Appenzeller Vergewisserungen / Kuh käut wieder

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Lieber Herr Ernst Albert!

Sie haben mich gebeten, darüber nachzudenken, was ich aus dem Appenzell mitnehmen wollen würde. Erstmal keine Gegenstände würde ich sagen, keine Souvenirs, also keinen Käse oder Biber oder so, aber eine dieser freundlichen Kühe auf dem Hinterhof in der Kleinen Häßlichen Stadt in Mittelhessen würde mir sehr gut gefallen. Ich könnte morgens aufwachen und würde dieses herrlich gleichmäßige Bimmeln der Kuhglocken hören können, bevor der restliche Tag auftritt. Dieses Bimmeln ist für mich das schönste und friedlichste Geräusch der Welt. Stellen Sie sich vor, dieses Geräusch entsteht vor allem dann, wenn die Kuh den Kopf hebt und wieder senkt um zu fressen. Aber das geht ja nicht mit einer echten Kuh auf dem Hinterhof, weil es ist auch kein Gras dort, lediglich etwas Unkraut und Frau Pelagias gelungene Avocadoversuche. Deshalb nehme ich die Vorstellung mit, daß ich eine Kuh wäre, ich selber eine Kuh mit so vielen Mägen wie eine Katze Leben hat. In etwa. Ich würde aufwachen, aus dem Stall hinaus in die Bergluft hufen, etwas bergwandern, hoch und runter, fressen und fressen und fressen und ab dem Nachmittag rumliegen, das verzehrte Gras plus beigemischte Kräuter von Magen zu Magen wandern lassen, Teile davon wieder hoch würgen, nachschmecken, nachkauen, nachdenken, runter mit dem Zeugs in einen meiner sieben Ranzen, Lab dazu, vergären lassen, wieder käuen und kauen, warten bis die Milch in den Euter schießt, dann der Senn ruft und die Milch in die Kanne tropft und später Butter und Käse ante Migros.

Aber auch die großen braunen Augen der Appenzeller Kühe gefallen mir sehr gut und die Frisuren, die viele der Kühe zwischen ihren Hörnern – auf die sie auch mal dämliche Wanderer, die glauben unangeleinte Dackel über die Alp schleifen zu müssen, nehmen dürfen – tragen und die ihnen von den liebevollen Bergbauern verpaßt werden, sowie ihre Namen. Eine Appenzeller Kuh ist nicht anonym. Das gefällt mir. Also stelle ich mir vor, ich wäre eine Kuh auf harmonischer Weide. Das Leben wäre bestimmt vom Gleichmaß und man könnte immer wieder auf dem Zeugs, was eigentlich gefressen ist, rumkauen, bis es dann endlich verdaut ist und – hoffentlich – ausgeschieden. Und dann wird sortiert: Kuhfladen hier, Milch dort. Einfach, klar strukturiert, hier stinkend, dort wohlschmeckend, da böse, dort drüben gut und das alles umgeben von herrlicher Natur.

Na ja, vielleicht wird mir dann schnell langweilig. Aber darüber will ich weiter nachdenken und so werde ich den Rest des Tages zwischen den bimmelnden Kuhglocken schwelgen und froh sein hier sein gewesen zu dürfen. Und Kühen sollte man auch nicht direkt in die Augen schauen. Das mögen sie nicht.

Jetzt bin ich gespannt, was der Mahler mitnehmen will und bitte um eine gerechte, nicht allzu strenge Benotung meines Beitrages. I hope, I passed the audition.

Herzlichst Ihr Herr Kuno Zimmermann

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Autor: Christian Lugerth
Datum: Sonntag, 28. September 2014 21:06
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