Beiträge vom April, 2018

Anleihen. Ansinnen. Anleid(t)ungen. Ende?

Montag, 23. April 2018 10:47

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„two riders werde approaching and the wind began to howl!“

Obige Photographie wurde uns vor wenigen Tagen zugesandt. Es zeigt die zwei Reisenden in offensichtlicher Harmonie und von tiefer Ruhe umspielt auf einer Bank vor dem alten Gotteshaus auf der Insel der letzten Wochen und Monate. Wenig später – wir hatten berichtet – brach der Sturm der Uneinigkeit über die Beiden herein. Das vermeldeten uns unbekannte Informanten. Sagt man so.

Ein Schiff schaukelt auf hoher See. Hält Kurs. Welchen? Mit Wucht und allzu hysterisch willkommen geheißen vom Aufrechtgeher war in diesen Tagen ein Sommer – einer der vielen unentschiedenen – durch die Tür gestürmt, als könne das gehetzte Überspringen der Schwelle den Lenz obsolet machen. In den Zeiten, da das Warten und die Vorfreude aus dem Repertoire verbannt und durch vermeintliche Befriedigung und Lösung ad hoc ersetzt werden, kein Wunder. Hoch im Norden jedoch sammelten schon die zornigen Kohorten des Väterchen Frost die letzten Kaltluftblasen ein, um sie in den nächsten Tagen und Stunden gen Süden zu werfen. Das Schiff auf hoher See nun war gewappnet, die zwei Postboxen gut vertäut, der Kapitän weitgesegelt.

Doch wohin ging die neue Reise? Gut informierte Kreise vermuten das Eiland der Angel und Sachsen sei das Ziel, da noch eine alte Geschichte herumläge, die es zu Ende zu erzählen gilt und zudem müssten die zwei Reisenden mal – getrennt? – austreten. Doch wie eben angemerkt, all dies pure Spekulation.

Wir wollen sehen und uns solange gedulden. Zwei wilde Reiter tanzen auf dem Kamm einer anrauschenden Welle gigantischen Ausmaßes heran und ein stürmischer Wind beginnt zu heulen. Weia!

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(text / fotos: christian lugerth)

Thema: Ansinnungen 2018 | Kommentare (0) | Autor: Christian Lugerth

Anleihen. Ansinnen. Anleid(t)ungen. Vierzehn.

Freitag, 13. April 2018 18:03

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„Indem ich Ihnen Nein sage, sage ich Ja zu mir!“

Es fährt ein Zug ins Irgendwo. Und: Es gibt keine Ablichtungen der zwei Reisenden heute. Dies hat nichts mit plötzlich aufgetauchter Kamerascheu der Beiden zu tun. Wir wissen schlichtweg nicht, wo sich die zwei Reisenden momentan befinden. Nachfragen bei Einheimischen bezüglich des gegenwärtigen Aufenthaltsort der zwei Reisenden hatten ergeben, daß die Gefährten nach Erklettern der Plattform eines der Inselbahnwaggons offensichtlich in einen heftigen Streit geraten waren. Einer der zwei Reisenden, vermutlich der Bär namens Mahler, stand der Sinn nach Bleiben, Budnikowski, wie wir den Hasen heißen, zog und zerrte Richtung eines Aufbruchs, wobei dieses auch nicht einfach so hier stehenbleiben kann in behaupteter Eindeutigkeit, ist Herr Mahler doch vom Glücke beseelt endlich die Bahn gefunden zu haben und eben deren Geleise führen geradewegs zum Hafenbahnhof der Insel und dort am Kai wartet das Postschiff auf ein Signal zur Abfahrt Richtung Festland, ein Signal vom Hasen namens Budnikowski herbeigesehnt wie ein nächstes Osterfest ohne Frost auf den Eiern, auch wenn dieser Vergleich hinkt wie er selbst, unser  Hase, welcher beim gehetzten Sprung auf die Plattform des hintersten, also letzten, bei der Rückfahrt jedoch ersten, Inselbahnwaggon sich das Knie verdrehte hatte und deshalb vor dem Inselhafen lieber den Inselarzt zu Gesicht bekommen hätte, damit dieser die einem Hasenherz innewohnenden Zweifel und Ängste hinsichtlich langwieriger Verletzungsauswirkungen zerstreuen möge, was wiederum den Bären aber in eine für diesen eher untypische Weißglut versetzte und so dem Hasen ein entnervendes Hin und Her vorwarf, ihn gar der Herumlaviererei zieh, nicht gerade von systematischer Machart, aber doch von chronischer Natur, was der Hase mit einem zornesroten „Und das aus Ihrem den Zweifel huldigenden Mund, Sie Heuchler!“ konterte. In der Folge flogen, wie vereinzelte Augen – und Ohrenzeugen es vermeldeten, zwischen den zwei Reisenden doch recht scharfe Pfeile der Entrüstung und gegenseitigen Beschuldigung hin und her. Auffallend bei der Wortwahl war, daß einiges aus Büchern und Artikeln zitiert schien, aus jenen Schriften eben, die man in den letzten Tagen und Wochen noch in trauter Austauschstimmung belesen, teils gar verschlungen hatte. Ein kenntnisreicher Beobachter wähnte sich in einem Musentempel in jene Tage kurz vor oder nach der Premiere versetzt, wenn – Laß die Hände des Auditorium schweigen, laß sie rasen! – aus enttäuschten Erwartungen Messer wachsen und sich mit den fiesen Säbeln der Gottergebenen und Zyniker funkenschlagende Duelle liefern. Also zitieren wir im folgenden frei nach nicht eindeutig verifizierbaren Berichten der einheimischen Lauscher und Späher, übernehmen aber keine Garantie für eine korrekte Zuordnung der Zitate. Welcher der zwei Reisenden dem anderen Reisenden was an den entflammten Kopf warf entzieht sich unserer Kenntnis und offen gesagt ist uns dies auch in Zeiten genereller Geschwätzigkeit nicht wichtig.

„Wenn man seine Wurzeln nicht losläßt, kommt man nie vom Fleck!“

„Haltloses Geseier! So versaubeutelt man lediglich seine eh schon verheerende Co2 – Bilanz! Bleibe zu Hause und wehre Dich redlich!“

„Ja, die liebe ich ganz besonders, die da auf ihren Hügeln sitzen und geifernd in Ebenen glotzen, wo die Schlachten geschlagen werden, den vom Sitzen wunden Arsch in ihren, die Welt draußen nicht einen Cent interessierenden, Anekdötchen und Fotoalben badend!“

„Spiegelfechter! Was Sie täglich an Geistesvermögen aus dem Fenster in Ihrem Kopf auf die Welt werfen, vermüllt mir das letzte Stück verbliebenen Seelenfriedensstrandabschnitt, mein Herr!“

„Hah! Andere im Gegenzug öffnen das Fenster lediglich um ihre verschnarchte Nachtluft in den Äther zu furzen! Ließe ich mein Kopffenster geschlossen, die wenig später erfolgende Detonation, Sie mögen dies nicht erleben auf Ihrem ewigen Sofa!“

„Ich bin kurz davor Sie zu bezichtigen an der Stelle Ihres Herzens scheppert ein Mülleimer!“

„Selbst wenn dies der Wahrheit entspräche, sie werden mich niemals Chips kauend am Ufer eines Eilands sitzen sehen!“

„Ihre Heimatverleugnung schreit zum Himmel! Beklagen Sie sich nicht über Nachtfröste und Eiszapfen an Ihrer Nase, Sie fliegender Holländer!“

„Ihr Heimatgefurze ist nichts anders als tiefsitzende Lieblosigkeit gegenüber der Welt, ein billiges Tattoo, ein Etikett auf einer Flasche Weisheitstropfen aus dem Schwätzerdiscount!!“

„Indem ich Ihnen NEIN sage, sage ich JA zu mir!“

Die Reste des uns übergebenen Protokolls, um genau zu sein die Überreste eines Gedächtnisprotokolls, weisen zu große Lücken, Rechtschreibfehler, Kritzeleien, verschmierte Korrekturen und dergleichen mehr auf, daß wir dies hier nicht öffentlich machen wollen, wobei uns nicht vollkommen klar ist, ob der Protokollant sich große Teile des oben Veröffentlichen nicht aus seinen offenbar belesenen, von Druckerschwärze starrenden Fingern gezogen hat und wem die Lektüre des Obigen nützen mag außer dem gefallsüchtigen Ego des anonymen Protokollanten – war es die Hafenpolizei, ein zufällig Vorbeiradelnder, ein ominöser DRITTER Reisender, eine Drohne oder ein Lachmöwe? – es sei dahingestellt. Gewiß ist, man beschloß die zwei Reisenden in getrennten Postboxen von der Insel reisen zu lassen.

Mögen die Götter der Reisenden  ihre Flügel und unzähligen Arme schützend über die zwei Gefährten halten! Von ihren neuen Zielen ist uns jedoch nichts bekannt.

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(text / fotos: christian lugerth)

Thema: Anregende Buchstaben, Ansinnungen 2018 | Kommentare (0) | Autor: Christian Lugerth

Anleihen. Ansinnen. Anleid(t)ungen. Dreizehn.

Montag, 9. April 2018 20:23

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„Und ich frog mi warum I no do bin!“

Prinzipiell sind glitzernde Gleise, die sich unbefahren und vielversprechend in eine verlassene Gegend legen, ein beruhigender Anblick, vorausgesetzt man möchte verweilen und legt keinen gesteigerten Wert auf Gesellschaft jeglicher Art, ist sich selbst genug und erwartet vom Draußen generell weniger Anregung denn Irritation, ja Störung. Beunruhigender trifft solcher Anblick denjenigen dem eine gewisse Unruhe innewohnt, entweder hervorgerufen durch Erwartungen, Hoffnungen aller Couleur und Provenienz oder durchaus nachvollziehbar ob lang getätigter und gewissenhaft einzuhaltender Verabredungen oder Versprechen. Die zwei Reisenden auf dem Andreaskreuz sind da ein wenig unschlüssig, ein jeder in sich und auch ein wenig über Kreuz liegen sie, wie man so sagt. Archibald Mahler verweilt noch im Zustand des Quartalsmisanthropie, während Kuno von und zu Budnikowski seine Fühler Richtung Lenz und Mitwesen ausstrecken mag.

„Nicht viel, was hier geschieht, mein lieber Budnikowski!“

„Mahler! Nennen wir es beim Wort! Nix, nix iss hier!“

„Nun gut: Ebbe, Flut, hell, dunkel, Sonne, Regen. Nichts buchstabiert sich anders meinem Dafürhalten nach.“

„Ja ja! Die Bewegung in sich, das große Weltatmen, das Gleichmaß, Bewegung im Stillstand. Mir aber ist nach profaner Abwechslung. Ich bin reif fürs Festland.

„Ja, aber man muß länger bleiben, wenn man verstehen will, gebe ich zu bedenken!“

„Das stimmt. Aber manches versteht man auch erst wenn man reist, nicht wenn man bleibt!“

„Kann sein, doch wer hört eben Ihr Rufen, wer leiht uns ein fahrplanmäßiges Ohr?“

„Mahler, Genosse, sie leiden unter einen fixen Idee! Sie haben sich in diese Inselbahn verguckt, aber mir schwant hier ist nichts von Gegenseitigkeit zu sehen!“

„Dies würde mich a) wundern, b) fundamental irritieren und c) ordentlich schmerzen!“

(im Flüsterton) Aufgemerkt! Lassen Sie uns das Verkehrsmittel wechseln!“

„Woher nehmen, wenn nicht stehlen, werter Hase?“

„Bär, sieht er dort den Aufrechtgeher aus dem Gebüsch sich stehlen, wo jener eben die Frühstückskanne Ostfriesentee abschlug? Sieht er welcher Ziel der Struller anstrebt?“

„Sie meinen?“

„Auf und hopp ins Körbchen, behende und leise. Wäre nicht das erste Mal, daß wir als Blinde Passagiere reisten!“

Ist der ständige Wind dem Wanderer schon ein Prüfstein, so singt die wahren Klagelieder der Radler, der ihm ausgesetzt. Tränenden Auges, fluchend und mit schmerzendem Oberschenkel rollte der uns unbekannte (na ja!) Chauffeur der zwei Gefährten zwischen Salzwiese und Düne dahin. Das Inseldorf nahte. Hinten im Korb frohlockte ein Bär, denn ein schriller Pfiff zerriß die Luft.

„Verdammt Mahler! Halten Sie an sich! Wir rollen eben so komfortabel!“

„Ha! Von wegen fixe Idee! Bei drei wird gesprungen und rauf auf die Plattform. Eins! Zwei! Drei!“

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(text / fotos: christian lugerth)

Thema: Ansinnungen 2018 | Kommentare (0) | Autor: Christian Lugerth

Anleihen. Ansinnen. Anleid(t)ungen. Zwölf.

Samstag, 7. April 2018 9:52

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„Fühl es vor! Du wirst gesunden: traue neuem Tagesblick!“

Die zwei Reisenden wollten also eine Insel verlassen. Nur wie? Die Suche nach einem Boot war nicht vom Glücksstern beschienen und eine Eisenbahn war nur zu hören, keine Lok aber in Sicht, lediglich Waggons auf einem Abstellgleis und leer in die Ferne ziehende Schienenstränge. Verwirrung wuchs und so die Zweifel, wobei hier einzuschieben wäre, was ist auch da Huhn und was das Ei! Verwirrter Zweifel oder zweifelnde Verwirrung. Gewiß nur war der unbedingt formulierte Willen der Gefährten eine Ortsveränderung anzustreben, die Reise fortzusetzen, zumal ihnen ein Weg zu Füßen lag, schnurgerade ausgerollt gen West. Vom Unvermeidlichen, Gnadenlosen, dem ständigen Wind dieses nicht enden wollenden Winters möge geschwiegen werden. Er weht stets von vorn, welche Richtung man auch einschlagen mag, der kalte Hund. Der Bär formuliert schweren Schritts, der Hase versucht sich am Moonwalk, pfeift und antwortet, wenn gefragt.

„Ich bin zugegebenermaßen etwas verwirrt, bester Budnikowski. Auf der alten Karte lag im Osten ein Bahnhof der Inselbahn, dort auf der sandigen Spitze, sie erinnern sich, wo wir unlängst die alten Pfähle entdeckten und rätselten.“

„Gewiß, Mahler. Aber wir laufen nach Westen, geradeaus, flott wie Otto, was Neues zu beginnen!“

„Man hört das Pfeifen, aber man sieht nichts!“

„Soll ich leiser?“

„Nein, nicht Sie. Die Bahn. Doch vielleicht pfiff all die Tage nur der Wind. In mir sprießen Zweifel wie Gänseblümchen. Der Sinn unseres Gehens, hier und heute?“

„Rumstehen, Bär, ist noch blöder. Selbst die Inseln wandern. Haben Sie doch gesagt!“

„Ich las davon. Im Westen greifen sich See und Sturm den Sand, toben, rauschen, blasen und laden ihre Fracht im Osten wieder ab. Und so wandert die Insel jeden Herbst und Winter ein kleines Stückchen Richtung Moskau. Im Frühjahr packt der einheimische Aufrechtgeher das kostbare S(tr)andgut fluchend auf Laster, fährt das Ganze wieder Richtung San Francisco und lädt es ab, auf daß die Strändkörbe nicht auf Schlick stehen müssen und der Rubel aka Dollar rolle.“

„Das Stetige, das Hin und Her, über das wir die Tage räsonierten, es färbt ab!“

„Wie bitte!“

„Naja, die Einheimischen machen einen auf Sysiphos und äffen die Natur nach!“

„Nur das ihre Chancen in diesem Wettbewerb als Sieger zu enden sehr geringe sind!“

„Wenigstens kommt nichts weg. Vom Sand, meine ich!“

„Das kapieren sie halt nicht. Das eben nichts wegkommt. Vom Abfall. Der Hybris. Aller Dummheit. Und dieses alte Hüpflied in Ihrem Schädel wohl auch!“

„Man kommt gut gelaunt galanter fortwärts! Stimmt doch, lieber Grummelbär!“

„Fortwärts! Schönes Wort. Glückwunsch, Meister Budnikowski! Glückwunsch. (Es wird weiterhin gepfiffen eine Weile. Dann plötzlich der Bär erfreut im Ausruf.) Da! Sehen Sie? Geleise! Ein Kreuz!“

„Rauf! Hoch! Spitzbubenleiter!“

Gesagt getan. Jetzt brummt der Bär. Etwas dissonant. Dann antwortet kein Zug.

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(text / fotos: christian lugerth)

Thema: Ansinnungen 2018 | Kommentare (0) | Autor: Christian Lugerth