Planetenwellen / Erwachen und ein neues Buch

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Archibald Mahler war erwacht. Die Nacht, lang war diese gewesen. Wann und wo hatte er sie betreten? Keine Erinnerung klopfte an. Einen Blick in sich geworfen und er offenbart ein schwarzes Loch. Sauggeräusche durchhuschen die noch schlafenden Eingeweide. In den Ohren rauscht ein vergessenes Meer. Mondsichel klingt nach und dann, sie scheppert. Es ist Mahler als sei er in den letzten langen Wochen und Monaten einmal quer durch sich hindurchgewandert. Er blickt an sich herab und meint zu sehen, daß sich sein abbes Bein wieder vom Leib getrennt hat und herumliegt, orientierungslos. Einfach und so. Jedoch kein vernehmbarer Schmerz. Wo ist Budnikowski? Der kommende Tag lehnt noch etwas unentschlossen am Rande der endenden Finsternis. Ein Gähnen. Der Kopf ruckelt. Archibald Mahler versucht seine Augen zu schließen. Nichts bewegt sich. Dann summt der Bär. Vor sich und hin. Eine fremde Sprache. Diese Worte umschwirrten seinen Schlaf, nachtmahrig und einlullend zugleich. Sein Zunge rauh, der Gaumen von Enge trocken. Gerne würde er diese in Honig baden. Doch nichts weiterhin. Schwer hockt der Bärenpöter auf der klug und dezent erwachenden Welt. „If I cant please everybody, I might as well not please anybody at all.“ Genau. Oder? Das Folgende denkt der Bär in Klammern: (there’s but so many people an I just cant please them all). Aha, da liegt ein Buch. Der Ehrenwerte Ernst Albert ließ es liegen. „Nun, dann stelle ich mich der Aufforderung!“ Als der Bär sich nach so langer Zeit wieder sprechen hört, atmet er aus. Kalter Dunst wolkt vor seinem Gesicht. Frostige Nächte immer noch in der Welt. Doch der Bär mag dieses Kribbeln, welches übers noch schlafwarme Fell huscht. Bär schlägt das Buch auf….

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Wo das Schiff auch landen mag und eine Nacht

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Mahler und Budnikowski, die zwei Seiten einer Medaille – Verzeihung, oh Germanien der Athletenbeschauer – haben die (!) Mythos geentert. Wohin? Der Meltemi wird ihnen den Weg weisen. Und er wird sie gehörig durchschütteln. Wenn er bläst. Heute sitzen sie noch im alten Hafen. Andere Häfen werden folgen. Was sie da tun werden, wissen sie noch nicht. Budnikowski und Mahler, die Große Koalition der toten Pläne, geht jetzt erstmal einen Ouzo trinken. Man muß sich ja auch angemessen vorbereiten. Dann freuen sich Mahler und Budnikowski, die Innenverteidigung der Vergangenheit, auf das, was ihnen über den Weg schwimmen wird. Als erfahrene Hellenisten. Na ja. Oder sie studieren neue Schwimmwege. Die werden sie erfreuen. Und es wird länger als 72 Stunden am Stück warm sein. Na ja. Ab in die Nacht erstmal. Budnikowski und Mahler, die Glimmer Twins der ungelegten Tascheneier, haben einen im Tee. Ein altes Lied.

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Budnikowski zieht Schuhe aus (oder die es ihm?)

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Herr Budnikowski läßt mitteilen, daß er sich in seiner Klause recht angenehm befinde. Er mache der Welt weiter keinen Vorwurf, daß geschehe, was geschieht. Die Götter haben sich irgendwann für die Variante Aufrechtgeher entschieden. Manche behaupten die Götter hätten es in ihrem Kontrollwahn nicht ertragen, die Welt vor sich hinatmen zu lassen und so also ihre Nachgeburten auf den blauen Planeten gesandt, damit das altvordere Gemetzel auch ja kein Ende nehme! Also keine Klagen bitte, falls ihr: Stellvertreter! Aber der Flut ausweichen, der unreflektierten, panischen, hysterischen, scheinschlauen Welle des Spekulierens und Expertierens und den Bildern des respektfreien, gnadenlosen Draufhaltens, dem üblen Gegaffe und den Mikrophonen in allen Nasenlöchern, dem allen auszuweichen, das ist möglich. Die Bilder, die in den eigenen Köpfen mögen entstehen, diese Bilder brauchen Ruhe und viel mehr Zeit. Man kann das Meiste nicht verhindern. Bitter? Aber, wer Verzicht nicht lernen mag, der bleibt in Gefahr.

Herzlichst Ihren Herr Budnikowski (nach Diktat verreist)

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Die Andere Reise / Ein Bär rezitiert einen Bären

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Da ist also der Baum. Der Baum in meinem Hinterhof. Der Baum, welcher größer ist als der kleine Baum. Größer als jener kleine Baum im Treppenhaus, den ich bemerkte, als ich aufgebrochen war. Dieser Baum hier draußen streckt und reckt sich, als dächte er nach. Das gefällt mir gut. In meinem Kopf rezitiert sich ein altes Gedicht. Die letzten Zeilen. Das komplett Gedichtete ist viel umfangreichender.

Heilig! Heilig! Heilig! Heilig! Heilig! Heilig! Heilig! Heilig! Heilig! Heilig! Heilig! Heilig! Heilig! Heilig!

Die Welt ist heilig! Die Seele ist heilig! Die Haut ist heilig!

Die Nase ist heilig! Zunge und Schwanz und Hand und Arschloch heilig!

Alles ist heilig! Alle sind heilig! Überall ist heilig! Jeder Tag ist in Ewigkeit!

Alle sind Engel!

Der Gammler ist so heilig wie der Seraphim! Der Verrückte ist heilig, wie du, meine Seele heilig bist!

Die Schreibmaschine ist heilig das Gedicht ist heilig die Stimme ist heilig die sie hören sind heilig die Ekstase ist heilig!

Heilig Peter heilig Allen heilig Solomon heilig Lucien heilig Kerouac heilig Huncke heilig Burroughs heilig Cassady heilig die namenlosen geschundenen und leidenden Bettler heilig die abscheulichen menschlichen Engel!

Heilig meine Mutter im Irrenhaus! Heilig die Schwänze der Großväter in Kansas!

Heilig das stöhnende Saxophon! Heilig die Be-Bop-Apokalypse! Heilig Jazzbands Marihuana Hipster Frieden und Drogen und Trommeln!

Heilig die Einsamkeit von Wolkenkratzern und Gehsteigen! Heilig die Cafeterias wimmelnd von Millionen! Heilig die geheimnisvollen Tränenströme unter den Straßen!

Heilig der einsame Götze! Heilig das riesige Mittelklasselamm! Heilig die verrückten Schafhirten der Rebellion! Wer auf Los Angeles steht IST Los Angeles!

Heilig New York Heilig San Francisco Heilig Peoria und Seattle Heilig Paris Heilig Tanger Heilig Moskau Heilig Istanbul!

Heilig die Zeit in Ewigkeit heilig die Ewigkeit in der Zeit heilig die Uhren im All heilig die 4. Dimension heilig die 5. Internationale heilig der Engel im Moloch!

Heilig die See heilig die Wüste heilig die Eisenbahn heilig die Lokomotive heilig die Visionen heilig die Halluzinationen heilig die Wunder heilig der Augapfel heilig der Abgrund!

Heilig Vergebung! Gnade! Nächstenliebe! Glaube! Heilig! unser! Körper! Leiden! Großmut!

Heilig die übernatürliche extrabrilliante intelligente Güte der Seele!

Herr Budnikowski? Sie fehlen mir. Sentiment ist ja wohl erlaubt. Bis bald? Sach nu auch mal wat, Du Heiopei! (Ich zitierte Sie nur. Verzeihung! Ich bleibe mal müde!)

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Die Andere Reise / Ein Bär in der Besorgung

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Mein Freund Budnikowski hat sich eingesperrt, weil er außerhalb seiner selbst sich empfindet. Das ist ein komplexer Satz. Oder einfach nur kompliziert. Es ist ein schwieriger Satz? Nur weil dem Denken heute gerne von gewissen Seiten das Etikett der Eitelkeit angeheftet wird? Das ist doof. Mein Freund Budnikowski sitzt also im Briefkasten. Ich habe keinen Schlüssel. In den USA – schon immer eine Hochburg der Denkverweigerer – legt man abgängige Nachrichten in den Briefkasten und der Bote holt sie raus und schickt sie weg. Woher ich das weiß? Wenn der Ehrenwerte Ernst Albert nicht schlafen kann – und das geschieht häufig – erzählt er mir Geschichten. Dabei schläft er ein und ich bleibe wach. Also ist es sinnvoll, weniger nachzudenken und die Briefkästen nicht abzuschließen? Der Budnikowski atmet wütend gegen Blech. Von innen her. Der Welt ist das Karotte. Aber Budnikowski ist doch auch Welt. Gegenrede? Einig? Also: Der muß da raus. Das ist meine Besorgung. Aber wenn er will so bleiben? Der ist manchmal so wütig. Ich verstehe das, ich bin aber zu faul. Na ja. Ausrede. Ich will doch auch nicht hinschauen, außer mit der Schlafmaske auf den Augäpfeln. Als falle es von den Himmel auf die Welt oder steige aus den Finsternissen des Bösen. Alle sind lediglich Betrachter. Konsumenten? Man darf mit seiner abgrundtiefen Dummheit und Bildungsverweigerung nicht kokettieren. Was spreche ich denn? Weil einer, den so gerne ich mag, sich ver – und einschließt. Ohne Schlüssel. Das besorgt es mir. Oder mich. Schon wieder ICH. Wäre ich ein Lachs, könnte ich mich auffressen. Vielleicht hat Budnikowski recht? Kompletter Rückzug als Versuch zu einen GANZEN jenseits des ICHS zurückzukehren. Gibt es stärkere Hinwendung denn die Abkehr? Ich bin bekennender Solibär. Habe ich oft in die Welt, welche ich, weil der Ehrenwerte Herr Ernst mich am Brandplatz fand und die Heilige Pelagia mir meine Abbes Bein dran nähte, betrachten soll, hinaus gebrummt. Ich mache es gerne. Schauen. In Besorgung. Jetzt aber der abgängige Hase. Weil er nicht mehr offensichtlich in der Welt rumhoppelt. Aber er ist. Was man nicht sieht, so wichtig ist es, wichtiger als das Vordergründige. Ich sitze nun neben Lichtquellen. Vielleicht gehen Sie mir mal auf noch. Demnächst. Oder ich bleibe bei der Nacht. Soll ich jetzt mit Budnikowski über die „Zweieinhalb Weltmeister“ sprechen? Durch Blech? Heitert das auf? Budnikowski? Meine Besorgung? Grad ist es heiter im Hinterhof. Letztes Jahr auf unserer Reise ins Tal pfiff der treue Gefährte manches Liedlein. Heute pfeife ich. Weia, habe ich jetzt viel gequasselt. Das Poem schiebe ich morgen nach. Vielleicht direkt in den Briefkasten rein. Jetzt atmen mit Bart.

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Die Andere Reise / Ein Bär in der Warteschleife

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Budnikowski?

Kaum was von Antwort, aber kurz darauf rappelte man im Kasten. Der Schlitz wird bewegt und leiser, kalter, angstgetränkter Atem entströmt diesem.

Budnikowski? Nicht wohl Sie? Oder was?

Hinter Blech vermutlich der Brustkorb des Freunds. Hebt sich. Senkt sich. Durch verstopfte Nase ein Seufzer. Fatalistischer Natur. Der Bär nickt sich selber zu.

Ach ja! Freund Budnikowski? Warum?

Schwierig!

Das Rauskommen. Richtig? Ich habe den Schlüssel nicht zur Hand.

Nein. Mahler. Das nicht.

Was dann?

Das Warum des Hineingegangenseins.

Wollen Sie nun wieder hinaus?

Na ja.

Weshalb?

Kann nit es tun!

Simpel!

Gerne!

Ist es die Angst?

Man seufzt.

Die Wut?

Man seufzt ganz groß.

Der Ekel?

Man seufzt riesig.

Die Verzweiflung?

Man seufzt ganz riesig.

Die Verzweiflung! Budnikowski?

Man schneuzt sich und antwortet.

Auch, Mahler, aber mehr noch die Schuld.

Eigene?

Das ist die einzige Schuld, die zählt.

Aber doch nicht Sie? Wegen der dummen Pöhlerei?

Blödbär Mahler! Weil alles mit allem zusammenhängt, es vor meinem Blechkasten Blut regnet und zwischen zerfetzten Leibern Pokemons gesucht werden. Oder?

Wer zahlt, hat die Musik.

Normal.

Sagen die, die die Musik aufkaufen, aber nicht zuhören.

Die klingt aber auch Scheiße in letzter Zeit, deren Musik.

Budnikowski, wollen Sie nun sein der Heilige Hase, der so lange auf den Gipfeln der Stürme sitzen bleibt, bis die Weltenläufte sich besinnen?

Sacht die Täuschung zu sich selber, ick bin schon all hier!

Ich bin nicht Ihr Igel!

Weiß ich wohl, mein Freund. Nein! Ich mag nun am eigenen Leibe erfahren haben werden, wie es mag sein im Dunklen herumzustochern, das Hirn erblinden zu lassen und die Augen zuschwellen zu sehen und drüber nachzudenken wie die Synapsen verkrampfen.

Wollen Sie Journalist werden?

Im Blechkasten rotieren Flatulenzen. Hüpfend. Dreivierteltakt.

Oder Kolumnenschreiber?

Im Blechkasten schweigt alles, außer die Magensäure. Kommunizierend röhrende Hirsche. An alte Wände genagelt.

Verstehe, aber eiteln Sie hier nicht rum, Herr Budnikowski.

Wenn ich alle Aspekte der Lehre von der Großen Verdrängung und die Gesänge der Unschuldigen studiert habe, kann ich möglicherweise zwischen den Trümmern wandeln und die Blumen riechen.

Herr Budnikowski? Weia? Waga? Wallala! Wer hälfe mir? Habt acht, habt acht!

Da nach dem kurzem und heftigen Monolog im Blechkasten die Ruhe wie ein Taifun einbrach, klopft der Bär ans Blech. Keine Reaktion. Kein Twitter. Auch kein Scheingewitter. Kein Fahrradgeketter. Der Bär spricht also:

Ich gehe jetzt und warte im Hinterhof.

Dann doch ein Zucken im Kasten. Ein Wort, formuliert als Frage.

Worauf?

Auf mich!

(Liebe Leser! Auf Grund der aktuellen Lage in unseren und anderen Gehirnen wird im Folgenden nicht mehr gereimt! Auch wenn da schon was keimt! Dann ruft der Hase noch was aus seinem Kasten. Wir laufen los und werden rasten.)

Lesen Sie, Mahler. Die Renate Künast erzählt Kein Scheiß.


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