Die Andere Reise / Ein Bär spielt gegen sich

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Vielleicht betrachte ich eben einen Film. Oder sehe ich auf ein Plakat? Ist es nur ein Brief? Werbung? Dann der schlimme Gedanke. Ich bin lediglich eine Figur in einem Spiel. Was ist es, worauf ich sitze? Die Kacheln? Das Muster? Kühler Grund, sagt mein Pöter. Auf meinen Pöter ist Verlaß für Archibald Mahler. Der ich bin. Oder? Die Kühle ist angenehm. Draußen donnert und blitzt es seit Tagen schwül. Doch jenseits dieser Feststellung, kann mein Pöter nichts an Antworten anbieten. Meine Koppschmerzen lichten sich, jedoch nicht der Wald meiner Zweifel und Verunsicherheiten. Bin ich Spielerleider oder doch Spielleiter? Der andere Bär auf dem Film / Plakat / Foto / Sonstwas: ist das ein Schiedsrichter? Zwei einander zugewandte Hirnende kämpfen und der Bär, was tut er da? Was hatte die Stimme in meinem Kopf gesprochen, als ich auf der Treppe lag, gefallen, gestürzt von Höhen, aber ohne Brüche? (Sind damit eigentlich die Brüche in der eigenen Biographie gemeint, die Außenstehende gerne als so fürchterlich interessant bezeichnen mögen, der Erleider selbst aber meist das Gegenteil erfährt? Nur eine der Fragen.) Die Stimme meinte wohl lediglich die Knochen. Bin ich am Zug? Früher mußte man Bahnsteigkarten lösen, um in die Nähe eines Zuges zu gelangen. Es zieht, das ist gewiß. Werde ich gezogen? Bin ich der Zug? Wohl steht eine Tür offen. Die Stimme hatte mir doch ans Herz gelegt, die Türe selbst zu öffnen, also selber die Türe, welche gemeint. Die Türe erscheint mir groß. Und außerordentlich schwer. Kein Grund für nichts. Ich atme dennoch schwer. Plus plus Plus iss Minus. Oder so ähnlich. So könnte man Jahre verbringen. Alle Jahre. Die restlichen Jahre. Bis der Bahnhof abgerissen wurde. Vielleicht ziehe ich lieber mal los. Besser iss.

Grübel Übel

Ach zum Teifel

Bauer zieht und Turm, der wacht

Zwischen Zügen ächzen Gleise

Und wenn die Nacht den Morgen winkt

Das Herz es sinkt

In Furcht und Zweifel

Zur Hölle fahr

Ich stehe auf

Bahnsteigkartenkauf

Gezogen werden

Wunderbar

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Die Andere Reise / Ein Bär fällt vom Himmel

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Das Folgende? Ich kann nur das berichten, was mir erzählt wurde. Und ein wenig davon, womit mich verschattete Erinnerung speist. Ich stürzte wohl, von woher, warum, wie, aus welcher Höhe gar, ein Schleier mir. Später berührte mich eine Pfote. Weiß? Weiß ich’s? Was mir daraufhin in schlichter Klarheit in mein Unterbewußtsein schlich: obwohl alle Handgreiflichkeiten der Pfote von hoher Professionalität geprägt waren, nie hatte mein abwesendes Ich das Gefühl Kälte oder den Drang nach rascher Abwicklung zu spüren, im Gegenteil: Sorgfalt, Wärme, eventuell gar Zärtlichkeit war das, was mein Pelz an die noch aktiven Teile meines Hirnes meldete. Offensichtlich hatte jener Jemand auch mit mir gesprochen. Nun gut ja, auf mich eingeredet. Mahnendes, Sorgenreiches, Kopfschüttelndes. Doch nichts in mir erinnert sich an Inhalte, lediglich ein Vorgang wurde konstatiert, ein Vorgang, der mich sachte zurückführte in selbigen Moment, aus dem heraus ich meinen Bericht versuche zu beginnen. So liege ich nun eine gute halbe Etage unterhalb des kleinen Baumes, den ich gestern noch überragte und mir ist, als sei ich Dädalus. Aber nirgends ein Zeus, der lacht, zürnt, kein empörter Aiolos, der mich vom Himmel blies, auf daß ich in den wütend schäumenden Fluten des Poseidon mein nichtsnutziges Leben aushauche, nein, ein kühles Treppenhaus, das von tiefer Stille widerhallt. Sei ich der Sonne zu nahe gekommen? Nein, hier nicht, gewiß. Mein Kopp brummt wie der Motor einer Harley – Davidson im Leerlauf, schreibt mir aber einige Worte, die durch schlafende Ohren in ihn gedrungen wohl, vor meine erwachenden Augen. „Gebrochen scheint mir nichts zu sein!“ Mich zu bewegen, ich wage es nicht. Das Abbe Bein jedoch, es schweigt und weiter spüre ich nichts von Besonderheit. Die Unterlage sehr hart, dies doch. Verweil in Ruhe, denn gebrannter Bär den Übermut besser meidet. Aber weshalb stürzte ich, fiel, stolperte, holperte, liege nun in Regungslosigkeit? Eine fremde Macht? Und jenes noch scheint man mir zugeraunt zu haben: „Die Türe? Aufstoßen muß Du diese selbst! Ein Geschwätz wird Dich nicht sattmachen!“

Langsam Stille

Atem tief

Knochen schief

Eingerenkt

Ins Gelenk

Mahler denk

Und harre

Warte

Auf der Stufe

Dieser harten

Und spüre

Die Türe

Den Hauch

Draußen leben

Ich muß raus

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Die Andere Reise / Ein Bär beginnt zu wachsen

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Ich bin größer als ein Baum. Zugegeben, der Baum ist ein kleiner Baum. Aber ich bin andererseits auch ein kleiner Bär. Das erste Mal in meinem Leben, von dem ich gar nicht weiß, wie lange es schon währt, bin ich größer als ein Baum. Dazu mußte ich nicht einmal wachsen. Wobei ich noch nie gewachsen bin. (Innen vielleicht. Aber da sind andere Geschichten verborgen.) Ich war so. Von Beginn an war ich, der ich bin, dieser Bär. Auch wenn ich mich nicht daran erinnern kann, wie ich wurde zu sein. Selbst als ich das Abbe Bein hatte, war ich weder größer noch kleiner. Wenn man mit dem noch Drannen Bein eine Messung gemacht hätte von unten bis zum Kopp, wäre da die nämliche Größe gewesen. Kein Vertun! (Innerlich war ich da bestimmt geschrumpft, das schon. Aber lies oben noch mal.) Und leichter war ich ohne Abbes Bein gewiß. Nein. Eigentlich auch nicht. Weil das zwar in Entfernung auf der Straße, genauer dem Brandplatz in der Kleinen Häßlichen Stadt in Mittelhessen, lag, jedoch rechtsmäßig weiterhin zu mir gehörte, auch in Sachen Gesamtgewicht eines kleinen Bären. Jetzt mag ich etwas schwerer sein, wegen der neuen Fäden, die mein Abbes Bein wieder dran halten am restlichen Bären. Jedenfalls blicke ich nun über die Wipfeln eines Baumes hinweg, spüre kaum einen Hauch, obwohl die Fenster im Treppenhaus offen gekippt sind und draußen singen die Vögel im Hinterhof. Man kann also auch als kleiner Bär so einiges erreichen. Selbst wenn der Weg nach unten führt. Ich werde das Gefühl nicht los, daß man mich beobachtet. Nein, nicht Du bist das, Herr oder Frau Leser. Da ist noch etwas. Was? Egal doch. Wenn man größer ist als ein Baum, kann man dann auch fliegen?

Zack Pack Dummer Sack

Nase hoch

Tatze krumm

Eben noch gescheit

Schon dumm

Zuviel Himmel übern Kopf

Stolper Holper

Armer Tropf

Tränen Schneuz

Rotes Kreuz

Tatü

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Budnikowski grätscht spät rein. Aber es passt so!

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Hömma hier an alle, die anne Apparaturen sitzen!

Der Mahler iss die Bonsaien am betrachten tun und meine Fehlerheit soll getz über den Zimmerman sein Geburtstach wat schreiben tun oder verfassen. Ja lüch ich denn? Da liech ich hier inne pofende Flachheit, weil dat neue Album vonnem Meister mich gerne erfreuen könnte, aber auch inne Schläfrigkeit duseln tun tut. Wat soll ich vermelden? Alle sindse sich inne Himmels am verabschieden, aber Herr Bobness iss am weitermachen. Die Beobachter und die Deterheringe schrauben sich die Weisheiten ausse Tasturen und huren sich auffe Spuren der Exegese rum, aber da jitt et nix zu luuren, weil innet Hirn kannse nich hineinblicken tun. So, getz iss der Blick auffe Uhr am Handgelenk und Damen und Herren: ich bin zu spät. Wie immer. Trost iss am Start. Dem Mahler sein Finder und Genosse vonne Erzählprinzipien iss morgen Liedlein am singen. Und Worte am reden. Also heute. Oder gleich. Happy Birthday! Getz muß ich mich mal ummen Mahler kümmern. Mit die Treppen hattet der nicht so. Da bisse schnell mal am fallen. Wie die Engels dat gerne tun. Ausse pure Lebensfreude heraus, bleib ich getz inne melancholische Verfassung liegen. Verneigungen gen Hibbing von hier.

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Die Andere Reise / Ein Bär gerät ins Rutschen

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Dann geht es schnell. Die Schwerkraft. Es zieht und rüttelt an mir. So rutsche ich hinab. Der Aufprall schmerzte, aber scheint notwendig gewesen zu sein. Bären verfügen nicht über Bremsklötze. Eher wirkt der Bärenpöter an sich beschleunigend. Das Fell sozusagen. Und ein mit Lachsschnittchen und Heidelbeertoast gütig und reichlich gefüllter Magen (Die Reise!!!) tut was dazu an Geschwindigkeit im Abwärts. So! Aber was geschah mit dem Gewächs dort vor mir? Da leicht unten vorne. Es scheint ein Baum zu sein. Sehr klein. Ich schreibe das Wort hin: Filigran! Eigentlich ein so kleiner Baum, wie ein sehr großes Gänseblümchen groß wäre. Ist das einer dieser Bäume, die in der Kälte entstehen? „Ich bin ein Bonsai!“ Weia und Potzbembel, das Ding spricht zu mir. Sprechen Gewächse? Die Ents machen das ab und an. Die können sogar weglaufen und gegen böse Mächte in die Schlacht ziehen. Aber mir ist nicht nach Schlacht, ich bin heute auf dem Weg nach unten und überhaupt: dieser Winzling? „Kümmer Dich um Dich und komm her!“ Was ich nicht antworte: „Jetzt wird es mir aber zu bunt, Herr oder Frau oder Dings Gewächs!“ Denn manchmal haben Überraschungen ja recht. Auf dem Weg nach unten muß ein Bär sehr vorsichtig sein. Meine Rippen schmerzen vom Aufprall noch. Ich atme einfach mal nicht? Auch blöd. Dann spreche ich. Laut und deutlich „Bonsai?“ „Ja, mein Herr?“ „Ich komm mal rüber!“ „Laß Dir Zeit, Herr Mahler!“ Oh, das Gewächs kennt meinen Namen.

Rätsel Brezel

Zosch Wusch Öttel

Gestern oben

Noch und droben

Heute unten und Gespöttel

Aufgewacht

Neuer Tag

Jemand spricht

Wer ist der Wicht

Der Magen schmerzt

Im Hirn kein Licht

Talstation

Kenn ich schon

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Die Andere Reise / Ein Bär ist verspätet

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Gestern war morgen. Oder schon hinter übermorgen. Aber es ist besser jenseitsmorgen aufzubrechen als gar nicht. Es ist ein schöner Morgen heute morgen. Aber eigentlich auch schon Mittag. Die Stufe, auf der ich nun sitze, ist wärmer als ich. Sagt mein Pöter. Mein Pöter widerspricht also meinem alten Traum. Jetzt sitze ich dennoch hier oben. Hier sitze ich jetzt oben. Mir schwindelt. Die Treppe. Das Treppenhaus. Große Worte. Weia und Potzrembel. (Sag doch als hessischer Bär bitte Potzbembel! Gez. Der Säzzer) Weia und Potzbembel! Wenn ich vielleicht nur Stufe um Stufe? Hinab. Dürfen Bären Angst haben? Mein Pöter, der … keine Details! Auch das ehemals und in kleinen Kreisen legendäre Abbe Bein des Archibald Mahler, der ich war, bevor ich im Treppenhaus Platz nahm, zittert vor sich hin. Die Stufen haben ähnliche Höhe, von mir aus betrachtet Tiefe, wie der Bär, der ich heute bin. Rechter Hand ragt ein Handlauf. Geländert sich schwungvoll gen unten. Bin ich nicht einst gerutscht? Mal gerutscht? Wo? Wann? Wie? Weshalb? Wohin? Wesentlich? Wahrhaftig? Tatzenunten von mir aus sehe ich einen Baum. Klein. Sehr klein. Wird er größer? Sollte ich? Versuchen!! Weia! Nein! Mist! Hilfe!!!

Helter Skelter

Auch Bären werden älter

Rutschen

Flutschen

Daumen lutschen

Wär ich

König

Von Deutschland

Oder anderswo

Der Pöter brennt

Der Bär ist froh

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