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Archibald Mahler hatte sich lediglich kurz hingelegt. Das tut er gerne, wenn heiliger Zorn ihn erfasst hat. Bevor er platzt. Er kriecht dann in seine Innereien, wandert dort herum und versucht etwas Ruhe zu finden vor den Anfechtungen, denen ein sensibler Bär ausgesetzt ist, wenn er nunmal sein Dasein zwischen Aufrechtgehern fristen muß.
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Kuno von und zu Budnikowski hatte zu ihm gelegt. Nicht etwa weil auch er wütig war oder müde, sondern aus purer Langeweile. Auf den Lenz warten und dies auch noch allein, ohne den Gefährten, das war dem Meister Lampe schlichtweg zu viel, was heißt zu wenig. Zudem fiel ihm in solchen Situationen gerne das überlieferte Bonmot seiner polnischen Großtante Zaja Ciotka ein: „Langweile Dich erstmal so richtig, dann wird dir schon einfallen, was zu tun ist!“
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Kaum war Archibald Mahler, wider aller Erwartung, recht flott eingeschlafen, saß er schon in einem wilden Traum. Ja, er saß und zwar tief im Bauche eines Wals. Dies stand zwar nirgends geschrieben, aber Mahler erkennt so etwas. Im Traum. Feucht war es, stickig, was man eben so denkt, wie es da drinnen sich anfühlt, aber durchaus auch wohlriechend und seltsam heimelig. Und doch schien ihm seine neue Unterkunft führe einen großen anstrengenden Kampf. Mahler vernahm ein Pfeifen, ein Gurgeln, ein Scheppern und Knarzen sich kontrahierender und wieder loslassender riesiger Muskeln. Es ächzte und stöhnte aus allen Wänden, die ihn umgaben, so daß ihn eine düstere Unheimlichkeit anfiel.Und er dachte: ein Wal lebt doch im Meer. Oder? Er sollte dies zumindest. Wo ist es, das Meer? Wie tief befindet er sich unter der Meeresoberfläche? Und, vor allem, welches entsetzliche Weh würgt und schüttelt seine lebende Behausung? Wie war er hier hineingelangt?
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Mahler erwachte. Der Budnikowski sang ein Lied. Mal wieder. Laut. Krächzend. Etwas, wie es seine Art, zu krakeelig. Mahler schien das Lied bekannt. Es schallte vor Tagen aus der Küche herüber. War er wirklich wach? Budnikowski neben ihm schnarchte laut und sang gleichzeitig diesen schwingenden Song. Über den Himmel. Das Sterben. Und das Weiterleben. Oder war Mahler nur unter den vielfältigen Tönen im Bauch des Wales in einen anderen Traum abgebogen? Ein Alptraum gar?
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(Pst! Nicht stören. Geht bald weiter. Der Säzzer!)
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