“Siga, siga!” oder wir machen Hellas und Meer 6

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„Budnikiosk, Sie können fragen, was sie wollen, Sie bekommen eine Antwort. Weshalb der Ouzo so milchig werde, wenn man ihn mit Wasser mischte? Weil im Alkohol gelöstes Anis-Öl ausfällt, wenn Wasser dazukommt. Wasser und Methanol bilden Cluster, die aus Ringen von Methanol-Molekülen bestehen, die über Wasser-Moleküle mit Hilfe von Wasserstoff-Brücken …“

„Geklaut von Frank Schulz!“

„Schon gut.“

„Das letzte Lied, Herr Mahlerios, war derart mitnehmend!“

„Die Worte gefälligst?“

„Darum sei hiermit gebeten!“

„Ich habe es dir gesagt und sage es dir wieder, geh nicht runter zur Küste. Die Küste ist stürmisch und sie nimmt dich mit und du kommst weg. Und wenn sie mich mitnimmt, wohin bringt sie mich, runter in die tiefen Gewässer. Ich mache meinen Körper zu einem Boot und meine Arme zu Rudern. Mein Tuch zu einem Segelchen, ich komme und gehe von dem Festland. Ich habe es dir gesagt und sage es dir wieder, schreibe mir keine Briefe, denn ich kann nicht lesen und ich fange an zu weinen.“

„Wo ist heut‘ Nacht Odysseus?“

„Auch der Hellene kennt einen Berg.“

„So hoch hinauf? Schenk er nach! Bald dann die neue Frage!“

„I soi, ach, i soi!“

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“Siga, siga!” oder wir machen Hellas und Meer 5

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„Von wegen in den Bohnen wohnen! Die Bohnen wohnen in mir!“

„Parakalo, Budnikiosk?

„Nai, physika, Mahlerios! Aeolos windet durch mein Gedärm!“

„Lassen Sie ihn durch das Hirn blasen!“

„Efcharisto für den Tipp, malaka!“

„Katalaves?“

„Das ist ja das Problem mit der Versteherei, wenn die Hellenen alles so sagen und andersrum meinen!“

„Eben nicht! Die Hellonen gebrauchten Sprache als Sprache schon, bevor der Römer Löwen auf Petrusjünger hetzte und der Kelte das Bärenfell entlauste und der Perser aus Zitaten Teppiche flocht!“

„Und dann?“

„Und dann kamen die Verbaldiadochen und definierten und bewerteten das Original um, anstatt es zu begreifen!“

„Geben Sie meinen Mentalbohnen Hilfestellung, Mahlerios!“

„Anti zum Beispiel bedeutet lediglich das ‚Gegenüberliegende’ und diabolos ist nichts weiter als das ‚alles durcheinander Werfende’ und nun lassen Sie Ihre Denkbohnen diese Worte in germanischer Deutung vor dem geistigen Auge erscheinen!“

„Und deshalb heißt Regen schlechtes Wetter? Wie eindimensional!“

„Sie sagen es! Das Banale übernimmt die Deutungshoheit!“

„Was tun?“

„Amstel hilft nicht mehr! Fragen wir den Ouzo!“

„Die Griechenmilch. Wer gibt?“

„Sira mou!“

„Aha, Mahlerios zahlt!“

„Ich habe es Dir gesagt, und sage es Dir immer wieder, aber nur wenn Sie mir morgen erzählen, weshalb sich der Ouzo milchig macht, wenn er dem Wasser begegnet!“

„Vorsicht, nicht die Kerze austrinken!“

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“Siga, siga!” oder wir machen Hellas und Meer 4

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„Mahler, ist in zwanzig Jahren die Krise auch noch da?“

„Budnikowski, dösbaddeln Sie nicht rum!“

„Aber das Meer bleibt?“

„Man darf im Urlaub keine Gazetten lesen, vor allem keine germanischen!“

„Verzeihung!“

„Der Hellene hat die Krise selbst erfunden!“

„Schön blöd!“

„Blöd sind gerade Sie, bester Budnikowski! Die Sprache, die Sprache!“

„Ach so, krinein, ein altes Griechenverb!“

„Ebenst, was da heißt trennen und unterscheiden!“

„Auf germanisch: so geht es nicht weiter?“

„Nai, Budnikowski, man tanzt gelassen auf Rasierklingen und wartet auf eine entscheidende Wendung!“

„Es geschieht gerade nichts!“

„Siga, siga!“

„Dann sind doch zwanzig Jahre eine zu ertragende Zeitspanne!“

„Wichtig ist, wohin das Pendel schwingt! Bewegt es sich Richtung Abgrund, spricht der Hellene von der katastrophia! Aber selbst dann darf man sich noch freuen!“

„So ist der Germane mal wieder zu schnell!“

„Wie immer praecoxgefährdet!“

„Und warum haben Sie mich gestern beschimpft, Mahler!“

„Weil Sie germanisch hörten! Nennt man einen Fremden malaka ist es ein böses Wort, nenne ich so den Freund, nenn‘ ich ihn lediglich einen alten Freund!“

„Xenien, Mahler, die wir hier sind, was da heißt Gäste und Fremde zur gleichen Zeit, sind wir das?“

„Ein Leben lang sind wir dies auf der Erdenkugel!“

„Ein solches Wort zu finden! Weia!“

„Ein Freund der Ambivalenz ist der Hellene immer schon gewesen! Jetzt hab ich Hunger!“

„Bleiben wir bescheiden!“

„Bohnen?“

„Bohnen!“

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“Siga, siga!” oder wir machen Hellas und Meer 3

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„Noch schwirrt es mir im Ohr, Mahler!“

„Budnikowski, der gestrige Tag war ein Quiz!“

„Jetzt ist schön ruhig!“

„Ja, schön leer auch und der junge Mann links, der so früh schon rumräumt, ist aus Hannover und das versteht man ja, obwohl er einheimischer Grieche ist!“

„Europa!“

„Der frühe Bär hört nur das Meer, aber tagsüber babelt es hier ordentlich vor sich hin!“

„Also den Italiener erkennt man schon rein lautstärkemäßig und an den verschärft undezenten Tangas bei über fünfzigjährigen Lederhautdiven! Und auch den Hellenen mit seinem Clan ordnet man sicher zu!“

„Das sind die, die mit Kühltaschen an den Strand kommen?“

„Time passes slowly up here in the Epiros, but somedays there’s a need for change, anyhow! Gespart werden muß dann schon mal, bei aller Graecophilie!”

„Aber dann: Albaner? Mazedonier? Serben? Russen? Rumänen? Kroaten? Bulgaren? Polen? Da scheitert sogar das aufmerksam zuhörende Ohr! Da hilft nur noch das Studieren der Autokennzeichen!“

„Und kaum Germanen außer Ernst Albert und Eva Pelagia!“

„Erfrischend und auch Europa!“

„Man läßt die Kinder hier in Ruhe spielen!“

„Budnikowski, schon wieder eine Yacht!“

„Mahler, wer hat das Meer eigentlich erfunden?“

„Ich denke das Meer hat sich selbst erfunden!“

„Das sollte man den Aufrechtgehern vielleicht mal sagen!“

„Ich befürchte, das nützt wenig! Dicke Hose ist genetisch!“

„Auch bei den Nichtgermanen?“

„Gewiß!“

„Blöd!“

„Aber die ist eine Augenweide, diese Yacht!“

„Gewiß?“

„Nai, malaka!“

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“Siga, siga!” oder wir machen Hellas und Meer 2

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„Mensch Mahler, da fällt mir nix mehr ein!“

„Das Einfache macht sprachlos!“

„Sie meinen, das Ionische Meer ist eine perfekte Pizza Margherita?“

„Bei diesem Anblick schweigen Sie, Budnikowski?“

„Falls noch eine frische Karotte darauf liegen sollte: gewiß!“

„Da sei Galileo G. vor! Bei dem kugelte die Karotte erstmals über den Erdtellerrand!“

„Also dahin, wo der normale germanische Aufrechtgeher nicht hinblicken mag?“

„Wir wollten doch hier nicht über Finanzpakete sprechen!“

„Mahler, in Griechenland kriegt man Gedanken, in Deutschland ordnet man sie!“

„Von Ihnen?“

„Gelesen!“

„Aber es stimmt trotzdem. Nähern wir uns also dem Ionischen Meer ein paar weitere Schritte tätigend und gemach, gemach!“

„Und ungeordnet?“

„Nur ungeordnet!“

„Mit welcher Tatze laufen Sie heute los, Mahlerios?“

„Mit beiden, Budnikowskiosk!“

(Ohne zu stolpern, ungeordnet und ohne zu wissen ein paar Schritte später.)

„Budnikowskiosk?“

„Ja?“

„Ich akzeptiere das Chaos, aber ich bin nicht sicher, ob es mich akzeptiert!“

„Das ist nicht von Ihnen, aber doch von Ihnen, gell!“

„Die alte Platte von Robert Zimmermann ist so neu wie ein Sonnenaufgang am Ionischen Meer!“

„Das haben Sie schön bemerkt!“

„Ein Lied?“

„Gerne!“

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„Siga, siga!“ oder wir machen Hellas und Meer 1

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„Mahler! Dies dort unten wäre dann also das Ionische Meer?“

„Ich schritt noch nie entlang an seinen ewigen Gestaden, doch dünkt es mir, daß ein Ja! die richtige Antwort ist!“

„So klein ist das Ding! Wie konnte sich der Odysseus da jahrelang verirren?“

„Budnikowski, gemach, gemach!, wie der Hellene es angeblich gerne ausdrückt! Da muß man näher ran, dann wird es größer!“

„Nicht, daß das Ionische Meer ein Scheinriese ist!“

„Nein, mein Herr, das Ionische Meer ist auch kein ungedeckter Scheck!“

„Mahler, wird man uns mit Steinen, überteuerten Tomaten und künstlichen Hitlerbärtchen bewerfen?“

„Ach wissen Sie, ich bin ein Russe aus Wyoming und Sie ein litauischer Pole mit Wurzeln in Rheinland – Pfalz, was soll uns da geschehen!“

„Ist es hier immer so heiß?“

„Na, knappe 10 bis 15 Grad mehr sind noch drin. Der Tag ist jung!“

„Soll ich schon mal gemach, gemach! den Hintern heben? Aua!“

„Was führt zur ersten Klage ihn, den Budnikowski?“

„Man stach mich! Stach mich wohl durch Fell und Häute!“

„Dann lassen Sie uns eine Etage näher ran ans Ionische Meer, den frühen Wind genießen!“

(Einige steile Schritte später.)

„Oh!“

„Gell!“

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