Tales and tellings between lechts und rinks / two

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chapter two: before the thinking listen to natural noise

Der Transportaufrechtgeher stand nun schon eine gewisse lange Weile still. Dies ließ die zwei Rucksackfahrer vermuten, daß mit baldigem Ausstieg zu rechnen ist. Die, oft nur empfundene, Stille, welche dennoch jegliches Warten begleiten sollte, war eingehüllt in wildes Ge–Tose. Da donnerte eine aufgewühlte See ans Gestade. Dort gurgelte ein nachts unwetternd angeschwollener Wasserlauf eine Schlucht hinab und ergoß sich ins Meer. Über die schweigend anwesenden Klippen pfiff ein kühler und selbstbewußter Nordwest. Zu den wartenden Füßen des Transporters intonierten Kiesel, Steine, Spalten die Begleitmusik zum Kommen und Gehen der See und gelegentlich klatschte eine der höheren Wogen gegen hinderliche Felsbrocken und Vorsprünge und setzte Akzente. Den Herren Mahler und Budnikowski schoß eine vergangene Wanderung ins Ge-Sichte.

„Wenn in tiefer Winternacht ein wilder Schneesturm mit seinen Stößen um die HÜTTE rast, dann ist die hohe Zeit der Philosophie. Ihr Fragen muß dann einfach und wesentlich werden. Die Durcharbeitung jedes Gedankens kann nicht anders denn hart und scharf sein. Die Mühe der sprachlichen Prägung ist wie der Widerstand der ragenden Tannen gegen den Sturm.“

„Mahler, sprechen Sie von diesem kuriosen Giganten-Gnom, dessen HÜTTE wir Sein/ER/Zeit sinnend umwanderten? Ich verstehe und verstand kein Wort, jedoch will ich nicht eine gewisse Erregung leugnen wollen!“

„Teurer Budnikowski! Das Sichverständlichmachen ist der Selbstmord der Philosophie. Die Götzendiener der `Tatsachen` merken nie, daß ihre Götzen nur in einem erborgten Glanze leuchten. Sie sollen dies auch nicht merken; denn sie müßten dann alsbald ratlos und damit unbrauchbar werden. Götzendiener und Götzen aber werden gebraucht, wo Götter auf der Flucht sind und so ihre Nähe künden!“

„Uff aber auch!“

„Das unum necessarium ist der Rückzug aus der Öffentlichkeit!“

„Mahler, da mach ich mit!“

„Gut, obwohl es das originäre Ziel des Bedenkens etwas verwässert. Der gemeinsame Blick in den Spiegel schadet aber manchmal kaum!“

„Ich wüßte auch schon wo man blickt!“

„Weia! Man entlädt uns! Wo, Hase meiner Gunst, werden unsere Pöter ruhen und die Augen sehen?“

„Hier, Bär des Zweifels, wo die See sich ans Gestade wirft das Land zu verschlingen und eben im selben Atemzug ein Fluß sich in die Wogen des Atlantiks schmeißt, in Furchtlosigkeit, verschmelzend, verwässernd auch.“

„Sie sehen, große Güte, mich erfreut zu sitzen hier und zu denken nach über den rechten Pfad des Lebens!“

„Jedoch lassen Sie mich bitte erwähnen die Tatsache, daß die Nebel fallen sehr schnell in dieser Gegend!“

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Autor: Christian Lugerth
Datum: Montag, 28. August 2017 20:30
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