Hinterm Hof ist Reimen vor Ort / 07

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Heute ist der Mahler und Bär alleine in seiner Nachdenklichkeit. Der Hinterhof findet ihn nicht als Besucher. Er ist heute ein Besucher seiner selbst und stromert durch die Hinterhöfe seines Denkapparats. Der Aufrechtgeher nennt das den Okzipitallappen. Dort werden unter anderem visuelle Reize verwurstet und länger aufgeschobene Antworten auf drängende Fragen durchforstet. Wie sagte und fragte doch unlängst Budnikowski? „Aha! Da hat der Prediger in Ihnen wieder zugeschlagen. Gibt es eigentlich auch eine Kirche der Bären?“ Da sollte man drauf antworten. Als höflicher Bär, der man gelegentlich auch ist.

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In der Kirche des Bären

Darf sich jeder beschweren

Nur nicht Meister Petz

In der Kirche des Bären

Können alle mal kehren

Den eigenen Teppich

Auf Vordermann

In der Kirche des Bären

Schweifen die Blicke

Hastig nicht

Über trübe Gewässer

Erregt

In der Kirche des Bären

Weiß keiner es besser

In der Kirche des Bären

Dünne Bretter man sägt

Und dies mag Jahre dauern

Oder zehnmal mehr

In der Kirche des Bären

Ist das Leichte so schwer

In der Kirche des Bären

Übt man die Lippen

Zu schürzen

Und abzukürzen

So manches und nicht zu scharf zu würzen

In der Kirche des Bären

Schläft ein Malheur

Auch mal durch bis nächste Woche

*

Nun denn. Bis bald.

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Hinterm Hof ist Reimen vor Ort / 06

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„Budnikowski! Jetzt sitzen wir drinnen, obwohl wir draußen sein wollten!“

„Hömma hier, Bär, dat sind wir doch!“

„Wie bitte? Draußen eimert der Himmel ohn‘ Unterlaß. Was sollen wir da draußen?“

„Weil wir et sind, Sie Heiopei ohne Ahnungen!“

„Ach! Verstehe! Pöhlerei!“

„So isset! Heute iss die Höhepunktung vonne Emazipation erreicht worden. Die Damen der Kugel können auch dat Prinzip ‚Gimmich die Koretzka‘ inne Realität umformen. Woll!“

„Sie werden es mir erklären, Herr Lütten Stan!“

„Ich tät dat lieber bereimen tun!“

„Wohlan!“

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Es stehen im Kreise der eig’nen Hymnen

Auf glorreiche Zukunft

Germanen

Man darf ahnen wo die Landung

Auf dem eig’nen Hinterteil

Schwarz – weiß

Nee wat war’n WIR da noch geil

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„Herr Lütten Stan, Ihre Lästerzunge ist mir zu schlürfendes Badewasser!“

„So vernehme ich zwischen Ihren Lettern ein ABER?“

„Gewißlich. Das WIR war mir fremd schon immer, da ich nicht mal weiß, wer ich denn war. Einstens.“

„Reimt sich das auch?“

*

Jamaika und Südafrika

Die waren auch schon gestern da

Japan sowie Südkorea

Die fernste Welt rückt nah und näha

Germanen züchteten Gartenzwerge

Die And’ren schaufeln neue Berge

Doch heulen können

WIR

Ein Wort das mir so fremd

Wie jedem Bär ein Hemd

Alaaf Helau und Ho Narro

Wer gern verliert

Bleibt länger froh

Frage Herrn Tur Tur

*

„Sind Sie jetzt ein Sarkastiker geworden?“

„Niemals! Noch nicht mal ein Zyniküsser!“

„Was dann?“

„Gedanken ein und ausatmender Pelzphilosoph und Märchenerzähler!“

„Mit! Bevor ich es vergesse. Mein Lieblingszitat heute vonne Kommentatarin: ‚Das Ausscheiden können wir uns inzwischen an fünf Fingern ausmalen!‘ Lingua germanica di televisione fantastico! Uff und Weia!“

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Hinterm Hof ist Reimen vor Ort / 05

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„Wir müssen hier raus!“

„Mahler? Können Sie Fahrrad fahren?“

„Eher nicht! Und Sie, Budnikowski?“

„Mein Bär! Ziehen Sie doch gelegentlich die Länge meiner Beine in Betracht! Warum, by the Weg, müssten wir hier raus? Da wir zweimal logen?“

„Ach nee. Dann wäre die Welt ja seit langem im wesentlichen vom Aufrechtgeher befreit. Wegen der derzeit kursierenden Übertreibungen allüberall wäre es mal!“

„Der Regen?“

„Der übertreibt auch dieser Tage. Endlich mal. Nein, ich wollte in der Kleinen Häßlichen Stadt in Mittelhessen mal den Verkehr versuchen!“

„Puuh! Wenn Ihnen dazu ein Reim einfällt, wasche ich Ihnen die Bodentatzen!“

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Rate den Rädern nicht

Sie rollen

Rate den Fragern

Einfach Verzicht

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„Genau! Ich bin auch schon ganz empört. Ich soll in fünf oder auch mal drei Jahren in der Kleinen Häßlichen Stadt in Mittelhessen meine Karotten dreiundsiebzig Meter weiter links kaufen müssen sollen!“

„Wenn Sie dazu reimen, entgilbe ich eigenhändig Ihren Körperbewuchs!“

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Man flucht vom Verschwinden

Die Winde sie winden

Gemach und dann schneller

Das Morgen bleibt dunkel gern

Doch manchmal auch heller

Man lutsche stets des Pudels Kern

Und balle dann die Faust

Nicht zu früh

Vergeb’ne Müh‘

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„Budnikowski?“

„Mahler?“

„Ich sage nichts!“

„Das wollte ich sagen!“

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Hinterm Hof ist Reimen vor Ort / 04

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„Jetzt, bester Bärengenosse, lügen wir weiter und sogar doppelt!“

„Wie bitte?“

„Ja eben weil die Sonne gar nicht scheint und heute nicht das unlängst versprochene Morgen ist, an dem wir dann weiter lügen würden wollten!“

„Hasenpompel und Chefkritiker, selbstredend richtig Sie sind!“

„Jedoch?“

„Wurscht es ist. Könnte eben nicht die Sonne durch einen Spalt gelugt?“

„Das glaubt uns doch keine Karotte, Mahler!“

„Der gemeine Aufrechtgeher verwechselt die Welt mit seinen Ängsten. Da sollten wir ausscheren!“

„Nach rechts oder links?“

„Hase, am besten geradeaus. Dabei darf man natürlich Haken schlagen!“

„Sie sprechen mit einem Fachkaninchen!“

„Sag ich doch!“

„Und noch mehr Regenberge rollen an! Nur ein Wort dazu!“

„Klug mit den Verlusten leben, statt stets im hohen Tone zu moppern!“

„Das ist doch geklaut, Herr Pelzphilosoph!“

„Was denn nicht, Löffeldenker?“

„Her mit dem Reim!“

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Was denn nun ein Sommer ist

Auch wenn der Himmel ständig pisst

Wer will es wissen kann es sagen

Blick zum Himmel statt zu klagen

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„Aha! Da hat der Prediger in Ihnen wieder zugeschlagen. Gibt es eigentlich auch eine Kirche der Bären?“

„Wäre eine Idee! Ihr Reim bitte!“

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Auch wenn der Himmel nicht richtig himmelt

Wichtig ist daß die Karotte nicht schimmelt

Deshalb lieber früher ernten

Und vor den Blumen zieh den Hut

Alles Wasser fließt bergab

Auch wenn sich das nicht reimt

Neue Ernte keimt

Oder auch nicht

Dies wäre mein Gedicht

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„Budnikowski!“

„Ich höre?“

„Hut gezogen!“

„Seien Sie bedankt, Mahler!“

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Hinterm Hof ist Reimen vor Ort / 03

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„Mahler! Dieses Bild lügt!“

„Budnikowski! Alle Bilder Lügen!“

„Aber es regnet Katzen und Hunde derzeit!“

„Wenn, mein Gudster, regnet es Hasen und Bären! Zufällig wie immer!“

„Hä?“

„Lesen oder hören Sie!“

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Ene mene muh

Die eine Tür fiel zu

Die andere Tür blieb offen

Kann man weiter hoffen

Auch falls der Regen prasselt

Und manchen Plan vermasselt

Ich bleibe froh

Der Pelz bleibt trocken

Bären brauchen keine Socken

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„Ein bisserl wirr, mein Freund und Bär!“

„Ist so beabsichtigt! Brauche nach langer Zeit wieder einen Potzrembel – Tag!

„Genehmigt! Na dann nun ich eben!“

*

Zufällen finden Stellen

In den Plänen dicke Dellen

Wo man sich so sicher war

In jeder Suppe schwimmt ein Haar

Und der Regen fällt

Arme schöne Welt

Tag für Tag

Ich habe nichts dagegen

Regen

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„Das ist schön. Da freut sich der Ehrenwerte Ernst Albert!“

„Man muß gelegentlich dem Auftraggeber eine Referenz erweisen!“

„Sehr ehrenwert, Freund Budnikowski!“

„Morgen, Mahlergenosse, lügen wir weiter. Gelle!“

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Hinterm Hof ist Reimen vor Ort / 02

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„Und jetzt, Mahler?“

„Budnikowski! Bißchen Schutz ist immer gut!“

„Weil es eben regnete?“

„Genau so habe ich mir das gewünscht!“

„Und was ist mit unserem Auftrag?“

„Die dicke Lippe wird heute 80!“

„Na dann legen Sie mal los in Sachen Reim!“

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Ein bißchen Schutz ist immer gut

Wenn’s regnet niemals ohne Hut

Ein Schirm ist auch kein Freifahrtschein

Man kann nicht ständig trocken bleiben

Beileibe nie

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„Und wer reimt jetzt konkreter über die dicke Lippe?“

„Der, der fragt, bester Budnikowski!“

„Warum?“

„Sie haben seine Figur!“

„Ehrlich? Na dann!“

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Alles bleibt und wird mal älter

Hüpft halt rum und

Gimme shelter

Von mir aus kann es immer regnen

Solang wir uns begegnen

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„Hase!“

„Ja?“

„Gefällt mir!“

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