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Der Budnikowski ist nicht doof. Er weiß zwar auch nicht, wo der Mahler auf dem Kopf rumsteht oder seinen Ohren, aber antworten will er doch. Auch auf das zweite Schreiben des Bären. Und wenn der Bär nicht lesen kann, dann muß er eben hören. Unten eine Abschrift der Sprachnachricht, die der Kuno versandt. Sprachnachricht, weil er halt nicht doof ist.
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Lieber Herr Andersrumbär Mahler!
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Ein paar Worte, die unlängst aufgeschlagen auf dem Küchentisch lagen. Passt irgendwie wie Faust auf Goethes Auge. Hören Sie selbst!
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Tyche
(aus „Laubgehölz im November“ von Uwe Grüning)
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„Alle glücklichen Familien gleichen einander, unglücklich ist jede auf ihre Art.“
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Glück scheidet nicht; eine Scheidemünze ist erst das Unglück. Das grelle Licht blendet, doch auch der Schatten verbirgt uns die Bilder, lässt Konturen verblassen, taucht in ein unterschiedsloses Dunkel, was zuvor ununterscheidbar in der spiegelnden Helle lag. Wenn uns das Glück verläßt, hören wir auf, blind zu sein, aber unser Sehendwerden erweist sich oft nur als eine andere Art von Blindheit. Wir wissen, daß das Glück im Schöpfungsplan keinen Ort hat. Aber so sicher wissen wir es wiederum nicht.
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Wer sagt, daß es ihm schwerfalle, nicht glücklich zu sein? Goethe war es nicht. Kaum sechs Wochen schenkt er von seinem Leben dem Glück. Sprach der Altgewordne die Wahrheit, oder schaute er in den Zauberspiegel des Unglücklichseins, der uns allzu leicht die glücklichen Stunden vergessen läßt, der uns nur zeigt, was wir sind, nicht aber, was wir glauben.
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Der Geist der Resignation offenbart uns die Kindheit und Jugend als unbeschattete Orte des Glücks; und wir erinnern uns nicht mehr, daß es solche Orte nie gab.
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Alle Überlieferungen beginnen mit einem goldenen Zeitalter. Wäre Leben demnach nur ein Verlust und das Glück der Garten Eden, aus dem wir vertrieben sind? Warten wir, in die Hölle halber Erkenntnis gelangt, auf den Abend? Denn der Minerva Eulen fliegen erst in der Dämmerung – oder ist Glück nicht dort, wo wir es suchen: in der ereignislosen Beständigkeit?
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So, Mahler, vielleicht liest einer Ihrer Geister Ihnen die Worte vor. Kurz noch zur Erläuterung: Tyche ist die griechische Schicksalsgöttin. Bei den alten Römern wäre das die Fortuna. Minerva wiederum ist die römische Göttin der Weisheit und des Handwerks, wohlgemerkt nicht die Göttin der Weisheit und der Schwätzer. Im alten Athen wäre dies – sic! – Athene. Und die Eulen der Minerva, also auch die Athenes, waren Vögel der Klugheit, aber auch Boten des Unglücks. Wie es eben so ist.
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Bleibt mir zu grüßen in der Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen.
Ihr Budnikowski
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