Ein Leben ohne Peng! / Teil Eins / Erstes Schreiben

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Wo nur steckte und steckt noch Archibald Mahler, unser aller Bär vom Brandplatz aus der kleinen häßlichen Stadt in Mittelhessen? Man hatte ihn vermisst. Er ist wieder da! Na ja. Zumindest hat er ein Lebenszeichen gesandt. Jedoch von wo bitte? Er bittet darum eine Botschaft an seinen Gefährten Kuno von und zu Budnikowski weiterzuleiten. Diese lag gestern vor unserer Haustür. Wie kam sie dahin? Und wo ist denn nun der Mahler? Aber lesen Sie erstmal selber.

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Sehr geehrter Budnikowski und alter Mitstreiter!

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Da wäre ich wieder. Aber wo befinde ich mich? Wie ich mich befinde, könnte ich vielleicht beschreiben, aber wo? Ich weiß es selbst nicht. Gestern dachte ich kurz, möglicherweise befinde ich mich in einem Bärenaltersheim in Peru, unter der Obhut von Paddingtons Tante Lucy. Aber wie bitte soll ich da hingekommen sein? Ich kann nicht schwimmen und meine Flugangst ist legendär. Nun jedenfalls sitze ich vor mich hin und stricke. Was ist das? Ein Therapieprogramm? Soll ich hier die weiblichen Anteile in meiner Bärigkeit entdecken und ein durch und durch empanischer oder so Gutbär werden? Stecke ich gar in einer Anstalt? Geschlossen gar? Stecken hinter dem Stecken Aufrechtgeher? Ist’s gar nur ein Fiebertraum? Das Letzte, was ich erinnere, ist die kupferne, von Frühlingssonne aufgeladene Hand unseres ewigen Geheimrats! Dann ward es dunkel in, um und um mich herum. Budnikowski, ich hoffe sehnlichst, daß meine Worte Sie erreichen. Darf ich mit Antwort rechnen? Vielleicht finden wir mich gemeinsam.

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Mit etwas wirrem, aber liebem Gruß

Ihr Archibald Mahler

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Schritt für Schritt / Stenzereien 6 / Des Mahlers Krise

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„Sind wir jetzt angekommen?“

„Mahler! Daß Sie Fragen dieser Preisklasse stellen!“

„Ich weiß! Fast sogar hätte ich gefragt, wie lange es noch dauert, Budnikowski!“

„Nochmal von vorn!“

„Sind wir angekommen?“

„Man kommt nie an! Vielleicht sind wir bald mal da!“

„Ich klage nicht über den Weg, der mir behagt. Aber bitte beachten Sie meine fundamentale Müdigkeit dieser Tage!“

„Mentalaja!“

„Leere ist zwar in den fernen Meditationsregeln ein anzustrebendes Ziel, aber, und vom Magen zu reden, das wagen wir nicht, so manches Mal lässt die Leere Dich jedoch wanken!“

„Dies weiß ich wohl. Und jetzt nehmen Sie Platz, aber davor schließen Sie Ihre fleißigen Augen, Herr Mahler und Weltenbeschauer!“

„Ich tue dies!“

„Was spüren Sie, also fassen, gar erfassen Sie?“

„Es, so deucht es mir, ist etwas, was mir nicht fremd und in kräftigeren Tagen sehr vertraut!“

„Warm! Ilmenau! Schwalbenstein! Bei Wetzlar nun! Und Weimar, aber nicht die niedere Fassung der Ortschaft hier in der Nähe!“

„Nein? Weia!“

„Doch mein Freund!“

„Des Geheimrat Hand ich drück und fühl?“

„Gewiß! Doch halt, so wie ich warn‘, er eile nicht im Schweinsgalopp seinen Gedanken hinterher. Verweile er, plus Augenblick, die Fäust‘ geballt und später dann den Stift gespitzt!“

„Auch wenn Sie nicht mein Eckermann, man Sie einfach lieben kann und muß!“

„Wir machen Pause nun und Schluß und lauschen aufs Gebrumm der Därme und Synapsen!“

„Dies ist nicht dumm und gelb von Rapsen noch die Felder rundherum!“

„Der Meister küßt uns!“

„Und wir stumm!“

„Bis Reime wieder flattern!“

„Und wir den Mut ergattern!“

„Row row row your boat!“

„Den Fluß hinab!“

„Gott ist nicht tot! Auch Goethe nicht!“

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Schritt für Schritt / Stenzereien 5 / Budnikowskis Idee

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„Budnikowski! Schön hier!“

„Mahler! So ist es! Aber?“

„Ich bin müde!“

„Ich weiß!“

„Können Sie Gedanken lesen?“

„Das nicht!“

„Da gäbe es heute bei mir auch nichts zu lesen. Mein Kopp ist leer!“

„Das kommt in den besten Gehirnen vor! Aber, was macht der Leib, der Ihrige!“

„Hunger hat er, wie stets, aber zu allen Schandtaten bereit. Wenn der Kopp pausieren darf.“

„Fein! Da hätte ich eine Idee! Sehen Sie diesen Weg?“

„Ja. Der scheint sich aber zu strecken!“

„So ist es! Aber es lohnt! Sie werden es sehen! Am Ziel!“

„Darf ich solange schweigen?“

„Mahler! Das sollten Sie!“

„Dann keine Müdigkeit vorschwätzen!“

„Auf, auf! Gehen wir weiter!“

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Schritt für Schritt / Stenzereien 4 / Noch eine Runde drehen

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„Da ist sie doch, die Banane! Das ist sie doch! Selbige Banane! Oder?“

„Aber wir hatten die Banane doch verzehrt! Oder nur vermeintlich?“

„Zumindest sahen wir die Schale einer Banane dort hinten liegen. Die Vermutung eines Verzehrs liegt also nahe!“

„Zumal ich mich sicher erinnere, Gefährte Mahler, daß wir mit einer, lediglich einer, dies sei nochmals betont, einer Banane als Wegzehrung aufbrachen! Karotten standen ja nicht zur Verfügung!“

„Budnikowski, ich stimme voll und ganz zu und versuche mich an einer Erklärung, die ich mir aus den Tatzen sauge wie Honig aus einem Bienenstock, auch auf die Gefahr hin unsere momentane Wirrnis noch zu verstärken!“

„Darauf kommt es nun auch nicht mehr an! Ich fürchte nichts und sage so: Heben Sie an mit Ihrer Red‘!“

„Wir sprangen wohl in den Zeiten hin und her, quasi!“

„Zauberei gar?“

„Nein, Nachsinnerei eher!“

„Also: erst juckte es wie wild!“

„Und dann fiel uns nicht mehr ein, was man mit dem Juckkraut anzustellen hat!“

„Pflücken und ins Wasser legen. Oder, Mahler?“

„Eben, Budnikowski! So entfalten sich die Wunderkräfte, welche man dann auf die Pflänzlein gießt, gewinnbringend!“

„Und dann fing es fürchterlich an zu miefen und wir sahen die alten, fauligen Kürbisse, von einer Bananenschale behütet.“

„Wir sahen das Ergebnis letzjähriger Düngung, ja sogar das nächste Stadium: den Verfall!“

„Gleichzeitig juckte es uns noch perfide, aber was zu tun war, dies fiel uns so ein!“

„Der Gestank eines noch gegenwärtigen Gestern erinnerte uns an die gegenwärtige Aufgabe Zukunft, an die Notwendigkeit eines Morgen!“

„Das könnten sich die Zechpreller, wie sie die Aufrechtgeher neuerdings nennen, hinter die Löffel kleben!“

„Sehr richtig, Meister Lampe. Jetzt ran an die Buletten .. äh .. Südfrucht!“

„Und dann?“

„Wir haben weder Eimer noch Wasser, den Sud zu bereiten!“

„Werter Bär! Drehen wir halt, frisch gestärkt, noch eine Runde!“

„Gut! Rechts rum oder links cognac da vorne?“

„Sehen wir dann! Morgen!“

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Schritt für Schritt / Stenzereien 3 / Verwirrendes Jucken

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„Mahler, nicht daß es mich besonders jucken würde, aber das juckt ganz ordentlich, dieses Kraut!“

„Budnikowski, da haben Sie wohl recht, jedoch dieses juckreizende Kraut soll ja wahre Wunder vollbringen!“

„Reizendes Kraut! Erst ein wenig Qual und dann Erkenntnis? Ist dies dann ein Wunder?“

„Dies ist eher kein Wunder, denn so ist es meist und was man so spricht ist, daß das Nesselkraut nicht nur brennt, sondern Wachstum, Reife und generell Gesundheit und langes Leben fördern soll!“

„Mahler, offenbar lesen Sie zu oft die weisen Sprüche, welche heutzutage an Teebeuteln rumhängen! Jetzt müssen wir hier solange liegen, bis es nicht mehr juckt und dann geschieht wundersamerweise besagtes Wunder?“

„Budnikowski, ich glaube Sie, verstehen Sie dies nicht als vermeintlich lustige Anspielung, da liegen Sie richtig. Ein bisserl viel Selbstkasteiung, Exercitium und fast schon Flagellantentum, hier wo wir liegen. Wir sind ja nicht im Kloster der Erkenntnis. Oder? Es war aber anders, das mit dem Wunderkraut, aber ich erinnere mich nicht mehr.“

„Nun ja, Klöster haben gerne Gärten, aber nicht jeder Garten ist ein Kloster. Und ich habe Hunger! Wo ist unsere Wanderbanane?“

„Riechen Sie auch das Faulige hier?“

„Kein Wunder. Schaun Sie mal nach rechts!“

„Huch! Das letzte Jahr und die Zukunft zugleich? So liegt es beieinander wohl.“

„Jetzt wird es immer wirrer! Ich habe unsere Banane nicht gegessen. Sie etwa?“

„Gott bewahre. Nicht nur mein Fell juckt, sondern nun auch mein Kopp. Entweder träumen wir …“

„… dann sollten wir schleunigst aufwachen …“

„… oder es gilt nochmal grundsätzlich …“

„Vorschlag: Morgen ist auch ein Morgen!“

„Sehr gut und wir fangen wieder an!“

„Von vorne!“

„Auch!“

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Schritt für Schritt / Stenzereien 2 / Vom Stenzen und Stöcken

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„Sehen Sie, Budnikowski?“

„So einiges, Mahler!“

„Aber verstehen Sie auch?“

„Sie gefallen sich heute in einer gewissen, aufgeblasenen Beliebigkeit. Was wäre zu sehen und oder oder zu verstehen?“

„Sie hatten doch nachgefragt!“

„Meine Frage war eine spezielle und keine generelle. Also bitte!“

„Weiter unten: Warm!“

„Mehr nicht?“

„Wärmer!“

„Also heute regen Sie mich etwas auf!“

„Gut. Also heiß. Es sind die Stöcke!“

„Was ich weiß, macht mich nicht heiß, oder so! Wir hatten die Stöcke benutzt! Weiter?“

„Eben! Den Stenz! Wir stenzten herum mit den Stenzen!“

„Wie? Wir stockten herum mit den Stöcken oder wir wanderten Seit‘ an Seit‘ mit eitlen Zechprellern?“

„So in etwa und präzise stammt alles aus einem Wörternest! Lesen Sie hierselbst!“

„Hihi! Da pfeift sich mir doch eine Melodei! Der Rest juckt mich nicht!“

„Nicht zu früh gefreut. Ich sehe da unten etwas, was uns bald ordentlich jucken wird. Im Rahmen einer guten Sache!“

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