Sie verzeihen uns? / Gedankenschrankereien 003

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23_03

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Man könnte meinen, Herr Mahler hätte sich abgewandt. In seinem Rücken ein etwas zu sehnsüchtig blickender Herr Budnikowski. Aber die Blumen über ihnen blühen erfreut und eifrig, während es vor den Fenstern friert. Wir können lediglich spekulieren, blicken wir auf ein Bild. Sollten es nicht bewerten. Vermutung: Mahler denkt an Zeiten eines nicht täglich durchschossenen Winterschlafs zurück und grübelt. Sein Naturell. Budnikowski wiederum beharrt auf Kommunikation und vergisst ab und an zu schweigen. Wobei. Fragezeichen. Auch das kann vorbeischießen am Gehäuse namens Wahrscheinlichkeit. Möglicherweise ist Budnikowski was von Wichtigkeit eingefallen und Mahler verweigert wie ein hektischer Gaul vor dem Oxer namens Realität. Macht er gerne mal. Jedoch. Psst! Mahler will seinen nächsten Haiku loswerden. Budnikowski nickt. Soll er doch der Mahler. Denkt er der Budnikowski. Weiß er so, daß dat alte Felltier noch leben tut.

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Dieses eine Jahr

Der Regen mied den Garten

Riech an den Blüten

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Sie verzeihen uns? / Gedankenschrankereien 002

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23_02

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Auch Budnikowski hat sich dies oder weniger vorgenommen für das Jahr, welches eigentlich schon wieder vergessen werden kann als ein Versprechen. Es findet ja einfach nur statt. Kennt man eigentlich. Da hat Archibald Mahler auch nichts dagegen und ist sich in diesem Fall mit Herrn Kuno Budnikowski einfach nur einich. Und ei gugge her mal, das iss ihm och nich peinlich. Was heißt, Herr Kuno Budnikowski möchte weiterhin gewisse Verwirrtheiten mit Stolz gerecktem Löffel durch die bevorstehenden Tage, Wochen und Sekunden tragen und dies ohne zu klagen. Und was der komische Vogel an seiner Seite noch zu vermelden hätte? Der hat noch nicht mal einen Namen. Aber den wird man noch finden. Archibald Mahler fallen schon wieder die Augen zu. Jedoch: stirbt der Winter, so auch der nach ihm benannte Schlaf. So fallen des Bären Augen wieder auf. Schwerkraft hin oder quer. Und weil Budnikowski kein Japaner ist, reimt er in alter Verbundenheit einen Vierzeiler.

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Mir war kalt an Arsch und Pöter

Drum ist die Heizung hochgedreht

Das wurde dann dokumentiert

Und dadurch Bild ein wenig röter

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Herr Mahler spricht daraufhin im Halbschlaf. Fragt den Budnikowski, ob er sich mit diesem Reim als Büttenredner bewerben möge. Der Hase antwortet nicht. Zumindest heute nicht.

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Sie verzeihen uns? / Gedankenschrankereien 001

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23_01

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Archibald Mahler hat sich für dieses Jahr fest vorgenommen durch die Blume zu sprechen. Kuno Budnikowski sitzt ihm dabei im Rücken. Und er ist nicht alleine. Er hat seinen Vogel mitgebracht. Hinter ihnen, wie immer, winkt die Welt. Das Fenster geschlossen aber und so ein gewisser Abstand in Sachen Sicherheit gewahrt. Wärmelampe an. Das Jahr ist schon dem Strampelanzug entwachsen und zahnt bereits. Aber so recht zubeißen kann es dann doch noch nicht. Das neue Jahr. Wer macht eigentlich die Kalender? Ist heute nicht weiterhin gestern. Archibald Mahler will keine Panzer verschenken. Er spricht ja durch die Blume. Lieber das. Wenn Budnikowskis Vogel zu frech wird, na ja, dann kann er schon mal gefressen werden. Vom Archibald Mahler. Aber das plant er nicht. Für den Rest des Jahres. Draußen, vor dem Fenster, ist Winter. Also zumindest ein wenig. Die Aufrechtgeher haben vergessen wie Winter geht. Sie schlottern schon bei um die Null, wollen aber die Berge dick verschneit. Der liebe Gott sitzt gestresst im Labor und entwickelt zehn Grad warmen, aber kompakten Schnee. Der Wahrheit geschuldet dennoch dies. Wenn Mahler und Budnikowski sich langweilen, dann schauen sie Wintersport. Stundenlang. Dabei schreibt Mahler immer noch Haikus. So nebenher. Budnikowski stellt Fragen und sein bohrender Zeigefinger ist länger als Pinocchios Nase. Morgen reden wir mit der Blume in der Vase. Vielleicht antwortet sie uns.

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Unter den Blüten

Legte ich mich zur Ruhe

Als der Fluss gefror

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Die Sommerpause ruht vorm Winterschlaf / Zehn

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PS18

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„Und jetzt? Mahler?“

„Budnikowski! Das was bleibt!“

„Ich sehe, mein Freund, auch das Ende dieses Jahres verleiht Ihnen offenbar nicht die Gabe Geschwätzigkeit!“

„Gabe?“

„Sie haben wohl recht! Ein wahrer Fluch mag es ab und an sein!“

„Gewiss. Vieles was so aus einem belesenen Maule tropfet, man hätte es, all zu gern, wieder eingefangen und in den Stall gesperrt!“

„Tja, Mahler, aber fangen Sie mal das Wasser mit einem Sieb!“

„Ach Budnikowski. Mögen Ihre Worte auch im Neuen Jahr wie ein Federball zwischen uns hin und her gedroschen werden.“

„Das Bild gefällt mir. Man muss dem Federball ordentlich einen mitgeben und kaum hat er den Schläger verlassen, fliegt er sanfter denn geprügelt.“

„Das nächste Jahr! Es wird das dreizehnte sein, in dem wir bequatschen.“

„Und bereimen! Das gefällt mir meist besonders! Schenken Sie mir einen Jahresabschlußhaiku?“

„Wohl an!“

„Ich lese?“

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die tür fällt ins schloß

unter der fußmatte liegt

laß dich vergessen

*

junge triebe ich zertrat

da ich begann das suchen

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„Mahler! Das ist traurig.“

„Gewiss. Dem letzten Jahre aber zugetan. Schenken Sie mir ein fröhliches Jahresabschlusslied?“

„Wird gemacht! Sind aber ein paar mehr!“

„Guten Rutsch!“

„Auf ein Neues!“

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Die Sommerpause ruht vorm Winterschlaf / 9

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PS17

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„Guten Morgen!“

„Dann doch wach?“

„Nicht wirklich!“

„Und?“

„Na ja, Mahler, die Mexikogeschichte hat mich in die Kissen gedrückt. Richtig nachhaltig, wie man gerne so salbadert!“

„Soll ich die Geschichte nochmal erzählen, bevor ich sie ein für alle Mal vergesse?“

„Aufschreiben, bester Faulbär! Aufschreiben!“

„Budnikowski! Heute ist der Heilige Abend!“

„Weiß ich doch! Da lehnt sich der Hase zurück. Von Eiern befreit und winkt den geknechteten Rentieren zu!“

„Und sonst hätten Sie etwas zu bemerken? Zum Restjahr oder dergleichen?“

„Mahler, um Sie zu zitieren: das überlassen wir den hektischen Aufrechtgehern!“

„Budnikowski! Daumen nach oben vom Bären. Und wer backt die Plätzchen?“

„Ich und sie schreiben derweilen auf!“

„Da kann ich drüber nachdenken. Friedliche Weihnachten!“

„Dem schließe ich mich an!“

„Und wer singt?“

„Wie immer der Meister!“

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Die Sommerpause ruht vorm Winterschlaf / Acht

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PS15

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„Hallo. Hier spricht Archibald Mahler, Bär vom Brandplatz aus der Kleinen immer noch hässlichen Stadt zu Mittelhessen. Ich spreche zu Ihnen, weil ich mit meinem Kompagnon Kuno von und zu Budnikowski aus Senden bei Datteln oder so, nicht mehr sprechen kann. Ist der doch tatsächlich eingepooft unter unseren gemeinsamen letzten Worten, der Hund!“

„Verzeihung! Immer noch Hase!“

„Aha. Ihro Löffeligkeit spricht noch mit mir. Hallo? Haaaaalllloooo! Na ja. Pennt. Spricht im Schlaf. Was man davon halten soll, muss ich nun mit mir selber ausmachen. Ist man aber als Solibär auch gewohnt. Ich bin nun mal so müde, dass der Schlaf mich flieht und in meinem Hirne rappelt es so vor sich hin, dass es nur gelegentlich ein Vergnügen ist. Aber manchmal fällt etwas neben die Bettkante, was mir verwurstbar, oder in meinem Falle verlachsbar, scheint. Und sogar ein wenig Blaubärmarmelade ist dabei. Vielleicht mache ich dieses Jahr durch. Jeglicher Winter ist eh ausgestorben. Bei fünfzehn Grad schläft kein Bär in Ruhe vor sich hin. Und in der Wüste schon gar. Hören Sie? Da bewegt sich was!“

„Dann erzählen Sie mir doch eine Geschichte. Wie früher. CCHHHRZZZ!“

„Wusste gar nicht, dass Hasen schnarchen können. Nun denn! Eine Geschichte? Wie einstens? Wie beginnen? Weia! Also! Ähem! Es war einmal in Mexiko …“

„Genau! CCHHHRZZZ!“

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PS16

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