Vom Verzicht und Budnikowski klärt Mahler auf!

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„Mahler! Ich hätte Sie aufzuklären!“

„Kein Grund mir auf dem Scheitel rumzuturnen!“

„Wichtig aber es ist! Die Aufrechtgeher machen neue Masten!“

„Was die Aufrechtgeher tun, kann gar nicht von Wichtigkeit sein!“

„Aber die haben uns zum Schweigen verurteilt, weil ihre alten Masten nicht mehr strahlten!“

„Ich fand’s eide!“

„Mahler, er aber will nicht sehen, daß noch vieles an Geschichte unter seinem Fell blubbert und sucht Luft?“

„Als man uns vor bald sieben Wochen aus der Netzgemeinde warf, hatte ich Minuten des Unmutes zu überstehen. Dann jedoch wurde es richtig angenehm!“

„Darf ich, bester Mahler, weiterhin Ihren Scheitel jedoch auffordernd besteigen und ihm die eine und nächste Frage sein?“

„Ich bin froh derweilen, Sie wieder Budnikowski nennen zu dürfen!“

„Eine Botschaft nur vom Bären hinaus in die unnötige Welt!“

„Ich trauere um Jack Bruce!“

„Kenne ich nicht!“

„Dann das!“

„Der mit dem dicken Bauch unter dem T-Shirt ist aber auch ein Trauriger, oder?“

„Sonst könnte er nicht diese Musik machen!“

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Przepraszam, Pan Niemiec! / Nachts / Okt. 2014

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Wir befinden uns in einem komfortablen Hotelzimmer in einer Stadt, in der sowohl der Geheimrat als auch der Lenz und – nie zu vergessen – der hochverehrte Herr Büchner einstens ihre Geister schulten, das Münster bestiegen – einer schwindelte mehr, ein anderer etwas weniger –  und gerne auch dem Edelzwicker ihre Aufwartung machten. Im Bilderschauapparat läuft tonlos eine Pilkerei. Nein: jenes doch nicht! RTL ist weit, weit weg. Drüben, da auf der schääl Sick des Rhin. Wo das Heckerland beginnt. Ici vor Ort auf Ronaldos Knie ein dicker Eisbeutel. Der Anschluß aber kommt zu spät. Fado forever. Jubel schallt aus der Lobby der Herberge durch die Liftschächte nach oben in die Zimmer. Die Einheimischen sind erleichtert. Ach, nur ein Freundschaftsspiel? Im Hintergrund trinken Ernst Albert und die wunderbare Eva Pelagia hochpreisigen und regionalen Schaumwein aus billigsten Plastikkelchen, – der Grund: eine Altersuhr trägt eine neue Ziffer – als es den Hasen von den Füßen haut, er sich in des Bären Schoß begibt, begeben muß, denn historische Hitzegewitter haben ihn gefällt. Hören wir rein ins Zwiegespräch:

„Przepraszam, Pan Niemiec! Ile to kosztuje? Ktora godzina? Prosze o pomoc?“

„Träumen Sie alp, Herr Zimmermann?“

„Nie rozumien, Baba!“

„Was ist los mit Ihnen, Hase! Das Fieber? Der Schaumwein? Herr Zimmermann, was nun?“

„Mam na imie Budnikowski! Kuno Budnikowski! I co usłyszeliście? Jebany: Kuno ‘Pilkator’ Budnikowski!”

“Ich verstehe! Sie reisen zurück in ihr ursprüngliches Ich!“

„Dziekuje, Baba!“

„Dzien dobry, Pan Budnikowski! Sie Zimmermann nennen zu sollen, das kam mir auch zugegebenermaßen immer extrem holprig über die Bärenlippentastatur.“

„Daß Träume solange brauchen, bis sie in Erfüllung gehen! Doppelweia! Der Ahn in mir hyperventiliert vor Freude! Dziekuje, Bog!“

„Wollen Sie jetzt etwa doch wieder mit der Pilkerei, Freund?“

„Ach! Quatsch! Der herrliche Moment! Nur Sekunden! Ein kurzer Flash! Die Nadel in der Vene! Etwas Glück! Nicht zurückgeschossen! Aber heute mal nicht Zweiter! Eine Frage aber?“

„Her damit!“

„Meinen Sie, ich sollte dem Ehrenwerten Herrn Ernst Albert die zwei Warschauer Hütten zum Ehrentag schenken!“

„Versuchen Sie es! Vielleicht freut er sich ja!“

Dann schloß der wiedergeborene Budnikowski (Gott sei Dank! Der Säzzer!) die Augen und träumte von seinem Traum, den er vor zwei Jahren geträumt hatte. Und er dachte noch: „Mein Gott, war ich jung damals im Jahre…“, als die Pranke des Bären sich seinem Rücken näherte. Wuchtig!

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Appenzeller Vergewisserungen / Wieder weg

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„Herr Mahler, noch Schmerzen?“

„Vielleicht. Ich weiß nicht so recht. Ich hab ja den Verband. Aber eigentlich schon.“

„Spezifische Schmerzen?“

„Diese Frage müßte ich eher verneinen. Diffus. Oder peripher. Das wäre richtiger, lieber Doktor Zimmermann!“

„Ist der Verband vielleicht nur ein Trick?“

„Zu solchen Mitteln würde ich niemals greifen.“

„Mir scheint, Sie machen sich gerade vom Acker!“

„Tastaturen haben etwas vom Blick in einen Spiegel. Die muß man ab und an verhängen. Mag der Raum dann etwas kleiner erscheinen, bedauerlich vielleicht, das ist nun mal seine ungespiegelte Größe.“

„Aber es ist doch auch ein Riesenspaß!“

„Es ist ein Riesenspaß. Aber mir ist das manchmal alles viel zu schnell geworden. Wie ich gestern schon bemerkte: mehr Papier, längerer Atem, mehr Bogen, weniger Tag.“

„Aber das hier ist doch einfach eine andere Baustelle.“

„Zimmermann, Sie müssen wissen, wenn ich zweifle, dann zweifle ich ordentlich!“

„Ich weiß, aber wollen Sie es nicht mal leichter?“

„Ein Bär ist keine Brieftaube!“

„Und ein Hase ist kein Briefbeschwerer!“

„Fahren Sie eigentlich mit Herrn Ernst Albert an die Förde?“

„Weiß ich noch nicht!“

„Ich würde gerne mit nach Straßburg!“

„Wenn Sie eine Idee haben, was sie von dort erzählen wollen, komme ich vielleicht mit.“

„Und was ist mit dem Breisgau?“

„Auserzählt!“

„Jetzt ist Schluß?“

„Jetzt ist Schluß!“

„Bis wann?“

„Mal sehen!“

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Appenzeller Vergewisserungen / Daheim wieder

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„Ist das eine Schreibblockade?“

„Erstmal einfach nur ein Verband.“

„Was ist geschehen?“

„Mir erschien zuletzt alles so ferngesteuert. Mein Schreibarm hüpfte sinnentleert über die Tastatur und ich hatte wohl vergessen, wer der Bär ist, der ich mal sein sollen wollte.“

„Das ist das Problem mit der Tastatur. Da wird Unspezifisches gespürt, nichts mehr nachgedacht, eine vage Conclusio in die Wolke gehämmert und dann forsch aus dem Fenster gehängt!“

„Gewiß! Das Hämmern! Vielleicht leide ich demnach unter einer chronisch sentimentalen Sehnsuchtsscheidenentzündung!“

„In welche Richtung wird von Ihnen gesehnt?“

„Bleistift? Füller? Papier?“

„Soweit zurück? Wie wäre es mit einer Schreibmaschine? Gabriele zum Beispiel?“

„Ja, dieses Tikka – Takka – Tukka – Geräusch. Eine belebende Begleitmelodie.“

„Und dann dieses Krrsch – Pling!“

„Wie bitte?“

„Dieser Hebel rechterhand oben, der die nächste Zeile ermöglichte!“

„Nannte man das Ding Zeilenhebel?“

„Keine Ahnung, ich bin an einer elektrischen Schreibmaschine eingestiegen!“

„Jungspund!“

„Und was nun?“

„Da ich Rechtspföter bin: erstmal Pause. Wer übernimmt?“

„Das traue ich mir nicht zu. Hase bleibe bei deinen Löffeln! Aus der zweiten Reihe heraus moppert es sich leichter. Verantwortung ist ein eigenes Boot! Schwer zu steuern!“

„Denken Sie, Herr Zimmermann, daß…“

„Du Archibald, ich Kuno, Du!“

„Wirklich?“

„Sie haben recht, Herr Mahler. Das Siezen steht uns weitaus besser zu Gesicht!“

„Herr Zimmermann, wir müssen nachdenken!“

„Maßnahmen?“

„Maßnahmen!“

„Denken wir also nach!“

„Zu zweit. Aber einmal ist dann gut!“

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Appenzeller Vergewisserungen / Uf Wiederluege!

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Der Blick dieser Kuh nun, ist er freundlich oder eher aggressiv? Und die Hand, fordert sie ein oder versucht sie Kontakt? Die Augen der Kuh geben keine Antwort. Die Antwort befindet sich vielleicht  im Auge eines Betrachters. Was aber erinnert morgen die Hand? Man wächst auf in einem gemeinsamen Raum und findet später keine gemeinsame Erinnerung mehr. Andere nennen dies Heimat.

Ernst Albert ist gelegentlich ein vergeßlicher Patron. Diesmal jedoch trug auch Frau Pelagia eine gewisse Mitschuld. Sie drängte einerseits zum Aufbruch, wollte aber hier und dort noch schauen, da drüben noch ein Foto schießen, – „Die Augen dieser Kühe!“ – ach, wahrscheinlich wollte sie nur den Tag verlängern, den Abstieg hinauszögern, die Sonne am Firmament festnageln und also: hier bleiben, hier. Es gab doch noch soviel zu atmen, soviel zu horchen, soviel zu sehen. Oberschenkel und Waden waren inzwischen in den Streik getreten – Ernst „Storchenbein“ Albert litt dabei mehr als Eva „Rückraumwade“ Pelagia – aber die kleine Wandercombo taperte zielstrebig gen Wasserauen, nahm den steilsten Weg runter durch den Tobel und hätte man sie sehen können von der Ferne, man hätte meinen dürfen, da stolpern Mitglieder der Augsburger Puppenkiste hölzern hinab ins Tal.

Langer Sätze wenig Sinn: Ernst Albert vergaß oben am Ufer des Seealpsees die beiden Besinnungsaufsätze, die der Hase und der Bär pflichtschuldigst und voll heller Freude verfaßt hatten. Also wird er niemals erfahren, warum der Hase eine Kuh und der Bär einen Säntis mit sich nach Hause nehmen wollte. Das ist schade. Andererseits: es entfällt die ersehnte oder auch befürchtete Bewertung.

Ohne sich seiner Vergeßlichkeit bewußt zu werden, streichelte Ernst Albert derweilen die Flanke einer Kuh, vorsichtig, von hinten links und seitlich, den Augenkontakt meidend. Eva Pelagia bannte alles auf eine digitale Speicherkarte und die Kuh dachte, sie würde photographiert. Oh tempora, oh Kodak!

Dort unten im Tal, da wo das Appenzell endet, beginnt der Bodensee. Den galt es zu queren auf dem Weg nach Hause. Das Gewitter, welches vor kurzem dem Säntis den Buckel runter gerutscht war, hatte sich inzwischen entladen und als man auf der Fähre Richtung Meersburg steuerbords gen Appenzell blickte, schien es, als habe der Wettergott über dem See ein kleines Theater aufgebaut. Eine spiegelglatte und postdramatische Spielfläche, sehr feuchte Wolkenvorhänge sowie unbedingt bedeutungsschwangeres Licht vor ferner Hügelkette. Drama, Baby, Drama! Nach dem Sturm ist vor dem Gewitter. Oder auch nicht. Der Vorhang zu und alle Fragen bleiben offen. Ein letztes Lied schallte über den See und war zu hören bis kurz vor Meersburg. Uf wiederluege! Gewiß, von einer Rückkehr der Abreisenden ist weiterhin fest auszugehen.

PS: Es muß angemerkt werden, daß es natürlich einen Moment heftigster Enttäuschung gab bei den Herren Mahler und Zimmermann, dahin gehend daß man ihnen einerseits einen Auftrag erteilt hatte, welchen jene zwei nach bestem Wissen und Gewissen erfüllten und keine Sau schaute hin. Weia! Keine Bewertung! Kein Feedback! Keine Noten! Kein Nix! Kein was auch immer! Es blieb der Moment. Man hatte es getan! Für wen? Man hatte es getan! Reicht das nicht?

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Appenzeller Vergewisserungen / Ein Säntis sein

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Sehr geehrter Herr Ernst Albert!

Ich freue mich sehr Ihrer Bitte nachkommen zu dürfen, darüber nachzudenken, was ich aus dem Appenzell mitnehmen könnte. Da ich beim Verfassen des angeforderten Besinnungsaufsatzes neben Freund Kuno Zimmermann saß und ich also zugegebenermaßen rüberschielte auf des Hasen Pergament, hier nur eine kurze Bestätigung, daß auch ich geklaute Biergläser nicht, Wappen oder am Wegesrand gesammelte Enziane oder Steinbrocken oder ähnliches in die EU einführen mag und nicht werden will.

Meine vorgestellte Mitnahme wäre der Säntis. Oder ein dem Säntis ähnlicher Berg. Aber ich bleibe beim Säntis, weil der so beeindruckend ist. Ich wäre also ein Säntis. Mein Kopf wäre öfters in den Wolken. Oder vernebelt. Da oben ist es auch gerne mal kalt. Oder alleine. Einsam eher nicht, weil es oft schneit. Schneeflocken sind eine Freude. Sie tanzen. Dann bleiben sie liegen. Und der heiße Kopf kühlt ab. Eine Schneemütze sieht auch apart aus. Damit keiner in meiner Schneemütze rumtapern kann würde ich auch die Seilbahn, die an meinen Bauch hochfährt bis zu meinem Kopp, wieder wegmachen lassen. Wohlgemerkt: auf meinen Säntis, der ich dann wäre. Wäre ich ein Säntis.

Ganz besonders aber gefiele mir es, wenn es Frühling würde beziehungsweise Juni und meine Schneemütze auftaute, diese mir dann kalt den Rücken runter rieselte oder sturzbachte und endlich sich zu meinen etwas wärmeren Füßen in den herrlichen Seealpsee ergießt. Streckte darauf allerdings ein Aufrechtgeher seine entblößten Fußsohlen in den Seealpsee – selbst mitten in der Hochsommerzeit – ein entsetzter Seufzer entführe zu meiner Freude seinem Leib und die folgende Bemerkung: „Arschkalt!“ Woher sollte er auch wissen, wie kalt es unlängst mir oben am Hirn gewesen war. Nicht weiter schlimm, manchmal schneit es sogar im Juni wieder.

Was mir auch noch sehr gefallen könnte als Säntis, der ich sein könnte, ist: wäre mein Kopf verdüstert und drohte Ungemach aus diesen Wolken um meinen Kopf herum, stiege so mancher schlecht besohlte Wanderer eiliger hinab ins Tal. Allein zu sein ist ein Gut, nicht einfach zu erwerben. Die Einsamkeit danach, die gilt es auszuhalten dann. Wenn ich wäre ein Säntis.

Na ja, vielleicht wird mir dann schnell langweilig. Aber darüber will ich weiter nachdenken und so werde ich in den verbleibenden Minuten meinen faszinierten Blick auf die Nordflanke des Säntis richten und froh sein hier sein gewesen zu dürfen. Und: Bergen sollte man nicht mit Eroberung drohen. Das mögen sie nicht.

Jetzt bin ich gespannt, was der Zimmermann verlautbarte und bitte um eine gerechte, nicht zu strenge Benotung meines Beitrages. Wie Dinge sich ändern.

Herzlichst Ihr Herr Archibald Mahler

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