Die Sommerpause ruht vorm Winterschlaf / Eins

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„Mahler? Es ist hell. Oder?“

„Gleich wird es wieder dunkler, lieber Budnikowski!“

„Ist das nicht herzlich langweilig! Eben noch geschnarcht und schon wieder in den Armen von Hypnos?“

„Sagen wir es so: nach der Sommerpause ist vor dem Winterschlaf!“

„Und wer glotzt uns, die wir erwachten in leiser Hoffnung, unverschämt an?“

„Wiederkäuende Wesen!“

„Freund Mahler, Ihr voller Ernst sei dies?“

„Budnikowski! Wir haben keine andere Wahl denn jene uns der täglichen Wiederholung anheim zu geben! Tag für Tag und auch in den Nächten.“

„Müssen wir?“

„Wir sollten. Und zwar freudig!“

„Wenn Sie meinen! Die Wiederkäuer hier vor Ort sind sehr hübsch frisiert!“

„Dies sei die mindeste Forderung: im stündlichen ein- und ausatmenden allgegenwärtigen Schmerz sich den Glauben an eine freundliche Ästhetik zu erhalten!“

„Na dann!“

„Genau! Und nach dem Wiederkäuen entleert man sich entspannter!“

„Sagt man so?“

„Na ja! Gelegentlich wirken Worte!“

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Von den Harten im Garten 16 / Sitzenbleiben

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„Mahler? Sie wollen nicht mehr schauen?“

„Budnikowski! Es geht nicht ums das Wollen. Eher um das Können!“

„Aber Sie können das doch!“

„Eben eben nicht. Übernehmen Sie!“

„Okeeee! Erstmal ist da draußen nix!“

„Das ist schon mal gut!“

„Aber es ist schön!“

„Das ist ja noch besser!“

„Aber leider etwas trocken!“

„Das wiederum ist …“

„Mahler! Sie wollten sich doch nicht mehr aufregen über die Aufrechtgeher!“

„Wenn ich Sie nicht hätte!“

„Also, da draußen ist ein ruhiges, noch grünes, weites Feld! Was soll ich damit anfangen!“

„Budnikowski! Ein leerer Raum. Ein Spielfeld der Phantasie. Da können Sie hinstellen, was immer Sie wollen!“

„Auch gar nix?“

„Auch dies wäre möglich. Man kann aber auch warten bis etwas vorbeikommt!“

„Wollen Sie dann, daß ich Ihnen Bescheid sage? Wenn etwas geschieht?“

„Das entscheiden Sie!“

„Menno! Auch noch Verantwortung! Und wenn nix erscheint und mir nix einfällt und Sie wieder schnarchen?“

„Haben Sie Angst vor der Langeweile?“

„Sie etwa nicht, Mahler?“

„Und wie!“

„Was dagegen tun?“

„Nix. Sitzenbleiben und weiterfahren!“

„Hä?“

„Bis wir wieder weiterfahren, bleiben wir sitzen und hören Lieder von Zügen!“

„Das ist genial. Mahler! Mahler! Da draußen! Ich seh‘ was!“

„Pssst! Davon berichten wir später!“

„Jetzt gleich?“

„Nein. Viel später!“

(Nun beginnt das Schweigen nicht mehr angestrengt zu knarzen, sondern Budnikowski hört die Karotten wachsen und Mahler versucht sich zu entscheiden, ob er nun aus Wyoming oder Kamschatka. Das hatte er zwar schon, aber manche Dinge verlangen nach Wiedervorlage. Schönen Sommer allen. Am besten zu Hause.)

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Von den Harten im Garten 15 / Reingefallen

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„Wie kamen wir hier hinein, Mahler?“

„Die Türe stand offen. Sperrangelweit!“

„Was für ein Wort! Sperrangelweit! Wissen Sie, was dies bedeutet?“

„Erst mal klingt es wunderschön. Genauso wie Eckbank. Wenn Sie mal nach unten blicken würden!“

„Aha. Das ist also eine Eckbank! Gibt es sowas noch?“

„Hier offensichtlich noch.“

„Also ist unten eher wie früher?“

„Budnikowski, das verstehe ich jetzt nicht!“

„Sie sagten, schauen Sie nach unten und offensichtlich ist da was von früher!“

„Weia, Freund Hase. Verglichen mit Ihnen ist der Aufrechtgeher Heidegger ein Denkamateur!“

„Also, warum sperrangelweit?“

„Na ja, die Türe wurde aufgesperrt und früher hingen die noch in Angeln und sind dann offen, also die Türen und das angelweit sogar!“

„Also hat ein Engel die Türe aufgesperrt?“

„Also jetzt machen Sie mich etwas kirre!“

„Ja. Engel wegen Lost Angeles. Das Lied von gestern Nacht.“

„Habe ich schon wieder im Schlaf gesungen? Wann?“

„Mahler, Bär! Kurz nachdem wir hier reingefallen!“

„Reingefallen?“

„Nicht in diesem Sinn! Man zog, schob, stieß uns und wir fielen hinein.“

„Das ist gut, Budnikowski!“

„Mir gefällt es hier auch. Gleich wird es dunkel.“

„Budnikowski? Haben Sie Streichhölzer dabei?“

„Weshalb?“

„Man könnte die Kerze anzünden!“

„Nur wenn Sie dann das Lied singen. Nun für diese neue Nacht.“

„Es ist aber ein langes Lied! Ich singe es in der Fassung von gestern und nicht von FRÜHER. Deshalb ist es noch länger. Wohl wegen all der Erinnerungen.“

„Auch die Nächte sind manchmal etwas länger!“

„Na dann! Ich freue mich auf morgen!“

„Und dann denken wir über Eckbänke nach, Mahler!“

„Na ja, Budnikowski. Können wir, müssen aber? Sehen wir dann!“

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Von den Harten im Garten 14 / Übereinstimmung

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„Mahler? Darf ich Sie was fragen?“

„Budnikowski! Sie haben es hiermit schon getan!“

„Ich wollte nur höflich sein!“

„Ich kenne keinen, der höflicher ist als Sie!“

„Wenn Sie mich noch einmal anlügen, werde ich Sie nie wieder etwas fragen!“

„Das widerspricht Ihrem Naturell!“

„Bingo! Dann müssen Sie mich was fragen!“

„Ist dieses das neue Spiel, Hase?“

„Sie haben es erfasst, Bär!“

„Gut! Wir sind jetzt oben. Warum ist es, obwohl oben, hier so unaufgeräumt?“

„Könnte es sein, daß unser Bild vom Oben ein mental all zu sehr bereinigtes ist?“

„Sie haben Ihre Worte direkt aus meinem Mund geklaubt!“

„Bitte, Mahler, bitte nicht dieses Lied!“

(Längere Pause. Weil man zuhören will. Das Lied läuft aus. Alle wissen, daß es eigentlich ein fürchterliches Lied ist.)

„Budnikowski. Ein schlimmes Lied. Ich gebe es zu!“

„Na ja. Schlimm nicht, aber halt so aufgeblasen. Und man unterliegt dann doch einer gewissen Faszination! Ist der Aufrechtgeher eigentlich ein verkleideter Bär?“

„Auf alle Fälle kein Hase ist die Frau, die da ein Rotkäppchen zu geben scheint. Oder? Muß ich aber drüber nachdenken!“

„Nicht heute noch, Freund Mahler. Schaun Sie mal da unten!“

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Von den Harten im Garten 13 / Sprossentod

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„Betrachten wir dies nun als unüberwindbares Hindernis, Freund Mahler!“

„Nun, darüber nachdenken muß ich schon. Mein Zustand dieser Tage ist allem Wagemut fern, lieber Budnikowski!“

„Aber ich wäre schon gerne da oben. Einfach mal gucken!“

„Oben sein an sich ist ja kein Wert!“

„Was reden sie so wirr!“

„Weil ich wirr mich befinde dieser Tage!“

„Wir müssen uns etwas einfallen lassen. Wenn eine Sprosse brach, heißt das ja nicht, daß die gesamte Leiter am Pöter ist.“

„In dieser Art der Betrachtung folge ich Ihnen gerne, Budnikowski!“

„Können Sie eigentlich fliegen?“

„Nicht daß ich wüsste!“

„Dann machen wir das morgen einfach mal!“

„Weia! Aber Sie fliegen vor!“

„I’ll do my very best, Sir Mahler!“

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Von den Harten im Garten 12 / Schlaflosigkeit

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„Wie war die Nacht, Budnikowski?“

„Scheußlich!“

„Weshalb? Ich schlief gut!“

„Gewiß Mahler, ganz gewiß. Man konnte es hören und riechen!“

„Das tut mir leid. Der Honigschnaps hat aber auch zu gut geschmeckt!“

„Was ich von meinem Karottenlikör nicht behaupten kann!“

„Und weshalb sitze ich jetzt hier?“

„Sie haben im Schlaf gesprochen!“

„Auch das noch. Was sprach ich so?“

„Ihnen würde es stinken mit der Welt und den Aufrechtgehern!“

„Und deshalb wollen Sie mich jetzt beduschen?“

„Vielleicht hilft es ja!“

„Aber nicht länger als eine Minute! Ich möchte nicht am Untergang der Welt Schuld haben!“

„Ach, Mahler! Das Wasser wird aus dem kleinen Fluß hier vor dem Garten hochgepumpt. Und fließ durch den Rasen zurück!“

„Sehr gescheit! Könnte man allgemein empfehlen!“

„Aber es ist kühler!“

„Wird man sich daran gewöhnen müssen!“

„Also darf ich?“

„Wasser marsch, Herr Hase!“

„Morgen müssen wir ein paar Sprossen höher steigen.“

„Weshalb?“

„Mahler! Sie brauchen wieder etwas mehr Überblick, damit im Schlaf Stille herrscht!“

„Budnikowski, Sie sind ja wild unterwegs!“

„Genau! Die Harten im Garten!“

„Ah! Ich verstehe!“

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