
(Riechen wir und schmecken Tauwetter? Vor der Türe vielleicht. Hinter den beschlagenen Fenstern dito? Mitnichten. Mediator Budnikowski wirft einen Blick auf seine Kontoauszüge. Nun denn, die Herren Bären zahlen. Der Job darf weiterhin erledigt werden. Doch wofür denn auch? Stillstand lediglich? Die Eisschollen reiben noch knirschend ihre Kanten aneinander und unter ihnen eilt der Strom Richtung Delta, verzweigt sich, verdunstet und regnet nieder, die Rücken der Schweiger werden feucht und weiterhin wehen schneeschwangere Winde über abgegraste Wipfel, selbst über den Feldberg rüber ab und an und sonstwo auch. In Mahlers Schädel ein trunken – trotzig Lied. Dann spricht der Hase zu ihm! Hören wir rein mal wieder!)
„Heute, Herr Archibald Mahler, richte ich meine dürren Worte an Sie, alter Gefährte, Wegekumpan und Teilhaber an manch dunkler, aber auch hellster Denkstunde. Gestatten Sie mir eine vorläufige Diagnose. Oft schon erlebte ich Sie als einen, der der Welt den Rücken kehrte, um sich aufzumachen zu einer Wanderung hinunter in die Schlünde Ihres verfinsterten Egos. Und immer wieder – hernach – fanden Sie mich als bange wartenden, gar harrenden – dies meiner Natur vollumfänglich entsprechenden – Hasenbeherzten, bange darauf hin harrend und starrend, ob Sie denn nun von der Reise ins Herz der Finsternis wieder zurückkehren täten, frohgemut, befreit von all Ihren stets wiederkehrenden Juckreizen und bereit die Welt neuerlich mit Ihren schlauen Augen zu bewerfen. Heute jedoch, liebster Bär, bin ich nicht bereit an den Rändern Ihres knarzenden Ichs rumzuhoppeln, nicht bereit die Aura Ihrer Zweifel peripher zu dekorieren, heute, Bär vom Brandplatz, trete ich beherzt gegen Ihr einst abbes Bein, entbiete artigst und pflichtschuldigst meine Wünsche zum neuen Jahre hinwärts, verlasse das alte Jahr – Haken rechts, Haken links – und lege, bis ich Ihre wohltuende Stimme wieder vernehme, ein Buch nieder, nieder zu Ihren Fußpranken. Dieses Buch. Das Buch schlechthin. Vielleicht. Gewiß jedoch: Ihr Buch. So long, ming Jong!“
(Budnikowski legt Mahler ein Buch zu dessen Füßen. Ein herrliches Buch. Das allerherrlichste Bärenbuch überhaupt und generell. Mahler atmet tief ein und aus und ein und man könnte den Eindruck gewinnen, er mache sich auf den Weg, auf den Weg zurück aus den Tiefen seiner Ichverwinkelung, auf den steinigen Weg zurück in die Welt. Schauen wir zu! Und hören nochmals das alte Lied. Und schauen zu wie Mahler wendet seinen Blick gen Mitbär und dann beginnt zu lesen. Oder andersrum.)



Und als Mahler diese Taste drückte, drücken wollte, diese Taste, welche die Photographie in die Wolken schießt, sie dort oben zerlegt in die Einzelteile all ihrer Punkte, später sie wiederum nieder regnen läßt, um das Ganze kurz vor dem Aufprall wieder zum Ganzen zu fügen, da sagte er sich: „Das bin doch ich!“ und jenes sprach er, obwohl er genau wußte, daß der da abgebildete Bär nicht Archibald Mahler, der Bär vom Brandplatz ist, jener Bär eben, der auf einem Foto, welches der ehrenwerte Herr Ernst Albert aus dem Heckerland jüngst mitgebracht hatte, dort auf einem Regal im Empfangsbereich einer Arztpraxis am Fuße des Seebuck, der einen wesentlichen Teil des Feldbergs darstellt, sitzt und den herein humpelnden Hilfebedürftigen mit gewohnt mahlerscher Freundlichkeit entgegenblickt. 