Verschlungene Pfade suchen im Hinterland / 028

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Es ist ein Sonntag, ein kalter und ich grüße Sie herzlichst!

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Heute Morgen las mir der Ehrenwerte Herr Ernst Albert vor. Das heißt, er las nicht wirklich vor, aber laut vor sich hin. Und ich hörte hin. Es ging um das Paradies. In einem Magazin einer Zeitung wurden Aufrechtgeher mit und ohne größeren Namen befragt, wie sie sich das Paradies vorstellen würden. Tja? Und ich?

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Metfässer, Lachs am Stiel, den man mit Honig flambiert und tausendundeine nackte Bärinnen ohne Gendersternchen und in entflammter Willigkeit? Dazu ein Gratisabo von Sky, Netflix, DAZN und anderen schummrigen Sendern? Tag und Nacht Pöhlen schauen oder Tierfilme? Die vor allem mit vielen Bärinnen? Gleicher Lohn für alle! Und keine Lügen aus Feigheit! Wer sich den Tatsachen stellt, kann nicht auf der Flucht erschossen werden! Jaaaa!

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Auf solche bescheuerten Ideen kommen doch nur Aufrechtgeher. Also ich meine, Paradies und dergleichen. Die sind ja nicht mal in der Lage, das was Ihnen die Götter schenken seit Ewigkeiten zu ehren, freundlich zu behandeln und ihre Gedankenschränke in Ordnung zu halten. Vom bebenden Herzen schon gar nicht zu reden. Huch! Was hätte ich mich ja beinahe aufgeregt.

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Aber einer der Aufrechtgeher, war glaube ich ein Kollege von Ernst Albert, das gefiel mir, was der schrieb. Etwa derart: So ein Paradies wie eine Art Premierenfeier, wo sich alle blöd grinsend anlügen und man die ganzen Nasen, denen man ein Leben lang versuchte aus dem Weg zu gehen, in Büßerklamotten wiedertrifft – „Tut mir so leid, daß ich früher dachte ich sein ein Bär aus Kamschatka, natürlich war ich schon immer aus Wyoming!“ – das ist die Hölle.

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Dann sagte der Ehrenwerte Ernst Albert noch was Nettes. Zu sich. Oder zu mir. Oder zu jemanden, der nicht im Raum, aber auf dieser Welt ist. Er sagte: „Wir sind alle keine Eidechsen. Abgefallene Schwänze wachsen uns nicht mehr nach. Watt fott iss, iss fott.“ Denke ich auch.

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Liegt der Lachs in meinen Eingeweiden

Muß der Lachs nicht weiter leiden

Schwimmt er noch den Fluß hinauf

Nimmt den Tod er stets in Kauf

Denn an der Biegung meines Fluߑs

Ist ganz schnell Schluß

Mit Lebensschuld

Ich wart‘ und hab Geduld

Und Hunger

Das Leben macht nicht junger

Soweit das und dies

Nur Heute zählt als Paradies

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Und deshalb hat Freund Budnikowski recht. Wir müssen hier raus!

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Ich wünsche noch einen schönen Sonntag und grüße herzlichst als

Archibald Mahler, Bär vom Brandplatz und heute ärgerlich ob der Kälte, die mein abbes Bein zucken lässt schmerzlich an der Naht

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Verschlungene Pfade suchen im Hinterland / 027

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Hömma hier zusammen!

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Dat iss doch bekloppt mit die Welt. Im Großen wie im kleinen auch. Da scheint die Sonne und ich will raus. Aber der olle Bär iss sich wieder mal inne Auszüge von seinem Schuldenkonto am baden tun in flagellantischer Vertiefung. Da muß der mal aufpassen, dat der sich nich innen Aufrechtgeher verwandeln tut. Ich frach doch die Karotte auch nich bevor in sie reinbeiß umme Erlaubnis. Am besten noch in schriftlichen Formen. Ja lüch ich denn! Wie ich sach, der Hälfte vonnem Aufrechtgeherwesen darfste gerne mal die Zeigefingers abhacken tun. Klar et gitt Schulden, die wo zu begleichen wären schon wegen die Ehre. Aber nur wennet Zahlen sind. Der große Rest aber hüpft inne moralischen Sümpfe rum wie eine besoffene Tsetsefliege. Iss doch so. Und: dat Buch hier in meine Pfoten, sonst wiecht dat lockere 4 Kilo pro Band, dat sind bei drei Bänden? Kannse selber rechnen! Dat hier in meine unschuldigen Pfoten iss die Kurzfassung und aus Gummi und damit kannse alles wechradieren. Also kannse wechradieren, wat eh nix mehr an Ertrag bringen tut oder will. Et gibt intelligente Aufrechtgeher – iss selten, aber gittet – die tun dat radikale Akzeptanz nennen tun. Kannse auch wechradieren, wat eh schon gelöscht iss, aber auf Deine persönliche Bildschirm immer noch auffluppen tut. Und kannse auch wechradieren, watt Du in großenwahnsinniger Aufwallung auf all Deine Zu Tun – und Selberveroptimierungs – Listen drauf gekritzelt hass. Dat gefällt mir. Dat iss getz mein Kapital. Vielleicht kannet et sich sogar vermehren tun. Wat wollt ich sagen. Ja, wechen die Bekloppheit. Kaum bisse draußen fällt dat Wasser vonnem grauen Himmel. Bisse also wieder drinnen. Und Regen kannse halt nicht wechradieren. Tränkens auch nich. Aber dat wat noch so am rumlüchen iss. Ist doch so! Mahler!!!!

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Ach hier, wegen Kapital unn so. Dat mit dem Terzic und die Rückkehr auffe schwatt – gelbe Leitungsbank tu ich sehr begrüßen tun. Hatte ich ja schon unlängst in meine vorherige Monolügerei verlautgebart. So. Et reechnet immer noch, wo iss denn der Mahler? Hörens, Herr Mahler, kannse mal wat von Dir geben? Also hömma hier. Dat is doch ein Heiopei!

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So, gut iss. Und getz noch ein Reimen vom Keimen.

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das hagelkorn traf

auf eine junge blüte

die nachfolgerin

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Tschüssken, getz Vorbereitung auf Good ole Kloppo

Herzlichst

Ihren Lütten Stan aka Budnikowskis Kuno

Und immer schön die Löffels steif halten. Gelle!

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Verschlungene Pfade suchen im Hinterland / 026

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„Bär! Es regnet nicht und die Sonne scheint!“

„Hase! Passt mir eben gar nicht in den Kram! Ich muß noch das Gegenlied zum gestrigen hören!“

„Na dann mal los! Wenn ich nichts zu melden habe, habe ich eben nichts zu melden!“

„Jetzt seien Sie mal nicht so empfindlich. Morgen bin ich wieder dran.“

„Inwiefern?“

„Na ja, in Sachen Schuldenkonto!“

„Schaun mer mal!“

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Not guilty

For getting in your way

While you’re trying to steal the day.

Not guilty

And I’m not here for the rest,

I’m not trying to steal your vest.

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I am not trying to be smart,

I only want what I can get.

I’m really sorry for your ageing head.

But like you heard me said:

Not guilty.

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No use handing me a writ

While I’m trying to do my bit.

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I don’t expect to take your heart.

I only want what I can get.

I’m really sorry that you’re underfed.

But like you heard me said:

Not guilty.

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Not guilty

For looking like a freak,

Making friends with every Sikh.

Not guilty

For leading you astray

On the road to Mandalay.

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I won’t upset the apple cart.

I only want what I can get.

I’m really sorry that you’ve been misled.

But like you heard me said:

Not guilty.

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„Also Mahler. Die Aufrechtgeher und ihr die Schuld hin und her Geschiebe. Mühsam. Das ist, glaube ich, ihr einziges Kapital!“

„Vielleicht hätten wir Rechtsanwälte werden sollen!“

„Mahler! Ich bin dann mal weg!“

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Verschlungene Pfade suchen im Hinterland / 025

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„Wir müssen noch ein bisserl drinnen bleiben, liebster Hase!“

„Oh nee! Warum!“

„Der Ernst Albert singt gerade ein Lied! Das will ich zu Ende hören!“

„Ich verstehe die Worte nicht!“

„Dann lesen Sie halt!“

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Yes baby I been drinkin‘

And I shouldn’t come by I know

But I found myself in trouble

And I had nowhere else to go

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Got some whisky from the barman

Got some cocaine from a friend

I just had to keep on movin‘

Til I was back in your arms again

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Guilty baby I’m guilty

And I’ll be guilty the rest of my life

How come I never do what I’m supposed to do

How come nothin‘ that I try to do ever turns out right?

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You know you know how it is with me baby

You know, I just can’t stand myself

And it takes a whole lot of medicine

For me to pretend that I’m somebody else

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„Hübsch! Und ein bisserl selbstverliebt leider auch! Muß ich mir nochmal anhören!“

„Lohnt sich vielleicht. Oder? Was denken Sie?“

„Morgen zoomen wir dann mal auf die Unschuld. Soll ja auch regnen.“

„Bleiben wir noch was drinnen?“

„Mahler! Genehmigt Und was ist mit den Reimen und der Natur?“

„Budnikowski! Sollen halt warten! Es gibt auch verschlungene Pfade in den Hinterländern mancher Seele!“

„Sie sind ja drauf, Sie Hund!“

„Bär, wenn schon Bär!“

„Gut. Ab morgen neue Beschimpfungen garantiert, geliebter Dummbär!“

„Weia!“

„So isses!“

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Verschlungene Pfade suchen im Hinterland / 024

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„Tach auch, Budnikowski. Vor fünf Monaten war Weihnachten!“

„Mahler? Hat das irgendeine Bedeutung?“

„Keineswegs! Ich wollte es nur kurz erwähnt haben!“

„Denke der Vollständigkeit halber. Oder?“

„Man kann es so ausdrücken. Haben Sie sich von Ihrem Ausflug in die Pöhlerei wieder erholt?“

„In Maßen, sie lasen ja gestern. Ausflüge in die Vergangenheit lassen immer was über. Aber, ehrlich gesprochen, die ausdauernde Hingabe alter Tage, es mag nicht mehr gelingen so recht. Auch wenn ich diesen Streich sehr, sehr gerne mag.“

„Was wäre der für ein Tier? Was meinen Sie?“

„Schwierig. Irgendwie so eine Mischung aus Wolf und Schoßhund mit abgebrochenem Philosophiestudium.“

„Gefällt mir. Mahler, wir müssen wieder an die frische Luft. Die Berge oder die See?“

„Budnikowski. Ich habe mir schon ein NEUNEUROTICKET gekauft.“

„Die Götter mögen mich schützen. Da laufe ich lieber. Sie aber wählen das erste Ziel.“

„Und sie das erste Lied, das wir singen werden.“

„Und Mahler, in sieben Monaten ist schon wieder Weihnachten. Wo werden wir sein?“

„Hat das irgendeine Bedeutung, Budnikowski?“

„Nö. Ich wollte es nur erwähnt haben!“

„Der Vollständigkeit halber?“

„Gewiß!“

„Äh, BudnikowskI! Schön, daß Sie wieder hier sind!“

„Mahler, werden Sie bloß nicht sentimental. Das steht Ihnen nicht.“

„Ich wäre es aber gerne mal.“

„Dann seien Sie es halt!“

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Don’t let us get sick

Don’t let us get old

Don’t let us get stupid, all right?

Just make us be brave

And make us play nice

And let us be together tonight

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„Das ist geliehen!“

„Ja, von dem!“

„Sehr schön! Jetzt haben Sie das erste Lied gewählt!“

„Soll der Ernst Albert mal singen. Für was hat der so eine teure Klampfe hier rumliegen!“

„Jetzt aber raus hier!“

„Und mit welchem Ziel?“

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Verschlungene Pfade suchen im Hinterland / 023

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Hömma hier oder soll ich sagen Moin?

Quatsch! Salli sag I. Des war etz schon it so wie I mir des gwünscht hätt. I hätt au scho ä längeres Jubelpoem gern in die Welt jenseits vom Breisgau rausg’haue. Wegen dem Chrischtjan. Weil I den so geil find. Aber geschtern? Irgendwie händ die älle bissle was in de Hose gehabt. Au vum Elferpunkt weg. Und des ware halt it siebe uff eim Streich. Des isch schad. Mr wirds überläbe. I hänn halt nur gehofft, daß die so was vum Hessenmut hätte abkupfere könne. War it so. Aber er isch einfach ein großartiger Mensch. Do braucht‘s koi Poem. Merci vielmol, Meischter!

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Zurück inne Heimatdialekt. Sonst isset dem Mahler noch mehr an Unheimlichkeit, watt ich in Sachen Pöhlereileiden noch inne Welt husten tu. Vamissen tu ich den alten Mopperbären stets und in alle Gegenwärtigkeit. Aber wie et iss, da musse dir mal die ZEIT ergreifen tun und dich vom Acker machen. Et wächst auch ohne dich, dat geistige Gemüse. Und dat mit der Rose, Quatschekuchen, dem Rose dat war eine dumme Mißverständlichkeit. Kannse nur hoffen, dat der Terzic Eddi den Schwatt – Gelben irgendwann dat Kloppo – Trauma austreiben tut. Obwohl, Margarine bei die Kotletts, tut mal den Watzke und seine Wehleidischkeiten wech, dann fluppt dat. Und ob ich mich freuen tu für die Blauen un deren Rückkehr inne obere Etage? Brauchse Rückenschmerzen? Hömma hier, dat alte Pöhlerherz iss nich gestorben. Dat iss wie mit die alte Liebe. Da bisse ständig in die Hacksen getreten worden, hass deine Enttäuschung in die Grasnarbe geflennt, aber von loskommen? Iss nich. Kannse dir keinen Reim drauf machen? Meine Dürftigkeit versucht et.

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Unsere Hände

Schlugen eine Trommel doch

Leiser ist lauter

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Getz sach ich noch, mach wat aus deinem Sonntag und maat et joot

Ihren Lütten Stan aka Budnikowski

Und wennse den Mahler sehen tust, kannse ihn mal grüßen von mich

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Veröffentlicht unter Autor: Christian Lugerth, Hömma (revisited BVB), Verschlungene Pfade | Schreib einen Kommentar