein Recht auf unbegrenzte Reservierung von Räumen, Zimmern oder Herzen, die man einmal verlassen oder verstoßen oder verflucht oder gekündigt hat? Gut, seinem abben Bein hatte er ja nicht gekündigt, dachte Archibald Mahler, wie er so die Kreideumrisse des einst fehlenden Teiles betrachtete. Es ist wieder dran am restlichen Mahler und dies ganz ohne Abstoßungsreaktionen. Da hat man aus dem Spital namens Welt schon ganz anderes pfeifen hören. Die Narbe und die Nähte sie stören nicht weiter, aber sie sind da. Das Bein ist zurückgekehrt, aber an windigen Tagen: der Bär spürt es, als sei es ihm ein Fremdbein. Dem Bein ist daraus kein Vorwurf zu basteln und der Bär bettelt hiermit auch nicht um eine Prothese, doch Heimat ist keine Konstante und der dümmste Aufrechtgehersatz aller Seiten ist und bleibt: „Laß uns alles vergessen, was vorher war.“ Und danach vom Leben “wie früher” träumen. Weia! Gewiß, manchmal ist es tröstlich Bilder eines – in der Rückschau – beglückenden “Früher” an die Wand zu nageln. Doch wenn der Nagel rostet und bricht? Auch dies geschieht. Darf man so etwas ein schönes Lied nennen? Mahler tut es einfach. Ob er morgen mal den Aspikbodensee an eine mittelhessische Wand nageln soll?

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Archibald Mahler weiterhin am See und doch in Mittelhessen (Autobiographisches Hirnen Drei)

Montag, 22. Oktober 2012 19:30

brandplatz3

Die Schwermut. Ja, die Schwermut. Noch ein schönes Lied. Trotz der Schwere und der Mutlosigkeit, die damit verbunden gelegentlich. Die Schwermut ist der Bleigürtel des Nachsinnens. Beim Hinabtauchen in die Tiefen der Geschichten und Gedanken leistet sie wesentlichen Dienst. Ohne Schwermut werden die Tiefen nicht erreicht. Gewiß, kalt ist es da unten in den Tiefen, garstig und das Licht schwindet mit jedem Meter an Höhenverlust aka Tiefengewinn. Es geht nicht darum Rekorde aufzustellen. Nicht nach unten hin, nicht nach oben hin. Hoch muß, Runter muß auch. Denn genauso notwendig wie das Erschrecken beim Blick in die Tiefe: das Auftauchen aus der Tiefe, die Annäherungen ans Oben, die Rückkehr zum Licht, das Ahnen des Lichtes erst, die Ungeduld und oben dann das Wissen, nachdem du die Oberfläche von unten her durchdrungen: es ist alles noch da. Luft. Sonne. Oben. Eine gewisse Zeit lang. Dann muß man wieder runter. Als wäre man ein Grindwal. Archibald Mahler erinnert sich, wie er einst im März vor drei Jahren auf die beinlose Skizze seines Selbst starrte und nicht begreifen wollte und konnte, wer ihm da sein Bein vom Bärenleib gerissen hatte. Warum, Potzrembel die Waldfee? Gibt es da überhaupt etwas zu verstehen? Wohl kaum, im besten Falle wäre da eine Vermutung, die bedenkenswert ist. Der Großteil der Aufrechtgeher erträgt seinen eigenen Schmerz wohl nur dann, wenn er einem anderen seinen Schmerz zufügen kann. Schön doof. Fördert der Aspikbodensee diese Eigenart? Wohl kaum. Täte der Bär dies denken tun, wäre er schon in die Falle getappt. Immer noch verflucht warm. Der Winterschlaf muß warten.

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Archibald Mahler weiterhin am See und doch in Mittelhessen (Autobiographisches Hirnen Zwei)

Sonntag, 21. Oktober 2012 14:39

brandplatz4

Manchmal wird man seiner selbst ansichtig. Auch wenn es nur eine Skizze ist, ein Entwurf oder eben ein paar hastig hingeworfene Kreidestriche. Das ist etwas anderes, als in den Spiegel zu schauen. Man ist nicht das, was das eifrige oder zittrige Ego aus dem eigenen Spiegelbild macht. Ich bin das Gesicht, das andere an mir sehen. Sichte das Gesicht! Auch wieder ein schönes Lied. Damals, im März vor drei Jahren, saß der damals noch namenlose Bär am Brandplatz zu Gießen vor einer Skizze. Etwas bärenähnlich Beinloses hingekrakelt auf ein Mäuerchen. Alte Geschichten, kodiert lagen sie vor seiner Nase. Alte Geschichten erzählen meist von Verlust, selten von Gewinn. Um den Gewinn ein Mäuerchen des Schweigens. (Wer gescheit!) Von dem Verlust eine Erzählung ohne Lüge und mit offenem Visier und freundlichem Gesicht. (Wer nicht auf der Flucht!) Und du schaust und schaust in den Spiegel und auf die Skizzen, Striche und die verworfenen Entwürfe und immer fehlt etwas. Und wenn das, was gerade noch fehlte, plötzlich wieder da ist, fehlt etwas anderes. Oder schon wieder und zurück. Der im März vor drei Jahren noch namenlose Bär hatte einen Verlust überlebt. Und wollte wieder wer sein. Das ist ihm gelungen. Warum sitzt er dann an den Ufern des Aspikbodensees und leidet unter Seelenschüttelfrost? Weil, eben weil! Weia, ist das warm heute. Wärme kann man aber auf und in Sepiagedanken nicht spüren!

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Archibald Mahler weiterhin am See und doch in Mittelhessen (Autobiographisches Hirnen Eins)

Freitag, 19. Oktober 2012 15:03

brandplatz1

Der Aspikbodensee. Liegt er da so vor Mahlers Fußtatzen. Bestenfalls eine Gehirnhälfte schaut hin. Will es eigentlich auch gar nicht mehr das Hinschauen. Ein Gedanke. „Damals als mich der Ehrenwerte Ernst Albert in seine Jackentasche packte und mich trug an den Brandplatz, wegen Abbes Bein und Namensfindung.“ Die Möwen am Bodensee sind immer so laut. Entschuldigung, ihr Paniker, der Bär möchte denken. Sich erinnern. Zumindest es versuchen. Who? Who are you? Das Lied ist schön. Wo hört es der Bär? Am Kopf ? Im See? Umgekehrt? Heute stand in einer Zeitung in Mittelhessen:

(dpa) Als Fremde und Helfer haben sich Streifenbeamte im hessischen Bad Vilbel nachts für einen ausgesetzten Teddybär eingesetzt. Das etwa ein Meter große Plüschtier mit schwarzen Knopfaugen und einem Stoffherz zwischen den Tatzen saß auf einer Bank. Eine Anwohnerin rief deshalb in der Nacht mehrfach die Polizei und forderte die Abholung des Teddys. Schließlich erbarmte sich eine Streife, denn: „Wir helfen in jeder Lage.“ Das in einen Müllsack eingepackte Kuscheltier kam mit aufs Revier. Beigelegt war ein Zettel: „Teddy sucht ein neues Zuhause.“ Der bisherige Eigentümer habe aber nicht ermittelt werden können, auch eine Vermißtenmeldung liege nicht vor, hieß es in einer Meldung der Polizei. Wenn sich niemand meldet, wollen die Beamten das Kuscheltier einem Kindergarten schenken.

Mahler weiß heute nur, Polizei benötigt er nicht, wenn er mal nicht wissen sollte, wer und wohin er eigentlich ist oder sollte. Und ein Kindergarten ist keine Heimat. Für niemanden. Obwohl sich so viele erwachsene Aufrechtgeher immer wieder gerne und mit großer Verbissenheit per Patientenverfügung in einen Kindergarten einliefern lassen. Sollen sie doch! Bärenegalität das ist. Krieg allen Verwahranstalten, Friede den Sitzplätzen mit Aussicht und Horizont! Der Aspikbodensee blubbert. Mahler versteht nix.

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