Beitrags-Archiv für die Kategory 'Fifty Ways to Leave Your Country'

Fifty Ways to Leave Your Country / Eine Flucht

Sonntag, 12. August 2018 17:50

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Vom Obolus entrichten, früher oder später und zu spät

“Stellen wir uns vor, lieber Budnikowski, wir hätten es geschafft, kurz vor dem Tor zum Hades links abzubiegen, an Land zu klettern, die enge kleine Straße hinaufzusteigen Richtung bewohntes Felsenland!“

„Bei der Hitze? Mahler! Hinaufsteigen?“

„Wir haben die Querung des Meeres überlebt!“

„Wirklich?“

„Natürlich nicht, wir wollen lediglich versuchen ein bißchen was zu begreifen. Eine kleine blöde Übung in Sachen Empathie, um den inneren Kompaß mal wieder zu justieren.“

„Ist der Hades eigentlich genauso übertrieben beheizt wie die Hölle?“

„Eher nicht! Man glaubte damals an keinen Himmel, der für was auch immer belohnt. Der Hades war für alle da. Deshalb vermute ich, dort ist es angenehm temperiert. Gleichbleibende Temperaturen sommers wie winters, wie dies eben bei Höhlen der Fall ist.“

„Und warum kostet der Hades Eintritt?“

„Budnikowski, der Fährmann will ja auch nicht leben wie ein Kerberos. Irgendwann muß ein jeder seinen Obolus entrichten. Oder wollen Sie am Ufer des Totenflußes hundert Jahre lang als Schatten hin – und herspazieren?“

„Sie ham’s ja mit der Unterwelt, Herr Mahler!“

„Nun, wenn einem ein Bein vom lebendigen Leibe gerupft wurde, dieses anschließend lieblos oder im Zorn gar auf den Boden gepfeffert und der Rest gleich hinterher? Was meinen Sie, worum meine Gedanken kreisten in den langen Minuten oder Stunden bis der Ehrenwerte Ernst Albert mich fand?“

„Wahrscheinlich haben Sie Ihr Kleingeld gezählt!“

„Ihr Wort in Charons Ohr!“

„Wo sitzen wir eigentlich?“

„Auf Resten ehemaligen Wohlstands, vielleicht sollen wir hier ankern, aber auf alle Fälle darauf warten anzukommen.“

„Aber ich dachte – jetzt mal nur angenommen – wir sind nicht ganz-  aber halbtot – an Land geklettert, also angekommen.“

„Das scheinen viele etwas anders zu sehen. Von uns wird jetzt erstmal erwartet, daß wir hier sitzen bleiben und uns dafür bedanken warten zu dürfen!“

„Gibt es eine Belohnung?“

„Vielleicht, wenn hinter den sieben Bergen die Ängste schlafen gehen. Aber morgen haben wir ein vorläufiges Dach über dem Kopf.“

„Das da unten? Weia!“

„Eben, das ist das Scheißspiel! Hinter den sieben Bergen geht man davon aus, daß die hier unten, die vor kurzem pleite waren und es weiterhin sind, das wenige, was sie haben, schon teilen werden.“

„Mannomann, wenn man so Denkspiele macht, beginnt man zu frösteln. Trotzdem ist hier verdammt heiß!“

„Ach. Pustekuchen. Hinter den sieben Bergen werden sie bald an Ihrem Reichtum verdursten. Schon in Ordnung hier. Denk ich mal!“

Und so weit wir das noch vernehmen konnten, stimmte der Ehrenwerte Ernst Albert seinem Bären zu, auch wenn dieser manchmal zur Überspitzung neigt und man gewährte den beiden Denkspielern Mitfahrt ins nahe Vathia. Und während die Göttliche Pelagia das Lenkrad bediente, erzählte der Co – Pilot von einem seiner Lehrmeister – nennen wir ihn Panagiotis Krassi – welcher schon in den frühen 70ern, da man noch seine Käseigel und Bausparverträge gegen den Iwan verteidigen mußte – zu seinen Lümmeln in der letzten Bank folgende Worte sprach:

„Meine Herren, der Osten, der Osten, vergessen Sie das, das ist nicht der Punkt. Die Kampflinien verlaufen durch das Mittelmeer. Eines Tages werden sie kommen die Armen, Verzweifelten und zurückfordern, was man Ihnen seit Jahrhunderten stiehlt, abpresst, aus den hervorstehenden Rippen schneidet, sie abspeist mit Pfennigbeträgen für all ihre unermeßlichen Schätze. Richten Sie den Blick nach Süden, meine Herren!“

Und da dachte der Mahler so, warum so viele Aufrechtgeher den Blick nicht mal früher und freiwillig in die rechte Richtung recken mögen. Und daß Kassandra doch eigentlich keine Beschimpfung, sondern ein Ehrenname sein dürfte. Und was das alles mit Verantwortung zu tun hat. Und warum, wer zu lange wartet, nicht mehr in der Lage sein wird seine Rechnungen zu begleichen. Weia!

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Thema: Fifty Ways to Leave Your Country | Kommentare (0) | Autor: Christian Lugerth

Fifty Ways to Leave Your Country / Muß i denn

Donnerstag, 2. August 2018 17:13

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… muß i denn aus Afrika hinaus, Afrika hinaus, aber Du mein Schatz …

„Schmerzt Ihr Hirn, Mahler?“

„Peripher!“

„Das heißt, ich darf sprechen?“

„Lieber Sie, Budnikowski, Teurer vor den Gedanken, als wer auch immer!“

„Das ist schon ein seltsames Ding mit der Gastfreundschaft, mein bester Herr Bär. Täusche ich mich, daß dort, wo weniger im Kühlschrank liegt, mit größerer Selbstverständlichkeit der Fremde aka Gast empfangen und bewirtet wird?“

„Man sitzt, wenige Zeit und ein Glas Wasser oder gar eine Karaffe gekühlten Labsals steht auf dem Tisch. Dort in Allemännerda verlangt man inzwischen – nicht immer, aber immer öfter – fünfzig Cent für zusätzliches Leitungswasser. Und bitten muß man auch noch.“

„Vielleicht erste Auswirkungen eines Klimaumschwungs!“

„Das Klima in den Hirnen derer die haben, das ist schon lange umgeschwungen, dort herrscht in Sachen Empathie extremste Trockenheit, wird gerne als Vernunft verkauft und ist nichts als kleinlicher Schiß vor dem Verlust. Der Blick nach außen sieht nur noch Gefahr im Verzug, wendet sich ins vermeintlich heimelige Innen und suhlt sich in Geborgenheit und blöd wie Mesut Grindel und Karl Heinz Erdogan und derer lauteste Kritiker nun mal sind, glauben sie auch noch an die Existenz vermeintlicher Heimata!“

„Zurück zum Thema und These zwei: der wohlhabende Xenos erwartet gerne vom Einheimischen fröhlich flotte Bedienung inklusive Seelen – und Schuhpolishing? Motto: Danke, mein Kostas. Klammer auf: Was bin ich doch ein gewitzter Kosmopole!“

„So ähnlich. Anständig gekleidet, Reste von Höflichkeit und Manieren am Leib, dem legt man gerne ein Zubrot auf dem Tisch. Doch Horden kurzbehoster, verbrannter, stets eine Tick zu laut parlierender Langnasen, generell grenzenlos von sich …“

„Verzeihen Sie, daß ich reingrätsche: liege ich falsch, behaupte ich, daß der Wohlhabibi gleich welcher Prominienz Grenzen eher als eine Art semipermeabler Membran betrachtet. Raus ich immer gerne, rein lassen dich nee!“

„Hase! Strike! Ihr da draußen kauft mein Glücksversprechen, bezahlt was ich verlange und dann schön zu Hause bleiben. Gelle! Übrigens: ist das nicht gnadenlos heiß hier?“

„Man munkelt zu Hause sei es noch gnadenloser!“

„Und da ist kein Meer!“

„Ich glaub das Mittelmeer wollen die auch gar nicht vor der Haustür haben!“

„Na, dann kommt die Rechnung eben auf dem Luftweg!“

Wo befinden sich die zwei Herren, dieses – hier stark verknappte – Gespräch führend? Wie gelangten sie an diesen fernen Ort? Wie stets eben, die göttergleiche Eva Pelagia und der Ehrenwerte Ernst Albert haben nachgeholfen. Üzelchenverbot und ab in die Heia und in aller Früh ab zum Kap Tenaro, dem südlichsten Punkt Griechenlands  und abgesehen von Gibraltar sogar der südlichste Punkt Europas. Die zwei Reisenden (ähem: every traveller is just a tourist!) wurden darauf hingewiesen, vor ihnen nun nichts als Meer und dahinter vor allem Afrika. Und drehten sie sich um, so sähen sie eine herrlich idyllische Bucht, wenige Meter daneben aber der Eingang zum Hades, Charon dort sein schwarzes Khaki von den Hinterlassenschaften der letzten Passagiere reinigend.

„Budnikowski, führen Sie eine Münze mit sich?“

„Zufälligerweise einen Sloty!“

„Großartig!“

„Warum, Meister Mahler?“

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Thema: Fifty Ways to Leave Your Country | Kommentare (0) | Autor: Christian Lugerth

Fifty Ways to Leave Your Country / Dazwischen

Montag, 30. Juli 2018 17:48

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Zwei Seelen, ach in meinem Frust!

Als eine Taverne erreicht war, die Pöter Ruhe fanden auf geflochtenem Sitz, rannte ein flinker Mexikaner an lustlosem Teutonenbein vorbei und die anwesenden Germanenmundwinkel merkelten merkellich nach unten. Dann fiel auch noch der Strom aus, wie unsere zwei Reisenden tagsdrauf erfuhren in dieser Gegend keine Seltenheit und daher kein Grund für Gejammer, Leitartikel und Haschtage oder wie das so heißt. Als der Strom wieder in die Leitung gehüpft war, aber nicht in die Gebeine der Botschafter deutscher Überlegenheit und der Bilderguckapparat grünen Rasen und grün anlaufende Nationalkickgesichter zeigte, näherte sich bescheidenen und schuldbewußten Fußes die Wirtin und wies darauf hin, daß baldigst ein Umschalten erfolgen würde, da hier in Hellas der Hellenen Lieblingsballspiel Basketball ein wesentliches Endspiel erfahren werde, aber auf der anderen Seite der Straße gewiß noch Gepöhle! Darf die das? Murren auf den Tavernenplätzen. Ohne unsere DM – Mark tätet selle doch noch der Zeus oabete.

„Mahler, darf die das? Wegen der vielbesungenen Philoxenia und so?“

„Und ob, bester Budnikowski, alles ist freiwillig. Gastfreundschaft ist eine Gabe, ein Geschenk, also nicht einforderbar. Und auch dem Gast ist es möglich freundlich zu nicken und die Straßenseite zu wechseln, schmunzelnd by the way! Doch der Tourist: er ist nun mal kein Gast, auch wenn er’s gerne wäre!“

„Mahler, als sie eben, ich erwähne es ungern, in der sanitären Anlage weilten, standen die anwesenden Germanen auf und haben geklatscht, als der kleine Gelsenkirchner aus Ankara mit den großen Augen die Nationalhymne mitdachte!“

„Budnikowski, heißer Boden. Darum geht es weder den Sängern noch den Schweigern. Seit ein paar Jahren gibt es leider wieder vermehrt diese Wimpelreflexe!“

„Hä?“

„Nun: Vorrundenausfälle, Stromausfälle, Gewißheitsausfälle, Flugausfälle, da wird der Aufrechtgeher nervös und wühlt in den alten Schränken rum, findet die alten Wimpel und schwenkt sie!“

„Aber die verbrennen die Wimpel doch auch gerne in den Pöhlerbuden!“

„Na ja, Niederlagen ertragen ist nicht so in den Genen verankert! Wichtig ist die Suche nach den Schuldigen. Das vertreibt die Langeweile an sich selbst!“

„Darf man dann noch zwei Üzelchen bestellen, bevor wir die Straßenseite wechseln?“

„Dürfen? Müssen!“

Vier oder sechs Üzelchen später. Auch kein Basketball, weil schon wieder Regen und kein Strom. Man wankt gen Unterkunft.

„Mahler, aber der Hellaswimpel hier, der ist doch schön? Farblich auch.“

„Budnikowski, wissen Sie, daß ein bayrischer König das Bier nach Athen trug einst?“

„Besser als Eulen nach München!“

„Ich hätte gern noch ein Özilchen! Oder zwei!“

„Weia! Der Kalif wird sie enterben!“

„Sind die so schnell beleidigt?“

„Niki i Thanatos!“

„Was ist eigentlich ein Grieche?“

„Der wo hier läben tut!“

„Ich will auch so eine blauweiße Fahne!“

„Reicht Ihnen die eine nicht schon? Schweigen Sie still und bleiben Sie Gast!“

„Sind wir doch eh auf diesem Planet! Sie schwanken!“

„Stets und stolz! Kamschatka oder Wyoming? Wer bin ich? Weia!“

„Dort vorne scheint man noch Getränke zu servieren!“

„Na dann!“

Manchmal naht Rettung nicht nur, sondern sie wartet. Selten leider, aber dann!

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Thema: Fifty Ways to Leave Your Country | Kommentare (0) | Autor: Christian Lugerth

Fifty Ways to Leave Your Country / Rückseite

Montag, 23. Juli 2018 16:50

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It isch not over til its over!

Dieses Land mit der Seele suchend, es gelegentlich finden, falls die Seele nicht grad eben unter einem riesigen Haufen ungewaschener Belanglosigkeiten, Alltagsplackereien, Pflichten und schrecklich Schlichtem unauffindbar verborgen liegt. Man berichtet – dies sogar häufig – von Reisenden, welche nach ein oder etlichen Aufenthalten in diesem gesegneten (Ne!!!) Land sich in der Lage fühlten der zuvor arg ramponierten Seele wieder einen Ehrenplatz in der Erzählung ihrer selbst zu gewähren. Doch dies mag nicht immer und jedem gelingen. Gefahr in Verzuge lauert bei denen, welche im Ticken fremder Uhren, bei der Betrachtung fremder Ordnungsprinzipien und beim Kauen fremder Brote Panik befällt. Dürfen die das ohne daß ich ähem wir? Gerade der teutonische Aufrechtgeher – selbst wenn sein Erbgut schon längst nicht mehr einbahnfrei in Richtung deutschtugendlicher Abstammung zu entschlüsseln ist – neigt zu einer gewissen Anfälligkeit diese Angst betreffend. (Nun gut, nur wer hat, viel hat, weiß was es heißt dies viele zu verlieren!) Paart sich jedoch diese Grundnervosität mit alemannischer Besserwisserei und daran gekoppelten Ordnungswahn, isch es subber schnell over mit dem Spaß. So geschehen vor einigen Jahren als die Apolegeten einer gnadenlosen Austeritätspolitik das Land der Griechen mit Massenarbeitslosigkeit, wirtschaftlichen Niedergang, radikalen Rentenkürzugen und einem absurden Neuwahlkarussel beglückten. Klar ist allen, daß im Seelensuchland Hellas viel Scheiße gebaut wurde, brauch man nicht den Zeigefinger auszufahren. Jedoch setzt sich bei den damals Handelnden langsam die Erkenntnis durch, daß brutale und – auf die Formulierung besteht Archibald Mahler – aufrechtgeherverachtende Sparmaßnahmen ein Land nicht wieder auf die Beine bringt, zumal ein sogenanntes Land weder die Regierung, der Etat und die Nationalbank sind, sondern die darin wohnenden Aufrechtgeher (siehe oben) und ihre Lieder, Erzählungen, Bücher, Kochrezepte und überlebten Katastrophen.

Dies nur als ein knapper Abriß der noch lange nicht zu Ende angerissenen, assoziierten und angeleckten Gedanken unserer zwei Reisenden, welche denen in ihre Köppe fielen, da sie sich umdrehten, um diese zerfallende Fabrik, die hoch über einem der Strände in Kardamili thronte, zu erblicken und zu besuchen.

„Budnikowski, mir gefällt das!“

„Wie, Mahler? Das ist doch kaputt! Und wir kommen nicht rein!“

„Wir sind unwissende Betrachter. Reicht doch!“

„Das sieht aber nicht toll aus!“

„Ochi, der Anblick ist schmerzvoll. Aber ich halte es für angebracht eine offene Wunde, die Dokumente des Niedergangs, hinterlassene Ruinen lange und ohne Eile zu betrachten. Das schamhafte aka aggressive Verhüllen und Leugnen bringt eh nichts!“

„Aber das hier ist keine Katastrophia neueren Datums, oder?“

„Eher nicht! Als Romantiker vermute ich „The Full Katastrophy“! Im Nachbarort lebte der Zorbas. Und der Nikos, der von ihm berichtete!“

„Aber spielt diese Geschichte nicht auf Kreta?“

„Dichterische Freiheit braucht keine Gründe!“

„Mahler, was haben die hier früher produziert? Fischkonserven? Olivenöl? Marmelade? Lammkoteletts?“

„Mein Gott Budnikowski, habe ich einen Hunger!“

Und eben als die Gedanken der zwei Herren vom Hehren hinab in den Ranzen rutschten, zog ein gewaltiges Gewitter auf. Ursprünglich hätte es sich in diesen Tagen eher in Schweden austoben sollen, aber so wirr wie die Aufrechtgeher dieser Tage über ihren Planeten und den angeschlossenen Rasen stolpern, whatever. Mahler lobte trotz grummelnden Ranzens das Dramatische des Anblicks, Budnikowski jedoch mopperte und forderte die Nähe eines TV – Apparats. Alte Gewohnheit. Teutonenbeine und Bälle. Und – zack – fiel der Strom aus.

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Thema: Fifty Ways to Leave Your Country | Kommentare (0) | Autor: Christian Lugerth

Fifty Ways to Leave Your Country / Ein Anfang

Freitag, 20. Juli 2018 15:17

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Yassu! Ti kanis? Kala?

Dieser Moment des Ankommens, genauer des Angekommenseins, jetzt, hier. Man – oder besser – es erinnert sich. Diese Erinnerungen, welche auf und unter der Haut, der Netzhaut, der Hauthaut, der Herzhaut schliefen, ruhten, gelegentlich rumorten. Zwischenlager. Das Licht. Die Farben. Meer. Steine. Oleander. Opuntien. Die Gerüche. Die salzhaltige Brise. Salbei. Erhitzte Steine. Tamarisken. Das Ankommen scheint hier leichtzufallen. Es ist, als ob die dieser Gegend innewohnende und – davon später – auch in den Hirnen der meisten Anwohner tief verankerte Gastfreundschaft und Freundlichkeit (Was kommt von was?) den Reisenden beim Betreten des hellenischen Bodens sanft die Hand auf die Schulter legt. „Yassu! Ti kanis? Kala? Iss gut. Steig von Deinem hohen Heimatross herab. Sei nur da! Setz Dich! Üzelchen?” Und es geht so schnell. Jedesmal und wieder!

Die zwei Reisenden erinnern sich davon wissend und bleiben nichtsdestotrotz erstaunt ob der Tatsache, daß man am heimischen Haderherd davon träumte, doch die Erinnerung stellt sich heraus als kein Hirngespinst. Tiefe Ruhe fällt herab wie ein kräftiger Regen. Man mag nicht sprechen. Schwafeln. Guck und Sieh und Ach und Nee und wie toll aber auch!

Kurz nur angemerkt: wie sind die Herren Mahler und Budnikowski angereist? Landweg? Seeweg? Luftweg? Gedankenpfade? Was geschah auf ihrer Reise? Beginnt sie erst hier und jetzt? Sollte man sich umdrehen, Rückschau? Sein lassen? Wohin geht es? Nach vorn, nach hinten, oben, unten? Oder verharren die zwei Herren hier am jenem Strand ein Kilometerchen westlich von Kardamili, gelegen auf dem mittleren Finger des Peloponnes, südlich von Kalamata, hinter den Bergen des Taygetos, jenseits von Sparta und Lakonien und versuchen den eben so wonnigen Augenblick als Ewigkeit auszuhalten? Dann dreht sich der Mahler, Bär vom ohne ihn auskommen müssenden Brandplatz, um. Weia! Man entkommt ihr nicht der Welt. Gut so! (Dies bemerkte Budnikowski, der lütte Has`)

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Thema: Fifty Ways to Leave Your Country | Kommentare (0) | Autor: Christian Lugerth