Kleben / Bilder / Gedanken / Schrank / 040

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War, children, it’s just a shot away

It’s just a shot away

It’s just a shot away

It’s just a shot away

It’s just a shot away

(M. Jagger / K. Richards)

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Wenn sich an einem zufällig auf den dreizehnten gelegten Freitag ein Schatten über Dich beugt und dabei auch noch schweigt, beginnst Du gewiß nicht im Todesstreifen zu tanzen. Oder so zu tun als ob. Oder? Der Schatten war andererseits entschieden freundlicher gesinnt, als man es auf dem ersten Blick, falls man hinzusehen gewillt war, befürchtet hatte. Nun gut, etliche betrachten jegliche Warnung lediglich als Freiheitsberaubung. Dürfen sie, sollten aber danach nicht rumjammern. Kennt man ja, so in Sachen heiße Herdplatte und Finger drauf oder über zwei Promille ein Lenkrad anfassen zu müssen und überhaupt den nächsten Schuß werden ich und meine Venen schon überleben und meinen und den Dispo der Welt ignoriere ich eh geflissentlich. Denkste Puppe. Ist leider ein bisserl deppert und trotzdem singt man halt das Lied: mein Aufrechtgeherwille ist mein Himmelreich. Auch wenn ich in die Hosen … (Seller Reim wird etz gestriche. Gell. Der Säzzer) Der Schatten warnt trotzdem. Er spricht von stillgelegten Gleisen, davon jederzeit eine zurückkehrende Lokomotive in Betracht ziehen zu sollen, erinnert daran, daß Camping in einem Wadi Konsequenzen haben kann, da des Aufrechtgehers Wetterapp nicht alles weiß, sondern lediglich vorgibt dies zu tun. Von den Fluten, die keiner ahnt aka ahnen wollte, von der voreiligen Gewißheit: davon hatte der Schatten schon mehrfach gesprochen. Vorsichtig greift der Schatten nach den zwei Gefährten. Das finden die nicht so dolle. Springen auf …

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„Mahler. Was hat der Schatten gesagt?“

„Einiges!“

„Nur das von zuletzt!“

„Ähem … Dings … verschimmeltes Lachsbrot nochmal … „

„Konzentrieren Sie sich!“

„Es war ein langer Satz!“

„Auf!“

„Er meinte und da zitiere ich nicht wörtlich sondern lediglich in Fragmenten meiner Erinnerung, daß, hetzte man seine eigenen Dämonen den Anderen auf den Hals, man letztlich im Bunker landen würde und dann käme man da nicht mehr raus und schon wieder wäre Krieg und dies sei langweilig und öd und deshalb deshalb ist der Bunker doof und da drüben gäbe es ein anderes Gebäude, dahin sollten wir, an die Pforte und die alten Geschichten wieder reinlassen, aber genau hinschauen und und und an der Pforte saß man öfters schon einst und muß da immer wieder hin …  Ach! Ich verstehe das alles nicht!“

„Ich auch nicht! Aber auf die Pforte scheint mehr Sonne!“

„Der Bunker ist ganz, die Pforte kaputt!“

„Mahler, ein Grund mehr die Straßenseite zu wechseln!“

„Budnikowski! Sind sie ein Geist?“

„Möglich! Denken Sie an Hamlet.“

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Kleben / Bilder / Gedanken / Schrank / 039

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Oh, a storm is threat’ning my very life today

If I don’t get some shelter

Oh yeah, I’m gonna fade away

(M. Jagger/K. Richards)

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Der Schatten. Archibald Mahler kennt ihn. Kuno Budnikowski kennt ihn. Aber sie erkennen ihn nicht. Die Furcht trübt ihr Auge. Der Schatten ist gebeugt. Die Person, welche die zwei Gefährten hinter dem Schatten vermuten, hatte schon immer einen Hang zum Gebeugtsein, aber so gebeugt erinnern sie den Schatten nicht. Der Schatten schweigt. Dies ist keine große Hilfe. Im Rücken der zwei ein von der Nacht durchfrorener Schienenstrang. Gestrüpp wuchert über die Gleise. Wann hier das letzte Mal eine Lokomotive Waggons hinter sich her zog? Lange her, gewiß. Aber die Sonne wärmt als sei es ein April und kein November. Die Sonne blendet. Vorne blind und hinten kalter Pöter. Mahler fasst sich ein Herz und öffnet die Lippen. Soll der Schatten Schatten bleiben. Furcht ist gestattet, Angst trübt das Auge zusätzlich und ist zu vermeiden. Allein schon in Sachen Bärenehre.

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„Budnikowski, ich weiß zwar nicht, wo wir hier gelandet sind, aber hier sind wir.“

„Mahler, träumen wir oder bin ich Genosse im kalten Bett Ihres Winterschlafs?“

„Sein oder Nichtsein; das ist hier die Frage: Obs edler im Gemüt, die Pfeile und Schleudern des wütenden Geschicks erdulden oder, sich waffnend gegen eine See von Plagen, durch Widerstand sie enden? Sterben – schlafen – …“

„Sagen Sie ihrem Prinzen Hamlet, den Sie hier zitieren, daß der Hase gerne schläft, aber ungern stirbt!“

„Und zu wissen, daß ein Schlaf das Herzweh und die tausend Stöße endet, die unsers Fleisches Erbteil, ’s ist ein Ziel, aufs innigste zu wünschen. Sterben – schlafen – …“

„Schlafen! Vielleicht auch träumen! Mehr nicht! Basta! Mahler! Was ist mit Ihnen?“

„Was in dem Schlaf für Träume kommen mögen, wenn wir die irdische Verstrickung lösten, das zwingt uns stillzustehen …“

„Mir scheint, die Zeit steht still und mir ist kalt. “

„Daß wir die Übel, die wir haben, lieber ertragen als zu unbekannten fliehen. So macht Bewußtsein Feige aus uns allen; die angeborene Farbe der Entschließung wird von des Gedankens Blässe angekränkelt und Unternehmen, hochgezielt und wertvoll, durch diese Rücksicht aus der Bahn gelenkt, verlieren so den Namen Handlung.“

„Still! Sehen Sie. Der Schatten, er beugt sich hinab. Was tun?“

„Weg? Unterschlupf? Flucht? Standhalten? Ich weiß es nicht!“

„Sie sind wirr!“

„Budnikowski, Sie haben Recht. Mir ist, wir drehen uns alle im Kreis!“

„Scheint mir auch so. Wir waren hier schon mal! Mehr kann ich dazu nicht sagen!“

„Das Leben ist wohl ein Rundweg!“

„Ich finde in unserer jetzigen Lage ist die Philosophiererei nur bedingt dienlich, Mahler! Sehen Sie den Bunker dort drüben? Bewegung tut not!“

„Nun gut. Los also! Ein bißchen Schutz ist immer gut. Und vielleicht ist der Kasten beheizt!“

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Kleben / Bilder / Gedanken / Schrank / 038

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Mr trommle zu Hus und et blievt alles anders (su spricht hück Kölle)

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Die Arche MS BALD hatte losgemacht. Leider verfügen wir derzeit über keine Livebilder aus dem Bauch des Schiffes. Uns erreichen im Moment lediglich Meldungen widersprüchlicher Natur bezüglich der von der Arche gewählten Reiseroute. Straße? Schiene? Ähem, wo ist der Fluß? Zumindest ein Bach, der sich als Fluß ausgibt? Was wir verifizieren können: Bremsgeräusche. Und: Man vermeldet Unruhe im Bauch der MS BALD. Türen klappern, Türen schlagen, Türen fallen ins Schloß. Zwei Gestalten wanken ins Freie. Ein Schatten nähert sich ihnen. Morgen mehr. Jetzt ein Alaaf aus alten Tagen. Die Nächte bleiben weiterhin kalt.

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Kleben / Bilder / Gedanken / Schrank / 037

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Nässt der Regen flieg ich durch die Welt (City)

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Im Bauch der Arche MS BALD alle Vorhänge auf offen und die Leinwand leer. Leise rumoren die Motoren und vibrieren der Abfahrt entgegen. Ansonsten Leere im Bauch des Schiffes. Passagiere haben noch nicht Platz genommen. Wohin mag die große Fahrt gehen? Gar über den GROSSEN TEICH? Man munkelt dies könne sich wieder lohnen. Da drüben spiele man seit gestern nicht mehr nur noch Golf und Lügensolitaire. Andere weisen darauf hin, daß das Beurteilen eines Buches nach dem Blick auf den Umschlag weiterhin gewisse Gefahren berge. Wer liest schon sein Leben zu Ende? Die prominent platzierte Pappschachtel des Colonel Sanders ist leer, aber mittig. Im Hintergrund rattert laut eine Ankerkette. Rauf oder runter? Die Bordlautsprecher spucken ein Lied in den Bauch der Arche MS BALD.

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Land Ho.

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Zwei Passagiere haben Platz genommen im Bauch der Arche MS BALD. Wir kennen sie. Seltsames Licht. Blau und kühl. Die Türen stehen offen. Von rechts her Reste des Tageslichts, von links hineinflutend traumdunkle Nacht. Zwischenraum. Archibald Mahler und Kuno Budnikowski halten brav ihre Fahrkarten in die Luft. Warten. Kein Schaffner. Keine Mitreisenden. Bis jetzt. Und der Pappkarton des Colonel Sanders? Leer. Weiterhin mittig. Keine Fenster, aber zwei Bullaugen gewähren den Blick nach draußen. Der Regen prasselt unermüdlich wuchtig hinab. Doch ist der Bauch der Arche MS BALD erfreulich schallisoliert. Man muß nicht brüllen. Trotz des neuen Liedes welches in den Bauch des Wals gesungen wird.

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Am Fenster

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„Herr Mahler, was ist heute für ein Tag?“

„Ein Montag, glaube ich. Oder sonst einer.“

„Nee. Ich meine das Datum!“

„Budnikowski, meine Uhr ist beschlagen!“

„Mahler, konzentrieren Sie sich. Es gibt Tage und Tage!“

„Sicher. Heute ist so ein Tag.“

„Sie meinen: Datum!“

„Richtig. Der neunte November hielt schon einiges bereit. So und so!“

„Sind Sie jetzt Kabbalist?“

„Tja. Dreht man die Zahlen neun und elf, ist noch mehr möglich.“

„Mahler! Ich war noch niemals in New York!“

„Dann flieg ich in die Welt!“

„Ich würde gerne mitkommen!“

„Budnikowski! Machen wir!“

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Kleben / Bilder / Gedanken / Schrank / 036

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Extreme Arroganz kann katastrophale Folgen haben (Bob Dylan)

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Was hatten die zwei Gefährten erblickt? Etwa 400 Menschenmeter den Fluß hinab stand etwas, was sie bis die Tage noch nie bemerkt oder gesehen hatten. Ein neues gewaltiges Ding stand da am Ufer an dem sie saßen. Der Regen, der auf die zum Winterschlaf gestapelten Kanus prasselte und ihnen Schutz gewährte, machte ein Sprechen sinnlos und so schwiegen sie und schauten in die trübe, nasse Ferne. Ja, liebe Aufrechtgeher: Ferne! Denn 400 Menschenmeter sind umgerechnet etwa 5000 Bärenmeter (Halbmarathon!) und knappe 10000 Hasenmeter (Tagesreise!) und rechnet man den Regen dazu noch einiges mehr. Eine Hasenpfote und eine Bärentatze wiesen abwechselnd in die Luft und versuchten sich zu erinnern. Genau! 10 Jahre nun schon ist es her. Mehr als 10 Jahre. Ein heißer Sommer und Budnikowski trug noch stolz den Pöhlernamen Lütten Stan vor sich her und der Mahler schaute, mal verständnislos, mal wohlwollend zu. Dem Gepöhle. So saßen sie da einst vor einer griechisch – charmant zusammengebastelten Leinwand und freuten sich an einer damals jungen Mannschaft, die noch nicht so hieß, die Mannschaft. Ein paar Jahre später dann, der alte Inhaber des wunderbar aus der Zeit gefallenen Lokals war verstorben, hatten die Jungschen aus dem etwas maroden, aber charmanten Rhodos ein sogenannt angesagtes Aura gemacht, aus welchem diese – die gute alte hellenische Aura – ganz und gar ausgetrieben war, um es dann – die Umstände sind immer noch nicht geklärt – an einem eisigen Januarabend etwas ungeschickt mit Hilfe eines Schweißbrenners selber abzufackeln. Nun denn. Die letzten vier Jahre stand da ein Ruine, verkohlt, in sich zusammengebrochen, ragte sie wie ein verfaulter Zahn empor, unangetastet und vor sich hin modernd. Und nun dies. Die eben noch in die Ferne weisenden Pfoten und Tatzen rieben sich die Augen. Aha. Genau. Der Regen. Das Ding da. Fehlt nur noch der Berg Ararat. Die lange Gestalt, die ihnen zuwinkte, wohl auch zurief, was wollte sie? Nichts zu hören im Geprassel. Senkrecht fiel der Regen, schlug Blasen in die Pfützen, in den trägen Fluß. Das kann dauern. Die Flut? Hat der reichen Aufrechtgeher Arroganz es endlich geschafft? Die nächste große Flut? Zeit zu handeln, Zeit sich zu bewegen, Zeit miteinander zu sprechen. Man brüllte einander zu. Ein Anfang.

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„Was ist das, Mahler?“

„Wenn Geschichte sich wiederholt, eine Arche!“

„Wer winkt da?“

„Noah ist es nicht, die Silhouette kommt mir aber bekannt vor, Budnikowski!“

„Was machen wir?“

„Ich glaube, wir müssen los.“

„Und wenn wir ersaufen?“

„Dann haben wir es wenigstens versucht!“

„Aber Sie sind doch so müde!“

„Ich trage Sie, Budnikowski!“

„Warum kommt die Silhouette nicht uns holen?“

„Manchmal muß man den eigenen Pöter bewegen!“

„Wo die Arche wohl hinfahren wird, Mahler?“

„Falls da was fährt!“

„Haben Sie eigentlich das Schild bemerkt, was über unseren Köpfen hängt?“

„Ich ignoriere es schon seit einiger Zeit! Vorwärts!“

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Uns bleibt nichts anderes übrig als den zwei Gefährten die Daumen zu drücken. Manchmal ist man nur Beobachter, weder Taxi, noch Regenschirm und schon gar nicht in der Lage jemanden ans Ziel seiner Wünsche zu beamen. Oder doch?

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Kleben / Bilder / Gedanken / Schrank / 035

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Menschen, die „mit dem Leben fertig werden“, sind eigentlich Unmenschen.

(Heinrich Böll)

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„Was ist das? Delphine im Winterschlaf?“

„Vielleicht die Antwort auf Ihre Frage, teurer Mahler!“

„Welche Frage? Nummer 56 oder Nummer 2525? Sie belieben zu scherzen!“

„Nein nur die aktuelle?“

„Sie meinen also, warum der reiche Aufrechtgeher in seiner dumpfen Gier sich eben das Sofa unter seinem ostipatösen Pöter wegzieht und so auch dem Rest der Schöpfung?“

„Nennen wir es einen Teilaspekt! Sie fragten nach der Querung, ich sprach von meinem lahmen Arm!“

„Auf dem Rücken des Delphins? Demnach bin ich ein Nachfolger Apollons und wurde von Ihnen ans rettende Ufer gebracht und bin so neu geboren?“

„Hätten Sie gerne! Stellen Sie den Delphin auf den Kopf und Sie sehen profane Kanus im Winterschlaf!“

„Dieses Kanu lastet mir auf Kopf und Schultern und Atlas mag ich nicht sein. Ich bin müde!

„Mit dieser übervollen Rübe, Meister Mahler, werden Sie aber auch nicht gut schlafen in diesem Winter!“

„Werde ich wohl nicht alleine sein! Wissen Sie an was ich immer hinhirnen muß, an den Ufern der Flüsse?“

„Na ja, gleich werde ich es ja hören!“

„Ob die Wasser trennen oder verbinden, frag ich mich. Ob die beiden Ufer einander fern und ferner werden durch das, was an ihnen vorüberzieht oder sie zum Gegenüber werden, nachsinnend über gemeinsam gesehenes Dahineilen und Vergehen? Ich weiß, bevor Sie hier eingrätschen, lieber Mats Budnikowski, die Frage ist keine Neue, genauso wenig wie die Welt eine Neue werden wird!“

„Ich denke, die Sicht der Dinge, Gautama Mahler, das ist Ihre Entscheidung!“

„Dies, um mir ein Geständnis zu entwinden, fällt dieser Tage sehr schwer.“

„Früher oder später wird es sich nicht vermeiden lassen! Selbst wenn die Kanus wieder erwacht sind und wir zurücksetzen könnten ans Ufer gegenüber, wird es nicht mehr dasselbe sein. Das Wasser schon gar nicht. Das liegt bis dann vor Helgoland, komplett versalzen und vom Wintersturm gepeitscht! Aber selbst, wenn Sie sich in naher Zukunft entschieden haben, werden Sie nichts wissen. Ist auch gut so! Bedenken Sie unsere heutige Überschrift!“

„Ja, der Herr Böll. Und: Sie haben ja recht, das nutzlose Wünschen!

„Bleiben wir erstmal hier! Werden wir schon nicht nass!“

„Und was ist mit dem doofen Ernst Albert?“

„Ich weiß es nicht!“

„Jetzt fängt es an zu regnen!“

„Heftiger als vermutet!“

„Wäre ich König von Deutschland …“

„ … wären Sie auch müde?“

„ … würde ich die Wettervorhersage abschaffen. Kaffeesatzleserei!“

„So ein Kanu über dem Kopf hat auch was Gutes!“

„Und ob! Sehen Sie das da hinten?“

„Ach Du grüne Neune! Ist es schon wieder so weit! No?“

„Ah!!!“

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