Heute 600zwo und morgen weiter mit Dichtung

DW38

Der Vollmond hatte kalte Luft vor Mahlers Pranken geschaufelt, da schweigt man noch ein fröstelndes Ründchen in die Nacht hinein. Morgens trotzdem wird es heller als ehedem und die Vögel zirpen, feuchtes Gefieder schlägt Tropfen an die Fensterscheiben. Ein letztes Mal hilft Samuel B. über den Fluß der Wortlosigkeit:

Da tagte es

Lös ein das ausgetauschte Lebwohlsagen

das Linnen entrollt in deiner Hand

mehr hast du nicht übrig fürs Land

und das Glas über deinen Augen unbeschlagen

Mahler denkt darüber nach, ob der Verzicht auf Sehhilfen Vor- oder Nachteile hat.

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Heute: nach 600mal A. Mahler nun die 600eins

DW37

600mal reden statt zu schweigen, wenn bär Welt guckte und der ehrenwerte Herr A. Mahler dankt so heute dem Lippstadt – Budnikowski, Ernst Albert, der immer noch besten aller Frau Pelagias, allen Lesern und vor allem sich selbst, weil wenn man was ertragen muß bis ans Ende der Tage, dann ist es einer selbst. Draußen regnet froher Regen auf trockenfrisches Gras, in Mahler Samuel Beckett again tröpfelt zum Jubiläum, das schon wieder entrauscht ist seit Tagen, die nie waren.

Musik der Gleichgültigkeit

Herz Zeit Luft Feuer Sand

Der Ruhe Einsturz der Lieben

Übertöne ihre Stimmen damit

Ich mich nicht mehr

Schweigen höre

Archibald Mahler denkt so nach über den Unterschied zwischen Silber und Gold.

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MDdW / Trotze den weitläufigen Sälen und meide all’ ihre ekelhaften Nebengemächer!

DW36

Denkt nicht, ihr seid in deutschen Grenzen / von Teufels-, Narren und Totentänzen / kein heitres Fest erwartet euch / da feiste Köpfe leuchten rot / und Herren verneigen sich vor den Götzen / Professorensohn grinst dreistem Söldnerlohn entgegen / es wabert blank Entsetzen / ein Dickgesicht das weiß davon / es fällt die Eisentür ins Schloß / dies wünscht man sich / was soll das bloß / was soll das nur / ach zieh dir selbst an Nas’ und Ohr / wer einmal sein Gesicht verlor / wird es nie mehr erringen / außer in deutschen Grenzen / die Spatzen Lieder singen / buchstabiere Ehrbarkeit / und die Germanen schwänzen / doch deutscher Finger bleibt gestreckt / Mahler seine Wunden leckt / der Budnikowski sowieso / und die Sonne lenzig brennt / ob Lewandowski rennt und rennt / man hofft es kaum!

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MDdW / Trotze jeder Erwartung mit Haltung!

DW35

„Ich schaffe, Mahler, was ihr wollt und schaffe mehr! Zwar ist es leicht, doch ist das Leichte schwer!“

„Es liegt schon da, doch um es zu erlangen, ach Budnikowski, wer weiß es anzufangen!“

„Sie haben recht und so bedenke man die Läufte und wie der Schrecken aus dem Rasen kriecht!“

„Vergesset nicht, wenn Menschenfluten hecheln und geiler Finger Dir ins Auge sticht!“

„Das Liebste, was dem liebend’ Mensch gegeben, er würgt es fordernd und begreift so nicht, daß wenn das Zeigen fremde Brust berühret, man meist sich selbst ins blinde Auge sticht!“

„So war’s doch immer, Budnikowski, und so fortan, bis gestern, ja bis heut, was mich erschrecket, aber manchmal schrecklich freut!“

„Drum hüten, Mahler, wir uns denn an diesen folgenschweren Tag vor allzu lauter Heiterkeit und sehen, was die nächste Nacht uns bringen mag.“

„Mir schwant!“

„Man ahnt?“

„Es wäre schön!“

„Eins ist gewiß, ein jeder muß mal geh’n!“

„Sogar ein solcher?“

„Sogar der!“

„Weia, weia?“

„Folgenschwer!“

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MDdW / Teufel und Kanzler im Gespräch einst

DW34

Da gestern von Bällen gesprochen / betrunken ein Schwur ward gebrochen / und der Mahler sich windet in Reue / Budnikowski sich schämt und aufs Neue / man beschließt alte Dichtung zu feiern / so um des Reimes Ecke wird heut‘ eiern / der Johann von Geheimrat mit Faust Numro Zwei / und hätte auch ein Zitat noch dabei / kursiv und schief / auch historischer Mief / es sprachen einst Teufel und Kanzler:

Mephistopheles:

Wo fehlt’s nicht irgendwo auf dieser Welt? / Dem dies, dem das, hier aber fehlt das Geld / Vom Estrich zwar ist es nicht aufzuraffen/ Doch Weisheit weiß der Tiefste herzuschaffen / In Bergesadern, Mauergründen / Ist Gold gemünzt und ungemünzt zu finden / Und fragt ihr mich, wer es zu Tage schafft / Begabten Manns Natur- und Geisteskraft

Kanzler:

Natur und Geist – so spricht man nicht zu Christen / Deshalb verbrennt man Atheisten / Weil solche Reden höchst gefährlich sind / Natur ist Sünde, Geist ist Teufel / Sie hegen zwischen sich den Zweifel / Ihr mißgestaltet Zwitterkind

Man trifft sich im Cafe Kranzler / was abgerissen / das Leben ist: / genau: / schön!

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MDdW / Freiburg, Dortmund oder Barcelona? Hauptsache noch ein Bier in der rechten Hand!

DW33

Der Spiele so viele / verfolgten wir auf der Diele / als wir niederlagten / sieglos klagten / weil nicht wie man gedenkt / der Ballergott gelenkt ins rechte Netz den Ball / so also schuldig’ henkt / hast du `nen Knall / am Galgen trüber Hoffnung von gestern / Kicken ist kein Italowestern / die Faust klopft auf den Oberschenkel / der Krug voll Bier hat einen Henkel / der blaue Fleck am eignen Leib als depressiver Zeitvertreib / es ertönt aus der getret’nen Wade / ein einzig’ Aufschrei: Schade, schade / das Flutlicht aus der Arena schleicht / wer nichts gewinnt hat nichts erreicht / vom zweiten bis zum letzen Platz / sabbert Erwartung enttäuscht auf den Latz / das Ego findet Dellen beim Blick auf die Tabellen / als hängte Lebens‘ Rechnungsschluß / an einen leicht verdrehten Schuß / der nicht im Netz / der aber von der Stange zurückgeprallt / oder von des Schicksals Latte / früher als ich Masern hatte / der Fußball ist ein böses Spiel / damals gab es noch Vinyl / heut‘ muß man Philipp Lahm ertragen / trotz Gomez nicht verzagen / so ist die Welt / und wem das nicht gefällt / der den Mond anbellt

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