Als Budnikowski der Teppich auf den Kopf fiel, weil vorgeschriebene Flughöhe vernachlässigt ist

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Das war also geschehen. An einem Waldrand zwischen Kinzenbach und Heuchelheim liegt, erschlagen von einem Teppich, unser Herr Kuno von und zu Lippstadt – Budnikowski. Recht geschieht es ihm! Ist er nicht derjenige Hase, der es wagte – spätestens nach der 113. Minute des vergangenen Jahres – sich von der ganzen elenden Pöhlerei loszusagen? Jener, welcher ohne um Erlaubnis zu fragen einfach die Seite wechselte? Jener, der sein seit Jahren wachsendes Unwohlsein am immer perverser werdenden „Wir sind des Volkes Spor(t)t“ nicht mehr aushalten wollte und konnte und der stetig keimenden Langeweile am allgemeinen Götzendienst freie Fahrt gewährte, um sich schließlich einfach wegzudrehen? Verdammt sei er, der elende Renegat! Wo kommen wir denn da hin? Am Ende singt Bob Dylan noch Lieder, die einst Frank Sinatra interpretierte. Konstanten, mein Herren, Konstanten. Da liegt er nun auf der Nase, unser Hase.

Archibald Mahler hatte Tränen in den Augen. Der Nordost drückte gegen seinen Rücken und jagte Bär, Teppich und Wolken vor sich her und man querte in wilder Fahrt die Grenze zwischen Niedersachsen und Hessen. Das flache Land hügelt sich ja hinter Göttingen sukzessive auf und so wurde die Luftfahrt entsprechend rauher. Über Schleswig – Holstein und die Heide war man noch recht geschmeidig gehuscht – sogar unter Berücksichtigung der Tatsache, daß Mahler ein absoluter Anfänger ist. Dann über Hessen Luftloch an Luftloch und der Turbulenzen ungezählte. Die Augen des Archibald Mahler tränten heftiger. Der stärkste Rückenwind nimmt leider nicht den Gegenwind von der Stirn. Und weil der Bär weniger und weniger sah, lenkte er seinen Teppich gehörig tiefer. Oder war nur der Tank schneller leer geworden? Die Tankanzeige defekt? Remember: Anfänger! Egal! Das Fluggerät und der langsam erblindende Pilot (Na ja!) sinken und sinken gegen hessische Wälder hinab. Und dann – zwischen den Rändern einer aufkommenden Verzweiflung und der ordentlich defätistischen Bereitschaft alles – Teppich, Leben, Teppich, Gesundheit – hinzuschmeißen, hat der Bär eine Vision. Da unten am Rande eines Waldstreifens, der ihm sogar bekannt vorzukommen scheinen mochte, steht ein Hase und blickt hinauf zu ihm. So gut wie erblindet zieht Mahler an den Teppichfransen und begibt sich in den Sinkflug. Die Schneise ist eng, aber es paßt gerade so. Hing an dieser Buche linker Hand nicht ein Hinweisschild, welches eventuell eintrudelnde fliegende Teppiche schländlelike darauf hinwies, die unbedingt einzuhaltende Flughöhe und so weiter. Der Rumms?

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Als Budnikowski der Teppich auf den Kopf fiel, während er Ausschau hielt wg. einer Rückkunft

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Wie konnte das geschehen? Mahler hilflos im Geäst, während unangenehme Minusgrade durch das kalte Geäst schleichen? Der Kopf nach unten, blutgefüllt, starrer Blick auf kahlen Februarboden und der Pöter gen grauen Himmel gereckt? Hilflos! Da hilft kein noch so hilfloses Lied. Aber Mahler jammert nicht. Wer Mist gebaut hat, sollte nicht klagen! Aber hat Archibald Mahler denn wirklich Mist gebaut? Möglich. Mahler ist kein erfahrener Teppichpilot. Da kann schon mal was in die Hose, beziehungsweise in einen im Weg stehenden Baum gehen. Aber, wie gesagt, wer Mist baut, sollte die Schnauze geschlossen halten und einfach nur atmen, durch die Nase. Ist im Winter meist gesünder. Sprach der Opa oder die Oma. Und: von Mitleidsbekundungen aller Art bitte Abstand nehmen, weil wer Mist gebaut hat, hat Mist gebaut. Projektionen eigener Hilflosigkeit auf fremde Opfer retten die Welt auch nicht, die sowieso nicht gerettet werden will, sondern bewegen sich nur in den masturbativen Grauzonen einer meist sehr fragwürdigen Reflex – Empathie. Hoch und runter und wieder hoch etcpp. Zurück zu Mahler: Wie konnte das geschehen? Was ist hier passiert? Experten, selbsternannt oder angeschwemmt, können in diesen Zusammenhang leider nicht gehört werden, da sie vor wenigen Sekunden auf Anweisung des Ehrenwerten Herrn Ernst Albert standrechtlich geknebelt wurden. Zurück zum Bär. Der Mahler, der weiß es selbst nicht. Er weiß noch nicht einmal, wo er sich gerade befindet. Gewiß, das ist das Geäst eines Baumes, das spürt sein Fell. Aber die Koordinaten? Längengrad? Breitengrad? Wieviel Stunden rechts? Wieviel Minuten links? Sekunden? Weia!

Budnikowski, Freund und Hase, Ex – Pöhlerei – Fachlabbertasche und Fanman, momentan aber wieder mal ohne weiterführendes und klar definiertes Aufgabengebiet in Sachen Blicke auf den Planeten Aufrechtgeher, gewiß jedoch ungern alleine, hatte sich vor die Tore der Kleinen Häßlichen Stadt in Mittelhessen begeben und hielt Ausschau. Der Wind wehte bös und böig aus Nordost, das wärmende Gestirn jedoch schien eifrig und verhieß mehr Licht und das gelb – weiße Fell des Langlöffels meinte sogar eine wachsende Intensität der Genossin Sonne verspüren zu dürfen. Ok! Spekulation und Wunschdenken, die alten Brüder im Schweiße, welche noch nie einen Abstieg verhindert haben. Denn, wer Mist gebaut hat, hat Mist gebaut und so weiter und dann fort. Budnikowski mag das Stückchen Hochebene über Kinzenbach sehr gerne, denn immer pfeift dort der Wind und sein Blick schweift hinterher erfreut. Gefährlich zwar für kleine Hoppler ist das Getöse auf der nach oben offenen Beaufortskala, aber gegen einen Baum gelehnt, ist Überleben möglich. Und dann tut es den Rumms und Budnikowski wird es ganz anders. Der Himmel stürzt herab. Wie konnte das geschehen? Weia!

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A. Mahler macht sich selbstständig / Ankommen, um zu gehen und der Teppich nicht zum Gebet

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Es war seine Nase, die Archibald Mahler weckte. Vertrauter Geruch. Ernst Albert? Es zieht. Die Türe eines Hotelzimmers steht offen. Mahlers Blick fällt auf den nächtlichen Zettel. „571. Herr E. Albert!“ Auf der offenen Türe steht? Erraten. Der Bär fasst sich an den Kopp. Der ist noch nicht ganz in den Tag eingetreten. „Ich Dummbatz aber auch!“ Man hätte eine gemütliche Nacht im und nicht vor dem Zimmer verbringen können. Wobei, nach einer Premierenfeier gibt der Herr Albert im Schlaf meist fürchterliche Geräusche von sich. Archibald Mahler huscht in das Zimmer. Leer. Fast. Was er sieht, lässt ihn erbeben. Nun ja, das ist doch etwas übertrieben. Er staunt. Da sitzen also der Anderbär vom Feldberg, der Schatten seiner selbst und Herr Archibald Mahler in persona pelzis ursorum und betrachten sich gegenseitig. Wer war aber zuerst da? Wer ist überhaupt wer? Sind alle nur einer? Oder ist keiner, der der er sein könnte, wollte oder ist? War Mahler gar die ganze Zeit hier oben in Kiel gewesen, während er noch dachte zu reisen? Träumt er schon oder ist er noch wach oder andersrum? Der Bär, der nicht da war und trotzdem schon da ist. Immer schon war? Es noch werden muß, um zu sein? Das Buch? Diese Geschichte wollte er doch erzählen. Gemeinsam mit Herrn Albert. Für den Musentempel. Jetzt fällt es ihm ein. Er muß nach Hause. Mittelhessen. Sofort.

Man muß anmerken, daß der Herr Archibald Mahler sich noch immer im Zustand der Mittellosigkeit befindet, er eigentlich auf der Flucht und er sich zudem – hinten rum – in ein Hotel rein geschlichen hat. Und das in einer Zeit, wo das Reiche die Zäune immer höher zieht. Gefahr. Dann liegt da dieser Teppich. Es ist ein Original – Gebetsteppich. Der reisende Muselmane hat so was im Koffer. Erschrecken! Ist der Herr Albert jetzt ein Konvertit geworden? Weia! Aber hat man nicht schon in alten Geschichten gelesen, daß ein solcher Teppich manchmal ein Fluggerät sein kann? Einen Versuch ist das immer wert. Mahler nimmt Platz. Wie startet man so ein Ding? Gibt es einen Anlasser? Muß man einen Teppich volltanken? Und wenn, wo? Hat das Teil noch TÜV und wo ist die Plakette? Welcher Flugschein ist gültig und wer erteilt die Starterlaubnis? Da gibt es doch diese Zaubersprüche. „Allah ist groß, Allah ist mächtig ohne Hut!“ Nichts. „Mekka, Mokka, Magenbitter!“ Nichts. „Heil’ger Vorwerk, Deine Gnad‘ ich erbitt‘!“ Nichts. „Je suis Archibald!“ Der Teppich hebt ab. Und die Winde wehen von Nord gen Süden. Gute Reise, Bär! Wir warten!

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A. Mahler macht sich selbstständig / Denkmal

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Dann dreht sich Archibald Mahler um. Da steht es. Das Abbild seiner selbst. Kalt und freundlich grinsend. Ein Schneebär. Fünfzigmal so groß und hundertmal so schwer. Und Mahler – oben auf dem Denkmalkopf mit kaltem Pöter – denkt, warum wohl ein Denkmal Denkmal genannt wird und ein Mahnmal Mahnmal, wo das Denkmal gerne Potentaten und von „Völkern“ oder „Vertretern“ gehuldigte Kriegsverbrecher auf Pferde oder Sockel setzt zur geflissentlichen Anbetung und das Mahnmal nicht enden wollende Listen des Schreckens in den Beton meißelt. Wäre es da nicht sinnstiftender die Sieger feiernden Denkmäler umzubenennen in Mahnmale – Friede den Hütten etcppp – und die Mahnmale dann? Genau: Denk einfach mal nach! Aber darum geht es nicht, wenn der eigene Arsch auf dem Kopf einer Monsterkopie seiner selbst friert und zittert. Und Archibald Mahler dreht sich noch einmal um. Das Hotel da hinten am Ende des Ratsherrengarten. Yes! Genau.

Wie sieht das bitte aus, wenn ein kleiner Bär – mittellos und mit Schneekristallen am Pöter – versucht sich an der Rezeption eines nicht ganz billigen Hotels vorbei zu schleichen. Mahler ist kein Blender. Oder soll er forsch die Damen am Empfangstresen darauf hinweisen, daß der Ehrenwerte Herr Ernst Albert ihn seit Wochen erwartet und zackzack dann bitte gerne? Nein! Also surft der Bär durch die Dateien seiner Erinnerungen und da war doch der Hintereingang durch die Tiefgarage, die Abkürzung Richtung Musentempel, die man vor jenen vier Jahren gerne mal nahm. So war’s doch. Jetzt noch ein wenig warten und frieren und dem schrillen Gesang der Möwen zuhören und sich freuen, weil es schön ist, wenn man ankommt und was wiederfindet, wie zufällig auch immer. Und jetzt los. Hinten rum.

Nachts, alleine in den Fluren eines Hotels. Man mag gerne glauben, die meisten Gäste tun nur so, als ob sie schliefen. Die Stille mag man greifen können, aber die Nase des Bären spürt dieses nervöse Vibrieren. Insomnia atmet durch die mit Chipkarten gesicherten Türen. Von der sensiblen Nase des Bären hatten wir an anderer Stelle schon oft gesprochen. Ernst Albert ist hier. Das riecht der Bär. Oder war hier. So genau ist die Nase des Bären dann doch nicht. Ist das Ziel erreicht? Morgen das opulente Frühstücksbuffet? Egal. Angenehm die Nacht trotz allem, denn im Hotel sind selbst die kargen Flure beheizt. Und wie! Der Bär wird müde. Da liegt doch dieser Zettel. Es ist so warm. Bär,  lies doch, was da auf dem Zettel steht. Archibald Mahler schließt die Augen. Das hat – meistens – Konsequenzen.

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A. Mahler macht sich selbstständig/Zimmermann

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Morgen wird der Herr Archibald Mahler sich umdrehen. Obwohl, eigentlich doof diese permanente Gesternerei. Jedoch: ein beheiztes Zimmerchen ist schon angenehm. Im Norden fällt weiterhin Schnee. Archibald Mahler würde jetzt gerne Lieder aus des Herrn Zimmermann Zitatenalbum hören. Das Werk ist zwar in Mittelhessen hinterlegt, aber der Bär ist ungeduldig Also denkt er: Link doch mal! Pustelfluchen und die Nachricht: „Dieser Beitrag ist in Schland nicht verfügbar, da er Gedanken enthalten könnte, über deren Verwendung wir uns mit der GEMA (Gibt Eine Mutti Alles?) nicht einigen konnten.“ Mahler zittert, aber friert nicht, obwohl er es gerne täte. Zur Not lacht er leise vor sich hin. Mit kaltem Pöter.

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A. Mahler macht sich selbstständig / Landkarten

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Da haut der Budnikowski ab so einfach, hinterlässt Hinweise kryptischer Art und Ader, wütet und ist weg von der Förde. Der weiße Kuno weicht, ihm folgt der „Weiße Kurt“ und lässt es ordentlich schneien im Norden. Der Archibald Mahler liest heute daraus noch keinen Hinweis, er sitzt am Museumshafen in Kiel, war da schon vor Jahren, erinnert sich nicht mehr und es ist kalt und er surft so mal in einem öffentlichen und kostenfreien Handkommunikationsgerät älterer Bauart auf der Suche nach Anstößen, als eine Bildnachricht aus Mittelhessen ihn erreicht. Aha! So so! Der Grund der schnellen Abreise des Herr Budnikowski ist des Herr Zimmermann neue Platte. Im Anhang gleich die passende Besprechung. Der Bär liest und friert nicht mehr ganz so toll. Genau. Besser hätte ich es nicht ausdrücken können. Und er denkt zu meinen, wenn er sich jetzt umdreht und dann nach rechts oder links schaut? Vielleicht! Denn da hinter seinem Rücken, da war er doch schon mal. Hat er selbst das Lied oder hat es ihm wer vorgesungen? Gewiß, die Landkarten für die Seele. Man muß einfach loslaufen. Irgendwohin.

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