Bemerkungen auffem Weg zum Draht nach oben

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(Wenn sich der Boden unter den Füßen öffnet, Abgrund grüßt – und sei’s nur im Kopp – zieht oder zog es, einst zumindest, viele in Richtung OBEN in der Hoffnung auf Antwort, Hinweis oder wenigstens Trost. Manche in vollem Bewußtsein des Vagen und der Abwesenheit letzter Erkenntnisse, andere schon am ersten Treppenabsatz blitzerlöst. Der Rest betet zu den Wissenschaften, die mit siegessicherem Grinsen ihre Satelliten ins ätherbehauchte Oben schießen, um dann Behauptung auf Behauptung (Ausgabe letzter Hand) aufs sensationsgierige, erlösungsgeile und maulaffige Volk niederregnen zu lassen. Erst nagelt man den Nazarener fest und dann die Thesen an die Tür. Upps! So kann man sich täuschen. Jedenfalls hatte die Sonne einen Hilferuf abgesandt und Mahler sowie Budnikowski saßen deshalb auf einem Baum nahe des Launsbacher Sees. Flora und Fauna atmeten eine zittrige Stille und viel furchtsame Erwartung, nur der Aufrechtgeher jagte seine Blechkisten unermüdlich über den in der Nähe sich befindlichen Betonring. Richtung letzte Ausfahrt.)

„Budnikowski, uns fehlt die Nähe!“

„Näher ran müssen wir?“

„Höher!“

„Noch höher! Mir schwindelt!“

„Ja höher noch, doch nicht zu nah. Es schmilzt das Wachs, die Flügel fallen und man stürzt – die bitteren Zähren des Vaters im Ohr – hinab in den Teich!“

„Vor den Vätern sterben die Söhne?“

„In diese Richtung wehen wieder die kriegerischen Winde! Sehen Sie den Mast dort?“

„Mahler, das ist jetzt nicht Ihr Ernst!“

„Lassen Sie es uns zumindest versuchen. Mir ist schrecklich kalt! Nach OBEN, weiter, näher, hoch!“

(So besteigen Mahler und Budnikowski den Mast einer Überlandleitung, Drähte surren und singen von kalter Luft ummantelt, unten auf den Pisten wird gewuselt und die Sonne macht sich daran vom blechernen Himmel zu steigen. Schwäne versammeln sich. Vöglein schweigen. Warte nur, balde.)

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Bemerkungen, nachdem die Sonne des Mahler Anrufbeantworter besprochen hatte damals

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(Die Sonne hatte dem Herrn Mahler eine knappe Nachricht auf dem AB hinterlassen: „Hallo, Sonne hier, nur kurz, ich hab‘ keine Lust mehr meine Pflicht zu erfüllen, für Dich nicht und überhaupt, ist mir alles zu kalt da unten, soll von mir aus Jupiter. Ach und sagen Sie dem Budnikowski Bescheid, der macht ja seine Mailbox nicht aktiv, das Langohr. Bis die Tage … äh Verzeihung … falsche Lustigkeit. War nicht beabsichtigt. Tschühüß!“. Und aufgelegt war der Hörer und also herrschte Gesprächsbedarf.)

„Mahler, wie kommt so ein Licht eigentlich an das Ende des Tunnels. Geht das durch die Röhre, macht sich da unsichtbar und hinten oder vorne, wie man will, wird wieder geleuchtet?“

„Am Anfang war das Licht! Aber das ist heute nicht unsere Frage. Sie erreicht doch nie jemand! Tun Sie was!“

„Weshalb? Ich höre Ihnen doch dienstbeflissen zu.“

„Ja, aber wenn Sie nicht da sind!“

„Was ist denn das für ein Blödsinn!“

„Das nennt man nachhaltige Erreichbarkeit. Es werden Kommunikationskletten hinterlassen, auf Grund deren Existenz und vor allem auf Grund der Wahrnehmung oder zumindest ansatzweiser Registrierung ihrer Existenz neues Gespräch wächst und mehr!“

„Mahler, das haut mich aus den Puschen. Da fällt mir glatt der Eierfärbepinsel aus der zittrigen Pfote. Sie plötzlich als Apologet plastikbeutelleerer Moderne?“

„Heute wäre es wichtig gewesen! Die Sonne hat keine Lust mehr und Ihre Mailbox ist nicht aktiviert!“

„Ich weiß halt nicht, wie das geht!“

„Aber die Sonne!“

„Streikt die jetzt auch? In Baden – Württemberg bauen sie seit Tagen keine Bühnenbilder mehr auf!“

„Schön, da ist der Kleinhesse ja zu feige zu. Aber egal. Bei der Sonne ist es fundamentaler! Die will sich das Elend nicht mehr anschauen, geschweige denn es befeuern!“

„Verstehe ich gut!“

„Doch mir ist nach warmen Pöter, Potzrembel noch mal!“

„Grauenhafter Egomane! Aber auch hier verstehe ich gut! Müssen wir eben die Sonne besuchen und mit ihr sprechen!“

„Budnikowski, Ihr Pragmatismus in allen Ehren, aber wie soll das bitte gehen?“

„Erst mal näher zu ihr! Mein Gott! Bewegung!“

(Mahler und Budnikowski bald darauf auf einem Baum. Spitzbübisch hochgeleitert. Bären sind ja als leidlich gute Kletterer bekannt, aber Hasen und Höhe! „Heikel, heikel!“, sprach da der Mond über Wanne – Eickel und schob sich vor die Sonne. Die Schatten wurden kalt und eine stille, blaue Schärfe legte sich auf Flur und See.)

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Bemerkungen am Rande unbegrenzter Röhren

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(Jetzt war wieder Licht. Lang war’s finster. Am Ende der Röhre dann Licht. Erzählt man gerne. Da steckt wer im Tunnel, aber wenn er – Gottvertrauen nicht vergessen! – artig weiter strampelt durch die – gottgegebene – Finsternis, ja dann erreicht er am Ende der Röhre – nun neige Dein Haupt, Undankbarer! – ja dort erwartet ihn das Licht. Am Ende jeglichen Tunnels, so sagt man – über den gefalteten Händen das gütige Nicken nicht vergessen! – da wartet auch auf Dich, der Du den Göttern blind, denn finster ist es im Tunnel, vertraust, ja ja ja dort scheint es nur für Dich zum Ende hin das Licht. Nun gut, erzähl das mal einem Griechen! Oder einem Krebskranken! Oder dem Trainer des HSV! Wie auch immer: Mahler und Budnikowski am anderen Ende einer Röhre, die für die einen Beginn und die anderen so weiter. Wie auch immer! Hören wir zu!)

„Mensch Mahler, ich erinnere gar nicht mehr an nichts!“

„Mensch Budnikowski, es war ja auch dammich finster da hinter uns da hintern!“

„Mensch Mahler, aber trügt mich diese schreckliche Finsternis vor uns nicht und kommt es noch undurchdringender?“

„Dringlicher!“

„Ja, die Katastrophen haben es eilig diese Tage!“

„Budnikowski, wenigstens sind jetzt die Fragezeichen fort!“

„Wenn Sie sich da nicht täuschen! Soviel Zweifel war selten!“

„Ich meine die zeitweilige Dekonstruktion unserer Seite der Bemerkungen!“

„Ach ja, natürlich! Endlich! Mahler, wo waren wir noch?“

„Wir hatten gereimt! Dann rief man nach mir und ich ging!“

„Müssen wir zurück in die Finsternis? Wegen der kompletten Erinnerung?“

„Wahrscheinlich! Hinter uns die Finsternis, die vor uns liegt!“

(Der Mond schob sich zwischen Erde und Sonne an diesem Tag. Mahler und Budnikowski saßen an einem der Enden einer Röhre und blickten in die sich halbierende Sonne, mittenmang rein. Die können das. Ätsch, ihr Aufrechtgeher, quatsch, ihr verpimpelten Krummgermanen! Und blinzelnd fiel Ihnen wieder ein, was zu erzählen war! Und wem!)

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PoesieSlambum revisited / Zwischenbemerkung

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„Herr Budnikowski, zwei Bemerkungen!”

„Und die Frage, warum die Herren, die in der Hauptstadt sitzen und die Optik unserer Gedanken verwalten, unsere Worte mit diesen scheußlichen Fragezeichen zerschossen haben vor über Wochenfrist.“

„Budnikowski, man hat Proteste hinterlegt, aber es wird geschwiegen! Beharrlich!“

„Die Servierer sind wahrscheinlich dabei aufdatiert zu werden. Oder so!“

„Das Positive! Wir sind im Fluß!“

Reime in die Welt pflanzen?

„Jawoll! Wir sind voll im Strom!“

„Als hätte man es geahnt!“

„Glückwunsch, Herr Wagner! Ihr Sternchen!

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PoesieSlambum revisited / nach Steputat S. 189

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(Herr Ernst Albert war es, der gerufen hatte. Selbstredend ist der Mahler sofort aufgestanden – Pflichterfüllung – als er die Stimme seines Herrn und Auffinders vernahm. Verschwiegen werden darf an dieser Stelle aber nicht, daß er dies mit weithin hörbarem inneren Murren tat, war er doch gerade dabei zusammen mit Reimkumpan Budnikowski einen Vorschlag der Seite 189 des Steputat’schen Werkes zu beackern und zwar zu Ehren des vor wenigen Tagen dahingegangenen – auf wahrdeutsch an allgemeinem Organversagen implodierten – W. Wuttke, womit sich die Gelegenheit ergab sich zum wiederholten Male darüber wundern zu dürfen, daß der allgemeine Homo aufrechtgeherus diejenigen, die ihre Hauptaufgabe darin sehen das Leben anderer zu zerstören, hocherfreut und untertänigst mit Orden, Gedenken und Boni bewirft, während er die armen Clowns, die sich die Selbststörung als Lebensziel gesetzt haben, mit Vorwürfen, Ausschluß und falschem Mitleid (dies gerne an den noch offenen Gräbern) belohnt. Doch dann kam der Ruf und übrig blieb ein Fragment.)

an den rändern noch offener kisten

sie besingen dein gespenst

stell dir vor du begännst

von neuem

wer wird sich freuen

alle

und dann keiner

wenn du wieder brennst

vor… (hier bricht der text)

(budnikowski UND mahler anno 2015)

„Sie haben gerufen, Herr Albert!“

„Ja, das habe ich, mein kleiner Freund!“

„Ich bin nicht klein. Ich war ganz selbstständig jetzt. Bis an die Förde habe ich es geschafft. Und zurück. Und wer war nicht da?“

„Ja, ich weiß. Verzeih mir bitte! Ich war in letzter Zeit oft nicht da, hier nicht und –  (Hier bricht er ab.) – eher! Weiß es selber nicht!“

„Jammern Sie nicht rum! Sie haben mich beim Dichten gestört. Was ist Ihr Begehr?“

(Dann wird getuschelt. Der Bär denkt. Nach einer Weile. Sind wir präzise: nach einer sehr langen Weile, ein leises Potzrembel! als Zeichen der Zustimmung. Anschließend Auftritt die Wunderbare Pelagia und der Teure Budnikowski, der leicht indigniert noch auf Grund einer Störung. Begrüßungen und man macht sich auf den Nachhauseweg.)

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PoesieSlambum revisited / Steputat S. 85 & 168

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(Und im Tal schwollen die Bäche an und oben am Hang nahm der frisch gefallene Schnee sich Zeit, um zu verschwinden. Den Herren ward kalt geworden beim Sinnen über das jetzt auch nicht mehr nur taufrische Jahr. Kalt am Pelz, aber auch kalt in den Innereien. Im Hirn erst recht. So blieb der Schnee auf den Freiluftpoeten liegen. In kleinen Dosen zwar, jedoch sicht – und nachweisbar. Dieses sei aber nicht Grund – wie es der Alte aus HH – Langenhorn gerne wiederholt – die Pflichten, und dieses in Gelassenheit, zu erfüllen. Muß man deshalb die „Selbstbetrachtungen“ des Marc Aurel lesen? Warum nicht? Wenn es dem Alten geholfen hat. Erst jedoch der Reim.)

„Budnikowski, ich funktioniere heute nur eingeschränkt. Gehen Sie bitte voran!“

„ABC, die Katze lief im Schnee!“

„Wie meinen? Kinderreime?“

„Warum nicht! Herr Zimmermann tut es auch ab und an! Statt Malen nach Zahlen: Reimen nach Ziffern!“

„Werden Sie jetzt Kabbalist? Oder Hells Angel? Wißmar ist ja nicht weit. 81? 161? 2121, oder was?“

„Nee. Addieren der Ziffern der Reihenfolge der Buchstaben im ABC. Zum Beispiel Schneefall ist gleich fünfundachtzig.“

„Ach so! Sehr schön! (A.M. denkt nach. Ordentlich lange. Er hat die Rechenstunden auch meistens am Bach beim Lachse fangen absolviert. Bis dreizehn kann er zählen. Mehr geht nicht rein in den Wanst pro Tag. Aber dann:) Einhundertachtundsechzig!“

„Was ist das denn?“

„Severin Freund!“

„Sehr gut! Der Schnee der letzten Woche! Springen wir!“

Am Hang der eig’nen Nichtigkeit

Lebenslang nur Lobgesang

Wiege Dich nicht in Sicherheit

Schon schläft und schnarcht der Schaffensdrang

Sonnt sich in Selbstgefälligkeit

Der Pflichten Liste ellenlang

Jenseits aller Parteilichkeit

Ein halbwegs aufgerichtet’ Gang

Auch auf dem Weg zur Örtlichkeit

`S ist von Belang nur Stetigkeit

Ansonsten saust der Bumerang

Und donnert Dir direktemang

Ans Hirn Oh Überheblichkeit

Da hilft auch keine Trunkenheit

Ein Hoch auf die Vergänglichkeit

Aus tausend Kehlen Abgesang

Verriegelt ist der Notausgang

Und dies schon lang Seit seinerzeit

Am Hang der eig’nen Nichtigkeit

(budnikowski UND mahler  °2015)


(Die Sonne zeigt Wirkung. Ist ja auch schon März. Mittlerweile. Und die Reime wärmen von innen her. Aber die Pöter zumindest bleiben kalt. Ziele werden gerne erlitten. Dann ruft jemand nach Archibald Mahler. Archibald Mahler steht auf und geht.)

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