Verschlungene Pfade suchen im Hinterland / 016

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„Wo sind wir?“

„Offensichtlich nicht hier!“

„Aber hören kann ich sie!“

„Sehe ich Sie, Herr Budnikowski. Der Goldhase? Ich dachte, Sie hätten ihn verzehrt!“

„Mahler! Und Sie wären das Ei?“

„Sollte das nicht auch von Ihnen aufgefressen werden?“

„Ich raste kurzfristig. Verzeihen Sie!“

„Ziehen wir weiter!“

„Sind wir doch schon! Wir haben zu tun!“

„Budnikowski, lauschen wir!“

„Gut! Vielleicht schenkt uns der Wind einen Reim!“

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„nachdem wir gingen

ein holzscheit barst in teile

dann rief der kuckuck“

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Verschlungene Pfade suchen im Hinterland / 015

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„ich eilte durch mich hindurch

ein supermarkt gefüllt mit leeren regalen

ich stand trippelnd vor ihnen

machte mir keinen reim

bis ich verlor

die einkaufsliste

aus einer fremden bananenkiste

kroch die spinne

wünsch dir was“

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„Ist das von Ihnen, Budnikowski?“

„Vielleicht! Aber ich habe keine Zeit. Ich habe etwas gefunden.“

„Hatten Sie es gesucht?“

„Eher nicht! Aber wahrscheinlich schon. Man folgt ja immer dem eigenen Radar.“

„Und was werden Sie tun!“

„Ich werde den Hasen auffressen! Und das Schokoladen – Ei hinterher!“

„Kannibalismus?“

„Quatsch: Manchmal muß man sich selbst durch die eigenen Därme wandern lassen. Ist wie zweifelnd in den Spiegel schauen!“

„Nicht daß Ihnen davon schlecht wird, mein Freund!“

„Ich habe ja noch Ihr Lied von gestern im Ohr!“

„Und, haben Sie Goldstaub drüber gepinselt?“

„Yep!“

„Und wie hört sich das dann an?“

„Milder!“

„Und sonst?“

„Lieder, die man über andere singt, sind oft Lieder über einen selbst!“

„Dann man los! Schweigen ist Silber, Singen ist Gold!“

„Mit!“

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Verschlungene Pfade suchen im Hinterland / 014

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„Noch hängt sie in der Luft

Die feuchte Kälte welche

Eine lange Nacht uns hinterlassen

Die Farbe fließt von den Wänden

Das alte Haus knirscht

Im Schuppen wartet zukünftige Vergangenheit

Reinigen wir die Pinsel“

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„Ein Reim zu Beginn? Mahler, was ist los?“

„Nun, Freund Budnikowski, sie waren ja gestern nicht der, der sie waren. Da nutzte ich die Zeit.“

„Die Sonne ist zurück. Das ist gut. Was denken sie nach heute?“

„Was sie gestern sagten. Mit dem fremden, beschlagenen Spiegel und so. Und ob man ab und zu, was man von sich sieht, entrümpeln sollte. Also was kaputt gegangen war. Oder ob etwas neue Farbe das Ganze wieder nach vorne bringt. Sie verstehen?“

„Wenn den Japanern eine Tasse aus dem Schrank fällt, dann kleben sie die wieder zusammen und malen die Bruchlinien mit Goldfarbe an. Finde ich hübsch!

„Oh jemine!“

„Das heißt, Mahler?“

„Dann kann ich das versprochene Lied nicht singen!“

„Wieso? Ist es runtergefallen?“

„Nein! Es ist wütig! Und ungerecht!“

„Singen Sie es trotzdem. Ich höre es an und meine Löffel pinseln Goldstaub drüber!“

„Sie sind mir ja einer!“

„Nun denn!“

„Herr Zimmermann übernimmt!“

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Verschlungene Pfade suchen im Hinterland / 013

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„Budnikowski! Nicht, daß ich nun Erklärungen verlangen wollte! Wir sind drinnen wieder. Und wo ist unser Wald?“

„Es regnet Katzen! Na ja auch Hunde, aber vor allem Katzen!“

„Aber Ihre … ähem … Verkleidung … das Dings da?“

„Meister Mahler! Es ist quasi eine Klarmachung!“

„Aus Papier?“

„Heute ist der Tag des Aliens!“

„Verstehe ich nicht!“

„Eine Frage nur: sind Sie sich fremder selbst beim Blick in stumpfe Spiegel oder bin ich es, der Ihnen erscheint, als wäre er gestern von einem fernen Stern in ihr Leben gefallen?“

„Sie haben mich auf der richtigen Tatze erwischt. Morgen singe ich ein Lied für Sie!“

„Solange mein Reim!“

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„der regen prasselt

die kälte kriecht über mich

ist dies meine haut“

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Verschlungene Pfade suchen im Hinterland / 012

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„Das war so nicht geplant! Mahler?“

„So ist es! Schweigen wir, Budnikowski!“

„Schon gequatscht! Also?“

„Tag des Baumes heute. Lassen wir aber den Aufrechtgehern den Wald als schweigend zuhörenden Spiegel ihrer bedeutungsschwangeren oder gerne auch gelangweilten und hadernden Seelen und bedenken wir, der Baum wurde nicht erschaffen als Psychopharmaka, sondern als Baum. Und alt wird er auch noch, wenn man ihn denn lässt.“

„Mir aber, Freund Bär, rührt das Sitzen auf dieser Altehrwürdigkeit schon am sentimentalen Reimfinger!“

„Dann hauen Sie es doch raus, Hase!“

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„Ewige Freundschaft

Es knarzt im Sturm Dein Wipfel

Mein Herz zählt Ringe“

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„Budnikowski! Da muß ich kontern! Auch auf die Gefahr hin, daß folgender Haiku von Degeto verfilmt wird!“

„Sie sind schlimmer als ich!“

„Ist mir bewußt! Darf ich?“

„Sie müssen doch eh, Herr Mahler!“

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„Vergangenes Glück

Das Ohr an Deiner Rinde

Höre ich die Zeit“

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„Mahler?“

„Ja bitte!“

„Was machen die Bäume nur mit den ganzen blöden Reimen, die man ihnen um die Rinde haut?“

„Budnikowski! Sie schweigen und wachsen vor sich hin!“

„Sollten wir auch tun. Oder?“

„Mit!“

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Verschlungene Pfade suchen im Hinterland / 011

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„Tja, da wären wir nun.“

„Ging ordentlich bergab, Herr Mahler!“

„Ich persönlich besteige lieber den Berg als ihm den Buckel runterzurutschen, Budnikowski!“

„Aber die Aussicht auf dem Weg hinab, entzückend!“

„Die Aussicht gewiß, doch was ist mit den Aussichten?“

„Müssen wir halt bald wieder einen Hügel hoch!“

„Es schmerzen mir aber die Beine, Freund Hase!“

„Könnten Sie aufhören rumzumoppern, Herr Bär? Auf den Höhen muß man vorsorgen, um in den Tälern nicht mit leerem Tank zu klagen!“

„Ist dies eine Lektion?“

„Ja. Dies ist eine Lektion für einen euphorischen Melancholiker, der an meiner Seite sitzt! Und dem kalten Pöter, der naht, ins Auge zu blicken sollte man! Staple das Holz, solange es rumliegt!“

„War ich sehr anstrengend?“

„Ach, Herr Bär, wer das Leid vermeidet, vermeidet auch sein Glück!“

„Weia! Morgen müssen wir unbedingt wieder Banalitäten absondern!“

„Versprochen! Soll ich anfangen?“

„Gerne!“

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„kragen hochgestellt

spuck ihnen in die suppe

den wichtigkeiten

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die winde blasen aufs meer

bleibe ein wartender fisch

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„Verzeihung, Budnikowski. Ich weiß, es gebührt sich nicht direkt nach einem Reim loszuquasseln, aber Banales lese ich hier nicht!“

„Mahler, ich versuchte lediglich einen ersten, theoretischen Ansatz zu formulieren!“

„Werden Sie jemals wieder über Bälle reden?“

„Ich plane ein Poem. Lassen Sie sich überraschen. Am 21. Mai wissen wir mehr!“

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