Mahler und Budnikowski setzen sich unter einen Baum und unterhalten sich mal oder mahler (30)

Fr26

„Hömma, Mahler!“

„Siga, siga, Budnikowski!“

„Sach ich doch, Schnitzel!“

„Geh Er mir aus der Sonne!“

„Dat wäre getz aber Egüptien!“

„Die waren früher überall, die Pleitegeier!“

„Mahlerchen, meinse dat die auch bald uns eine Stippvisite anreichen tun!“

„Jetzt stippvisiten wir die erstmal!“

„Hömma, ich bin noch nie inne Blechvogel reingestiegen!“

„Weia, das hatte ich schon fast vergessen. Budnikowski, seien Sie froh, daß ich mein Pöterzittern scheinbar unter Kontrolle habe!“

„Und dann auch noch auffet Schiff drauf!“

„Das kennen wir nun schon!“

„Tak!“

„Ouzo?“

„Mit! Reim?“

„Wohlan!“

„Als ich inne Hängematte einen inne Rübe hatte…“

„…und die Seele baumelnd suchte: Sehnsuchtsland…“

„…der Pöbel geizig fluchte …“

„…und das Orakel Worte raunte…“

„…wohlbekannt…“

„…da brach ich auf…“

„…nun sachet schon…“

„…an die Ufer des heiligen Acheron!“

„Hömma, kann ich noch einen vorbereitenden Ouzo?“

„Ne!“

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Mahler und Budnikowski setzen sich unter einen Baum und unterhalten sich mal oder mahler (29)

Fr25

„Budnikowski, hoch hinaus in Bescheidenheit?“

„Mahler, ich spüre schon, wie sich ihre Reißzähne in die uns allen eigne Harmonie- und -gefallsucht graben. Ich accordiere Ihnen heftigst im Widerspruch. Der notwendige Rückzug mag gelegentlich ein Signal enthalten, aber forciert optische Garstigkeit beschämt den möglichen Nachfolger und stempelt ihn zum Plagiator in Sachen Einsamkeit. Die Verlockungen der Fassade haben dem zur eindimensionalen Erektion verpflichteten Teil der Aufrechtgeher schon manche Peinlichkeit in die Biographie diktiert, dies weiß ich wohl, jedoch was spricht dagegen der Wohlgestalt ein Liedlein zu singen, wenn man sich vor das rosarot bummernde Äuglein die Erkenntnis reibt, daß alle Schönheit nichts als Zufall und jegliche Verpackung Flucht, diese jedoch wiederum gelegentlich Notwendigkeit atmet. Man kann das fallend’ Laub nur besingen, wenn es zuvor am Aste hing, den Strauß nur ausfechten, wenn man damals Feind der Vasen war! Sehen Sie, dort kommt der Bauer, die Wiese zu mäh’n und wir glotzen schafsgleich hinterher!“

„Was ein Ding!“

„Was?“

„Sind Sie schon mal geflogen?“

„Warum?“

„Nur so!“

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Mahler und Budnikowski setzen sich unter einen Baum und unterhalten sich mal oder mahler (28)

Fr24

„Mahler, Schatten also suchen Sie!“

„Budnikowski, ich werde einen gelbäugigen Ziegenbock tun und mich klimakohysterisch äußern! Ergebnisse werden erzielt. Interessiert das WIE stärker als das DAS? Nach und nach wird man leicht zur Harke! Aber falsch liegen Sie nicht auf Ihren langen Ohren. Das Gleißende wirkt auf mich verschreckend, das Laute deprimiert und mein Nachsinnhändchen mag halten wer will, aber er möge im Anschluß daran nicht eine Denkquittung für diesen Austausch einfordern. Wobei ich mir der Eitelkeit der Abgeschiedenheit ab und an bewußt werde, doch der Lustgewinn überwiegt. Mitglied in allen Parteien, die ich jemals wählte, mag mein Pöter nicht sein, weil er ein selbstständiger Furzer ist. Wenn der Winter kommt, kann man sich vor der Tür dieser Hütte die Holzbretter unter die Pranken schnallen und gen Talboden rutschen. Vielleicht ist ja der Schinken aus oder das Brot. Dann muß man wieder hoch auf den Berg. Mit oder ohne Schinken und Brot. Die Aussicht auf eine ordentlich kalte Nase lässt mich einen Verzicht auf den Winterschlaf andenken. Außerdem wundere mich eh und ef, wieviel Worte ich mit Ihnen schon tauschte. Lassen Sie uns das Land wechseln. Lassen Sie uns karger werden, ärmer und heller!“

„Noch heller, Mahler!“

„Vor allem ärmer, Budnikowski!“

„Bescheidener?“

„Nein! Ärmer!“

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Mahler und Budnikowski setzen sich unter einen Baum und unterhalten sich mal oder mahler (27)

Fr23

„Mahler?“

„Budnikowski?“

„Erinnern Sie sich an eine Einsicht unsererseits in den letzten Tagen und Wochen, die tief wie dies Tal!“

„Weia, die Frage. Mir ist eher etwas niederländisch zumute!“

„Meinen Sie, da geht noch was?“

„Wir gehen!“

„Warum!“

„Wir müssen!“

„Aber hier ist doch schön!“

„Woanders wird auch gedacht!“

„Wo?“

„Dort besonders!“

„Warum?“

„Man behauptet sogar, dort habe man das Große Denken erfunden!“

„Wahrhaftig!“

„Gewiß!“

„Angenommen, man wollte oder müßte hier bleiben, wo würden Sie wohnen wollen!“

(Blicke schweifen übers Tal. Mahlers Blick bleibt an einer Hütte hängen, rechts unten am steilen Hange. Budnikowski liebäugelt mit einem kleinen Häuschen, ein paar Wandermeter aus dem Tale hinaus.)

„Budnikowski, Sie sehen die Hütte?“

„Sehr bescheiden! Mahler, dieses kleine Haus dort hinten, Sie sehen es auch?“

„Arg verspielt und zu putzig! Aber dem Liebreiz entziehe ich mich, da die Pflicht mich knochentrocken ruft!“

„Na dann, Sie dort, ich dahinten, aber Ihre Wahl müssen Sie begründen!“

„Morgen gern, und dann aber Sie desgleichen!“

„Wohlan und Dankbarkeit!“

„Und diese schweigt!“

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Mahler und Budnikowski setzen sich unter einen Baum und unterhalten sich mal oder mahler (26)

Fr22

„Mahler?“
„Budnikowski?“
„Forelle geschnappt und zerkaut?“
„Sag ich nicht!“
„Aufbrechende Forelle oder Forelle auf Heimkehrkurs?“
„Sag ich nicht!“
„Schwarzgelb oder blau, alt oder jung, gegrillt oder gedünstet, Kaugummi oder Heroin, gestern oder vorgestern, Magenverstimmung oder Bandscheibenvorfall, Hase oder Igel?“
„Sag ich nicht!“
„Heute ist der Bär sehr schwer!“
„Schwier!“
„Hick!“
„Wissen Sie, was der große Willi Shakespeare mal gesagt hat?“
„Der mit dem Angelgeschäft!“
„Ausnahmsweise der andere!“
„Na bitte her damit, Mahlerchen!“
„Wenn alle Menschen nur dann redeten, wenn sie etwas zu sagen haben, würden sie bald den Gebrauch der Sprache verlieren!“
„Geil! Also können wir weiterblubbern!“
„Wie das Bächlein, das hinter unseren Rücken den Todtnauer Wasserfällen zueilt!“
„Weshalb, Herr Bär, waren wir nochmal hierher gereist?“
„Neben Ihnen sitzt einer, der dies nicht mehr weißt!“
„Fein!“
„So schmeckte die abwärts strebende Forelle! Dies nur auf die Schnelle!“
„Die Abschiedsglocke belle!“
„Gedanken werden fahl!“
„Drum Hirne auf die Wäscheleine!“
„Und ein letzter Blick ins Tal!“
„Genial!“
„Und tief’re Einsicht keine!“
„Hihi!“
„Mit!“

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Mahler und Budnikowski setzen sich unter einen Baum und unterhalten sich mal oder mahler (25)

Fr21

„Halt!“
„Hä?“
„Stop!“
„Wie bitte?“
„Das Ding runter!“
„Budnikowski?“
„So ist es, Mahler!“
„Warum?“
„Sie hatten Hunger und von unten kommt die Forelle!“
„Daß ich dies nicht sehe! Zweifel, oh!“
„Der Bach muß angehalten werden!“
„Eigentlich bin ich satt!“
„Mahler so und dann wieder mal!“
„Sag ich doch!“
„Sollten Sie nicht schweigen?“
„Erst ab einem gewissen Grad genereller Sättigung!“
„Also niemals, Freund Bär?“
„Ich atme hungrige Befürchtung und bestätige!“
„Nur eine Frage ist über noch!“
„Budnikowski, sag er an!“
„Kaut des Bären Zahn heute lieber das junge, den Bach hinabfließende Salmengemüse oder schätzt man den heimkehrenden laichtragenden, gereiften Altforellerich?“
„Mal so, mal so!“
„Wird man je schlau aus eines Bären Gehirnung?“
„Eher nicht!“

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